Oper Bonn eröffnet die Spielzeit mit „Staatstheater“ von Mauricio Kagel am 13. September 2020

Oper Bonn /Groß und Helmich/Foto @ Thilo Beu

Eigentlich sollte die Premiere von „Staatstheater“ am 25. April 2020 sein. Die Proben mit dem Ensemble waren im vollen Gang, als die Zwangspause verkündet wurde. Regisseur Jürgen R. Weber erarbeitet nun eine „Corona-Version“, bei der das Orchester auf der Bühne sitzt und die von der Berufsgenossenschaft vorgeschriebenen Abstände von zwei Metern zwischen je zwei Künstlern eingehalten werden.  

 

Es folgt am 2.10.2020 die Barockoper „La Calisto“ in der Urfassung von Francesco Cavalli in der Regie von Jens Kerbel und mit Bühnenbildern und Videoprojektionen des Teams von „Fettfilm“, die mit so wenig Musikern auskommt, dass man sie auch unter Corona-Bedingungen aufführen kann. 

Schon am 24. Oktober 2020 ist die Premiere von „Faust, ein Traumspiel nach Johann Wolfgang von Goethe“, ebenfalls in der Regie von Jürgen R. Weber, einem Projekt mit dem Kinder- und Jugendchor. 

„Das wichtigste für uns ist die Sicherheit des Publikums“, so Intendant Dr. Bernhard Helmich bei der Pressekonferenz am 17. Juni 2020. Er hat in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt ein Hygienekonzept erarbeitet, bei dem bis zum 7. November 2020 zunächst in der Oper 320 Plätze, im Schauspiel 130 Plätze und in der Werkstattbühne 30 Plätze besetzt werden können. Alle Besucher*innen müssen ihre Kontaktdaten hinterlegen und im Theatergebäude eine Mund-Nasenbedeckung tragen, die sie während der Vorstellung abnehmen dürfen, denn zwischen je zwei fremden Besuchern wird ein Abstand von 1,50 m eingehalten.

Der Spielplan des Bonner Theaters enthält vorerst nur die Premieren bis Anfang November. Über alle Produktionen informiert das Theater Bonn auf seiner Website.  Die Theaterkassen sind ab 20. Juni 2020 wieder geöffnet.

 

Oper Bonn erhält 1,25 Millionen € Landeszuschuss für „Fokus 33“

Intendant Dr. Bernd Helmich hofft, dass man im November 2020 zum Normalbetrieb übergehen kann. Die Oper Bonn hat nämlich die Förderzusage für „FOKUS 33“ bekommen. Das Land NRW fördert hiermit seit 2019 die Profilbildung kommunaler Theater und Orchester mit einem Gesamtetat von 25 Millionen €, von dem die Oper Bonn 1,245 Millionen erhält, um über die kommenden drei Spielzeiten Opern zu spielen, die wie „Oberst Chabert“, „Penthesilea“ oder „Der Traum, ein Leben“ entweder ihren Weg nach 1933 in den Kanon nicht gefunden haben oder aber ab 1945 wieder aus ihm verschwunden sind. Das Programm wurde von Operndirektor Andreas K. Meyer entwickelt. Es wird ehrenamtliche Opernführer geben, die die Besucher*innen in die Werke einführen.

Konkret sind für die Spielzeit 2020/21 unter dem Vorbehalt der Realisierbarkeit geplant:

Rolf Liebermanns „Leonore 40/45“, die 1952 in Basel uraufgeführte deutsch-französische Völkerverständigungsoper, die in Deutschland eine Serie von Misserfolgen erlebte, weil das Publikum immer noch im Feindbild des 2. Weltkriegs verhaftet war.

Als weitere Wiederentdeckung gibt es am Ende der Spielzeit das seit 150 Jahren vergessene deutschsprachige Singspiel „Ein Feldlager in Schlesien“, das zur Wiedereröffnung des Berliner Königlichen Opernhauses 1843 von Giacomo Meyerbeer komponiert wurde.

Die nächste Produktion aus der Serie der Verdi-Opern in der Regie von David Poutney wird „Ein Maskenball“, ist für Ende November geplant und noch nicht abgesagt.

„Wir machen keine verstümmelten Opern. Keinen Parsifal mit zwei Klavieren“, so grenzt sich Helmich von anderen Intendanten ab. „Der Chor probt schon, aber tritt noch nicht auf, das Orchester sitzt nicht im Graben, sondern auf der Bühne.“

„Wichtig ist uns die Sicherheit unserer Mitarbeiter“, so Theaterchef Jens Groß. Er kann seine Premiere „Der zerbrochene Krug“ mit acht Schauspielern als Beitrag zu Me-too-Debatte am 7. November 2020 ausnahmsweise in der Oper feiern, weil dort die Bühne und der Zuschauerraum größer sind. Man hofft aber, das Stück bald wieder mit Normalbetrieb im Schauspielhaus in Bad Godesberg zeigen zu können.

Das Musical „Young Frankenstein“, das ursprünglich die Spielzeit 2020/21 eröffnen sollte, ist definitiv abgesagt, ebenso wie die Uraufführungen von „Awakening“ und der neuen Familienoper von Moritz Eggert, die verschoben werden. Auch das Tanztheater ist bis auf das Zwei-Personen-Stück „Fossile“ am 17.10.2020 ausgesetzt. 

Oper Bonn/Dirk Kaftan/ Foto @ Thilo Beu

Stattdessen macht Dirk Kaftan Hoffnung auf eine Neuinszenierung von „Hänsel und Gretel“ in der mit einem Kammerorchester besetzten Urfassung von Engelbert Humperdinck in der Regie und mit Video-Projektionen des Teams von „Fettfilm“.

„Der Gedanke, dass ein Ensemble wichtig ist, hat wieder Konjunktur. Für Sängerinnen und Sänger bedeutet das ein sicheres Gehalt und eine Perspektive“, so Intendant Dr. Bernhard Helmich. Er hat Ava Gesell, die entzückende Nedda in Bonn, Pavel Kudinov, König Heinrich in Bonn, Bariton Vincenzo Neri und Tenor Santiago Sanchez neu in das Ensemble engagiert.

Am schlimmsten betroffen ist wohl GMD Dirk Kaftan. „Wir wären eigentlich heute in Tokio, stattdessen sind wir in Kleinstbesetzungen mit Sängern der Oper unterwegs. Es ist ein Absturz vom Jubiläumsjahr in die Kurzarbeit.“ Er gestaltet mit dem Beethoven-Orchester das Freitagskonzert I am 11. und am 18. September und das Freitagskonzert II am 23. und am 30. Oktober sowie das Familienkonzert am 11. Oktober 2020.

 

  • Artikel von Ursula Hartlapp-Lindemeyer / RED. DAS OPERNMAGAZIN
  • Theater Bonn / Website
  • Titelfoto und alle weiteren Fotos @ Thilo Beu

 

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