Opernhaus Zürich: Premiere von Rossinis „L’Italiana in Algeri“

Opernhaus Zürich/L’italiana in Algeri/E. Olvera, I. Abdrazakov/Foto @ Monika Rittershaus

Im Jahre 1813 fand in Venedig die Uraufführung der Oper L’Italiana in Algeri von Gioachino Rossini statt. Die Oper, welche er im Alter von nur 21 Jahren komponiert hatte, war von Anfang an ein großer Erfolg und gehörte innert kürzester Zeit zum Repertoire der großen Opernhäuser in der ganzen Welt. Zur damaligen Zeit befand sich die Faszination für den Orient auf dem Höhepunkt und man war von der fremdartigen Lebensweise und vor allem von der Stellung der Frau und den mächtigen Herrschern beeindruckt, aber auch irritiert. (Rezension der Premiere v. 6.3.2022)

 

Die Geschichte dreht sich um die Italienerin Isabella, welche auf der Suche nach ihrem Liebhaber Lindoro, als Gefangene nach einem Schiffbruch, in die Hände des Mustafà fällt. Dort ist Lindoro schon seit Monaten als Sklave gefangen. Auf raffinierte Weise gelingt es Isabella, sich die Gunst des Macho Mustafà zu erschleichen, welcher seiner Ehefrau überdrüssig ist. Er verfällt ihren Reizen. Später jedoch steht er als Verlierer da und wird zur lächerlichen Figur. Isabella und ihr Liebhaber Lindoro kehren als glückliches Paar nach Italien zurück. Mustafà bittet seine verstosse Frau um Gnade und Vergebung und es gibt ein „Happy End“. Allerlei Wirren führen zu einer rasanten unterhaltsamen Handlung.

In Zürich kommt man in den Genuss einer Produktion für die Salzburger Festspiele, welche von den beiden immer wieder mit herrlichen Inszenierungen aufwartenden Moshe Leiser und Patrice Caurier erarbeitet wurde. Im Bühnenbild von Christian Fenouillat und mit den Kostümen von Agostino Cavalca entsteht eine Bilderwelt, wie man sie nicht besser gestalten könnte.

Opernhaus Zürich/L’italiana in Algeri/C. Bartoli, I. Abdrazakov/Foto @ Monika Rittershaus

Die Handlung kommt ohne Turbane und orientalischen Zauber aus, sondern kommt durchaus modern daher. Trotzdem werden auch viele Klischees eingebaut, welche einen gekonnt zum Schmunzeln bringen. Dies ist nur mit einem Sängerensemble möglich, welches nebst dem Singen auch durch ihr schauspielerisches Talent begeistern kann, was allen Beteiligten bestens gelungen war. Ihre Freude an der Herausforderung war deutlich spürbar.

Als selbstsichere und raffinierte Isabella war Cecilia Bartoli voll in ihrem Element. Von ihrem virtuosen Gesang und ihrem köstlichen Spiel war man einmal mehr hingerissen. Was für ein Glück, Cecilia Bartoli an diesem Haus immer wieder erleben zu dürfen.

Zum ersten Mal am Opernhaus Zürich war der weltweit gefragte Bass Ildar Abdrazakov zu hören. Die Rolle des Mustafà, welche er auch schon in Salzburg verkörpert hatte, verlangt große Virtuosität. Seine Stimme ist mächtig und erlaubt ihm alle Facetten dieser Partie überzeugend zu interpretieren. Er spielt diesen Macho mit soviel Beweglichkeit derart überzeugend, dass ihm die Lacher im Publikum sicher sind.

Opernhaus Zürich/L’italiana in Algeri/L. Brownlee, I. Abdrazakov /Foto @ Monika Rittershaus

Ebenfalls auf vielen großen Opernbühnen zuhause ist der Tenor Lawrence Brownlee. Seine Leistung brachte ihm schon nach der ersten Arie begeisterten Applaus ein. Ihm scheint diese Partie auf den Leib geschrieben zu sein. Großartig bis in die höchsten Höhen. Als Taddeo war Nicola Alaimo ebenfalls zum ersten Mal am Opernhaus zu hören. Und auch er überzeugt mit einem warmen Bariton, welcher keine Wünsche offen lässt. Herrlich das Duett mit Isabella. Als leidende Ehefrau des Mustafà ist Rebeca Olvera die ideale Besetzung. Bereits in der Ouvertüre, welche das Schlafgemach des Mustafà zeigt, spielt sie die Rolle der Elvira köstlich und lässt ihre Sopranstimme auch in den großen Finalszenen leuchtend erklingen.

Die Mezzosopranistin Siena Licht Miller als Zulma und der Bassbariton Ilya Altukhov als Haly, beide Mitglieder des Internationalen Opernstudios, ergänzten dieses auserlesene Ensemble mit sehr überzeugenden Leistungen. Der Chor der Oper Zürich war sowohl gesanglich, als auch szenisch gefordert und meisterte diese Aufgabe mit Bravour. Einstudierung Ernst Raffelsberger.

Opernhaus Zürich/L’italiana in Algeri/N. Alaimo, Chor/Foto @ Monika Rittershaus

Ein besonderes Glück hat das Opernhaus mit dem hauseigenen Orchestra La Scintilla. Nur sehr selten hört man diese Oper auf historischen Originalinstrumenten gespielt. Mit Gianluca Capuano hat man einen ausgewiesenen Spezialisten als musikalischen Leiter am Pult. Was für eine Energie und was für ein bis in die rasantesten Szenen perfekt spielendes Orchester. Zusammen mit dem herrlich singenden und agierenden Ensemble entsteht so ein Opernabend, welcher einen mitreißend unterhält.

Der große Zwischenapplaus nach den Arien und die Ovationen des Publikums am Ende belohnten alle Mitwirkenden zu Recht für diese Leistung.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Opernhaus Zürich / Stückeseite
  • Titelfoto: Opernhaus Zürich/L’italiana in Algeri/Foto @ Monika Rittershaus

 

 

 

 

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