Neu auf DVD: ELEKTRA der Salzburger Festspiele 2020

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Bei den Salzburger Festspielen setzen der österreichische Dirigent Franz Welser-Möst und die Wiener Philharmoniker mit der Interpretation der Werke von Richard Strauss regelmäßig neue musikalische Maßstäbe. Die Elektra im Sommer 2020 gilt aufgrund der außerordentlichen Solistenbesetzung als einer der Höhepunkte ihrer Zusammenarbeit. Pandemiebedingt konnte die Premierenserie nur vor reduziertem Publikum gezeigt werden und sorgte dafür umso mehr in ihrer TV-Übertragung für Aufsehen. Wer auch in diesem Sommer die Wiederaufnahme nicht besuchen kann, dem sei nun die DVD-Veröffentlichung dieser Produktion ans Herz gelegt. Wir werden wir im kommenden August auf unserem DAS OPERNMAGAZIN noch ausführlich über diese Elektra berichten, deshalb verzichten wir an dieser Stelle auf Einzelheiten der durchaus gelungenen Regie von Krzysztof Warlikowski.

 

Einen Rundumschlag zu dieser Oper von Richard Strauss und den Wiener Philharmonikern haben wir im letzten Jahr veröffentlicht: „Elektra“ zu den Salzburger Festspielen: Der dreifache Triumph der Wiener Philharmoniker – DAS OPERNMAGAZIN

Elektra 2020: Tanja Ariane Baumgartner (Klytämnestra), Ausrine Stundyte (Elektra)
© SF / Bernd Uhlig

Auf keiner anderen Opernbühne hat man zuletzt die drei großen weiblichen Partien in Richard Strauss‘ Elektra mit exzellenteren und wilderen Sängerdarstellerinnen besetzt: Aušrinė Stundytė in der Titelrolle Elektra, Asmik Grigorian als ihre kleine Schwester Chrysothemis sowie Tanja Ariane Baumgartner als Mutter Klytämnestra rockten die Bühne der Felsenreitschule Salzburg! Allein um die wahrhaftige Mimik und Gestik dieser drei Frauen aus nächster Naher nachzuerleben, um die Panik, Rache und Hoffnung in ihren Gesichtern ablesen zu können, sollte man sich diese DVD zu Gemüte führen!

Und nicht nur darstellerisch, auch gesanglich kann diesem Trio Infernal so schnell niemandem das Wasser reichen – eine Besetzungswahl par excellence, wunderbar abgerundet durch Derek Welton in der Rolle des Orest.

Als sehr vorteilhaft erweisen sich die Bild- und Tonqualität dieser DVD: Die farblichen Kontraste des Regisseurs Krzysztof Warlikowski, diese prägten das Live-Erlebnis spürbar, sind optimal auf der DVD im Bild eingefangen. Durch die schnellen Schnitte und das Heranzoomen an die Gesichter der Sängerinnen werden sämtliche Emotionen eindrücklich nacherlebbar. Bekanntermaßen ist die Akustik der Felsenreitschule Salzburg durch eine lange Nachhallzeit geprägt und dementsprechend anspruchsvoll in einer Aufnahme einzufangen. Den Toningenieuren gelang in diesem Fall ein außerordentlich knackiger Klang, eine Wucht als säße man in der 1. Reihe, lassen sich sämtliche Farbpaletten des Orchesters im heimischen Wohnzimmer reproduzieren. Die Wiener Philharmoniker klingen in dieser Aufnahme weitaus detaillierter und voluminöser als in manch anderer Salzburger DVD-Produktion, beispielsweiße der orchestral blass-klingenden Aufzeichnung der Elektra aus dem Jahre 2010. Diese DVD unter der musikalischen Leitung von Daniele Gatti ist mittlerweile auch nicht mehr im Handel erhältlich.

SALZBURGER FESTSPIELE 2020/ Elektra 2020: Ausrine Stundyte (Elektra), Asmik Grigorian (Chrysothemis)
© SF / Bernd Uhlig

Hinsichtlich Bonusmaterial fällt diese DVD-Veröffentlichung jedoch sehr dürftig aus. Dem Booklet hätte man sicherlich Texte aus dem originalen Programmheft der Festspiele beifügen können, stattdessen gibt es lediglich eine anderthalbseitige Kurzeinführung. Auch die DVD beinhaltet neben der eigentlichen Opernaufführung keinerlei Bonusmaterial, von einigen Werbetrailern mal abgesehen. Der ORF filmt kontinuierlich die Aufführungen der Salzburger Festspiele und zeigt diese auch im TV oder als Stream. Nun wurde die Chance vertan, als Bonus dieser DVD-Veröffentlichung die im November 2020 ausgestrahlte ORF-Dokumentation „Proben mit Franz Welser-Möst“ beizufügen. Anlässlich seines 60. Geburtstags wurde der Dirigent bei Proben seiner Elektra dokumentarisch begleitet und gemeinsam mit den Sängerinnen interviewt.

 

Fazit: Eine mustergültige Produktion voll aufregender Rollendebüts in darstellerisch eindrücklicher Personenregie! Auch bei Verzicht auf Bonusmaterial sind 20-25 € für eine Neuveröffentlichung auf DVD- und Blu-ray ein anständiger Preis.

 

  • DVD-Besprechung von Philipp Richter / Red. DAS OPERNMAGAZIN
  • Salzburger Festspiele
  • Titelfoto: Salzburger Festspiele 2020/ELEKTRA/ Ausrine Stundyte (Elektra) © SF / Bernd Uhlig

 

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