MOZART, DA PONTE, CURRENTZIS – LUCERNE FESTIVAL SOMMER 2019

LUCERNE FESTIVAL 2019. SOMMER-FESTIVAL 13. September 2019.  musicAeterna Orchester / Teodor Currentzis/ Cecilia Bartoli Foto@ Peter Fischli / LUCERNE FESTIVAL

Zum Abschluss des diesjährigen SOMMER LUCERNE FESTIVAL ist es gelungen, einen ganz besonderen Zyklus zu präsentieren. Der die Musikwelt aufmischende und unglaublich aktive griechische Dirigent Teodor Currentzis war mit seiner vielfach preisgekrönten musicAeterna zu Gast. An drei Abenden wurde der Mozart-Da Ponte-Zyklus aufgeführt. An einem weiteren Abend waren Currentzis mit Cecilia Bartoli an einem Mozartabend zu erleben. 

 

MOZART-DA PONTE-ZYKLUS

Teodor Currentzis / musicAeterna

KKL Luzern 12. – 15. September 2019

 

Über die unglaubliche Energie und seine eigene Vorstellung der Werke Mozarts ist schon viel berichtet worden und die vielen Auszeichnungen für seine Interpretationen sind Zeugnis seines eigenständigen Schaffens. Nun war die Gelegenheit gegeben, diesen Zyklus live zu erleben. Die Erwartungen des Publikums waren dem vorangegangenen Medienrummel entsprechend sehr hoch.

LUCERNE FESTIVAL Sommer-Festival 2019:
Sinfoniekonzert 25: Teodor Currentzis leitet das musicAeterna Orchester der Oper Perm  13.09.2019/Foto@ LUCERNE FESTIVAL/ Priska Ketterer

Am ersten Abend erklang «LE NOZZE DI FIGARO» und gleich nach der Ouvertüre, welche von Currentzis mit viel Körpersprache dirigiert wurde, war man sich bewusst, einer außergewöhnlichen Aufführung beizuwohnen. Anders, als in konzertanten Opernaufführungen, wo die Sänger in der Regel in Abendrobe mehr oder weniger statisch am Bühnenrand singen, wird hier vom ersten Auftritt der Solisten an, sofort eine Spielfreude erkennbar und die Sänger werden auch als Schauspieler gefordert. Wie Currentzis die einzelnen Arien und Ensembles miterlebt und energisch begleitet, ist ein ganz neues Hör- und Seherlebnis. Auch dem Orchester wird durch die Idee, der zwischendurch stehenden Musiker, eine Sonderleistung abverlangt.

Mit einer feinen Personenführung und einigen durchaus witzigen Details wird die Handlung nachvollziehbarer. Currentzis hat das Ensemble zu jedem Zeitpunkt voll im Griff und seine ihm in Fleisch und Blut liegende Energie scheint grenzenlos zu sein. Auch der Chor wird in seinen kurzen Auftritten durch die gekonnte Regie einbezogen. Was die Musiker der musicAeterna mit der «entstaubten» Version dieser vielgespielten Oper leisten, ist hervorragend. Von energischen Klängen bis in die fast ins endlose verlängerten Piani ist man als Zuhörer gefordert und kann, wenn man sich auf diese Interpretation einzulassen bereit ist, diese Musik ganz neu erleben.

LUCERNE FESTIVAL Sommer-Festival 2019:
Sinfoniekonzert 25: Teodor Currentzis/ musicAeterna Orchester der Oper Perm 13.09.2019/Foto @ LUCERNE FESTIVAL/ Priska Ketterer

Teodor Currentzis hat ein Ensemble an Sängern ausgewählt, welches sich ganz seinen hohen Anforderungen anpasste.

Alex Esposito als Figaro sang und spielte hervorragend und kostete alle Facetten dieser Partie aus. Andrei Bondarenko als Graf Almaviva überzeugte ebenfalls mit seinem gut geführten Bariton. Seine Gattin, die Gräfin Almaviva, wurde von Ekaterina Scherbachenko gesungen. Mit feiner Stimme und schönen Höhen sowie ihrer eleganten Erscheinung war diese Partie bestens besetzt. Besonders begeistert hat Olga Kulchysnka als reizende Susanna. Eine Idealbesetzung, welche mit frischer Stimme und toller Ausstrahlung die Bühne immer wieder beherrschte. Paula Murrihy sang den Cherubino mit herrlichem Mezzo. Fanie Antonelou als Barbarina hatte mit der Klage im vierten Akt ebenfalls einen berührenden Auftritt. Daria Telyatnikova (Marcellina), Evgeny Stavinyski (Bartolo),Krystian Adam (Don Basilio), Danis Khuzin (Don Curzio) und Garry Agadzhanyan (Antonio) ergänzten dieses Sängerensemble. Das Publikum bedankte sich mit Ovationen und feierte alle Beteiligten.

Am zweiten Abend wurde mit «DON GIOVANNI» der Zyklus fortgesetzt.

Teodor Currentzis betrat das Podium im total abgedunkelten Raum und verschaffte so den ersten Tönen der Ouvertüre einen besonderen Effekt. Auch in dieser Aufführung wurden wieder verschiedene szenische Ideen und eine raffinierte Beleuchtung eingesetzt, welche die Spielfreudigkeit des Orchesters und der Sänger unterstützten. Sowohl mit rasenden Tempi, aber auch mit unglaublich leisen Piani, wurde so eine eigenständige Stimmung geschaffen. Besonders in den ganz ruhigen Momenten war auch das Publikum unglaublich konzentriert und offensichtlich von der Magie dieser Musik fasziniert. Ganz ausgefallen war die Idee, die Oper mit dem herabsinken des Don Giovanni in die Hölle enden zu lassen. Erst nach dem großen Applaus für alle Beteiligten, erklingt wie eine Zugabe dann das Schluss-Sextett.

