Musikalische Komödie/Oper Leipzig: Premiere zum 150. Jubiläum der »Fledermaus«

Musikalische Komödie Leipzig/DIE FLEDERMAUS(Chor, Ensemble/ Foto © Kirsten Nijhof

Eine ausverkaufte Musikalische Komödie der Oper Leipzig und begeisterter Applaus haben die Premiere der Neuinszenierung von »Die Fledermaus« am 10. Februar 2024 gewürdigt. Uraufgeführt am 5. April 1874 im Theater an der Wien gehört diese dreiaktige Operette von Johann Strauß nach einem Libretto von Richard Genée zu den beliebtesten und am häufigsten gespielten Werken ihrer Gattung. Ein Teil des Lobes für den Erfolg dieser Aufführung gehört dem Regisseur Peter Lund (Bühne: Ulrike Reinhard), dessen Interpretation anerkennt, dass in dieser Partitur viel mehr steckt als eine Aneinanderreihung populärer Arien und Chöre. Abgesehen vom Champagner und den Verkleidungen, die es Figuren unterschiedlicher sozialer Stellung ermöglichen, auf eine Art und Weise zu interagieren, die durch die gesellschaftlichen Normen verboten ist, gibt es eine ernsthafte Gesellschaftskritik sowie eine Geschichte über Untreue in der Ehe und das Streben nach Rache für eine Demütigung.

 

Obwohl viel Champagner getrunken, getanzt und fröhlich miteinander gespielt wurde, kam die dunkle Seite des Librettos deutlich zum Vorschein. Indem die Inszenierung nicht versucht, das Wien der 1870er Jahre nachzustellen, lenkt sie die Aufmerksamkeit auf Themen wie Eifersucht, Ressentiments, Rache und den Wunsch nach sexueller Erfüllung in einer Weise, die von der Gesellschaft verurteilt wird. Die Vorgeschichte wird während der Ouvertüre gezeigt, in der ein betrunkener Dr. Falke in einem Fledermauskostüm mitten in Wien zurückgelassen wird und am helllichten Tag unter dem Gelächter der Leute nach Hause laufen muss. Die Szenenwechsel von einem Schlafzimmer im ersten Akt über einen Ballsaal im zweiten Akt bis hin zu einem Gefängnis im dritten Akt finden fließend vor den Augen des Publikums statt. Die Kostüme, die den sozialen Status jeder Figur widerspiegeln, stammen aus der Mode der 1950er bis 80er Jahre.

Musikalische Komödie Leipzig/DIE FLEDERMAUS/Michael Raschle (Frank), Friederike Meinke (Rosalinde), Adam Sanchez (Alfred)/Foto © Ida Zenna

Gabriel von Eisenstein und Rosalinde erteilen Befehle, schnippen mit den Fingern und verlangen von ihrem Stubenmädchen Adele pausenlose Dienste. Rosalinde, die in der Eröffnungsszene offen mit Alfred flirtet, hat schon seit einiger Zeit eine Affäre. Prinz Orlofsky, der die meiste Zeit im Rollstuhl sitzt, ist nicht nur ein exzentrischer, reicher Russe, der in Wien lebt und gerne Partys schmeißt, sondern auch gefährlich, indem er mehrfach eine Pistole abfeuert (die Zeile in Orlofskys Couplet im zweiten Akt „Wer mir beim Trinken nicht pariert, sich zieret wie ein Tropf, dem werfe ich ganz ungeniert die Flasche an den Kopf!“ muss nicht unbedingt als implizite Drohung interpretiert werden). Am Ende dieser Inszenierung ist Dr. Falke für seine Blamage mehr als gerächt: Eisenstein ist den Tränen nahe, während die anderen tanzen und feiern.

Musikalisch sorgte der Dirigent Tobias Engeli dafür, dass Schmalz in einer von Aufführungstraditionen unabhängigen Lesart vermieden wurde. Die Tempi waren zügig, die Texturen transparent, und das Orchester der Musikalischen Komödie achtete auf Einzelheiten und Veränderungen in den Stimmungen, die in den verschiedenen Teilen der Operette zum Ausdruck kommen. In die Inszenierung integriert, haben der Chor und Zusatzchor der Musikalischen Komödie mit Inbrunst gesungen und waren in den Partyszenen angemessen heiter.

Musikalische Komödie Leipzig/DIE FLEDERMAUS/Friederike Meinke (Rosalinde, verkleidet als ungarische Gräfin)/Foto © Ida Zenna

Jeffery Krueger war ein impulsiver (manchmal ekstatischer, manchmal verzweifelter) Gabriel von Eisenstein. Es war erfrischend, einen Tenor zu haben, den Stimmtyp, für den Strauß die Rolle konzipiert hatte. Die Sopranistin Friederike Meinke stellte Rosalinde als egoistisch, arrogant und manipulativ dar (sie entlarvt die Untreue ihres Mannes, indem sie seine Uhr auf Orlofskys Party stiehlt, während sie versucht, ihre eigene Affäre mit Alfred zu verbergen). Meinkes Darbietung von Rosalindes Csárdás im zweiten Akt („Klänge der Heimat“), als ungarische Gräfin verkleidet, wurde mit tosendem Ovationen bedacht. Der Bariton Michael Raschle machte den Gefängnisdirektor Frank zu einer angemessen lächerlichen Figur, die ihre Pflichten nicht ernst nimmt und zu Beginn des dritten Aktes sogar betrunken zur Arbeit erscheint. Die Mezzosopranistin Nora Steuerwald verkörperte den Prinzen Orolfsky als einen besonders unberechenbaren Charakter, der im wirklichen Leben wahrscheinlich die Gäste verschreckt hätte. Eine besonders gelungene Darbietung des Abends war der vom Tenor Adam Sanchez gesungene Alfred. Sanchez stellte den Alfred als selbstbewussten, redegewandten Mann dar, der wahrscheinlich ein besserer Partner für Rosalinde wäre als Eisenstein. Adele wurde von der Sopranistin Olivia Delauré als kokette, durchtriebene Kammerjungfer gesungen, die weiß, wie sie von den Höhergestellten bekommt, was sie will. Die kleinen Rollen wurden gespielt von Halldóra Ósk Helgadóttir (Ida), Ivo Kovrigar (Dr. Falke), Andreas Rainer (Dr. Blind) und Thomas Pigor (Frosch).

 

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