LUCERNE FESTIVAL 2019. SOMMER-FESTIVAL 14. September 2019.  Don Giovanni. Das musicaAeterna Orchester und der Chor der Oper Perm /Teodor Currentzis.  Foto @ Peter Fischli / LUCERNE FESTIVAL

Die Sänger des Abends bildeten ein starkes Ensemble. In der Titelrolle sang Dimitris Tiliakos einen Verführer, dem man allerdings noch etwas mehr Raffinesse gewünscht hätte. Seine Stimme ist gut geführt und durchaus zu großen Momenten fähig, jedoch fehlte es an Durchschlagskraft. Ganz anders Kyle Ketelsen als Leporello, welcher mit großer Stimme diese Partie meisterte und auch als Darsteller glaubhaft in seiner Rolle aufging. Mit feinem Tenor und einer sicheren Stimme sang Kenneth Tarver den Don Ottavio. Ruben Drole als Masetto kostete diese Partie mit viel Spielfreude aus und war eine stimmlich ebenfalls gute Besetzung. Robert Lloyd war ein würdiger Commendatore.

Als Donna Anna konnte man die russische Sopranistin Nadezhda Pavlova erleben. Diese dramatische Partie gestaltete sie mit sicherster Höhe und feinen Tönen und war eine wirkliche Entdeckung. Das Publikum spendete Ihr den stärksten Applaus des Abends.

Auch Federica Lombardi als ewig liebende/leidende Donna Elvira war hier überzeugend besetzt. Diese junge Sängerin gestaltete die Figur mit viel Gefühl und einer sehr angenehmen Stimme. Christina Gansch als Zerlina sang, spielte und überzeugte mit ihrer frischen und sicheren Stimme.

Auch dieser Abend endete mit stehenden Ovationen für alle Beteiligten.

Zum Abschluss dieser Da Ponte-Opern-Serie und gleichzeitig auch als letztes Konzert des diesjährigen Sommer Lucerne Festivals, stand «COSI FAN TUTTE» auf dem Programm. Das Wechselspiel der Gefühle, welches diese Oper beherrscht, war besonders gut zu spüren, durch die Interpretation von Teodor Currentzis und seiner musicAeterna. Was für ein Spiel mit den Tempi, mit Piani und Forti. Man erlebte auch hier diese Musik ganz neu und frisch. Man hört dadurch noch aufmerksamer auf die einzelnen Arien und Ensembles. Das total konzentrierte Publikum ist der beste Beweis, dass diese Version Ihre Berechtigung hat. Was für eine Energie wird hier spürbar und durch den Dirigenten und das voll engagierte Orchester sicht- und hörbar!

Das alles ist natürlich nur möglich, wenn alle Elemente dieser Aufführung miteinander harmonieren und das Konzept, welches ein Umdenken auch der Solisten verlangt, mittragen. Dies war auch an diesem Abend wieder bestens gelungen. Es war ein Ensemble zu erleben, welches sich total aufeinander eingespielt hatte und auch selbst viel Spaß an dieser Aufführung hatte. Als erste in diesem wirklich ausgezeichneten Ensemble muss Cecilia Bartoli genannt werden, welche nur für diesen einen Abend die Partie der Despina noch einmal gesungen und gespielt hat. Die Energie dieser Frau und Ihr totaler Einsatz für eine Rolle ist immer wieder zu bewundern. In Sekundenschnelle hat sie das Publikum erobert. Herrlich die Szenen als Arzt oder Notar. Eine Gelegenheit, diese Ausnahmesängerin zu hören und zu erleben.

LUCERNE FESTIVAL 2019. SOMMER-FESTIVAL 15. September 2019.Cosi fan tutte  musicaAeterna Orchester / Teodor Currentzis. Foto@ Peter Fischli / LUCERNE FESTIVAL

Ganz besonders eindrücklich waren die beiden Damen des Abends. Nadezhda Pavlova als Fiordiligi und Paula Murrihy als Dorabella. Eine wunderbare Harmonie der Stimmen in den Duetten. Ein Genuss! Nadezhda Pavlova überzeugte mit viel Gefühl und reinen Höhen, Paula Murrihy mit herrlichem Mezzosopran.

Die Liebhaber des Schwesternpaars, welche in diesem Verkleidungsstück ebenfalls voll gefordert wurden, konnten virtuos Ihre Stimmen präsentieren. Mingjie Lei, ein ganz junger Tenor, welcher schon wichtige Preise gewonnen hat, sang seine Arien mit bezaubernder Stimme und spielte den Ferrando mit enormer Bühnenpräsenz und viel Humor. Konstantin Suchkov als Guglielmo ergänzte das Paar der beiden Liebhaber aufs Beste und konnte seinen flexiblen Bariton in den Arien und Duetten erklingen lassen. Auch hier ein ideales Rollenpaar, welches überzeugte. Konstantin Wolff sang Don Alfonso mit einem frischen Bassbariton und interpretierte alle Facetten dieser Partie.

Als am Ende alle vereint auf der Bühne standen und das Finale verklungen war, kannte die Begeisterung des Publikums keine Grenzen. Dass auch die konzertanten Aufführungen dieser Werke Ihre Berechtigung haben und auch eine neue Interpretation erlaubt sein darf, war nach diesen Abenden kaum in Frage zu stellen. Wer sein Publikum derart fesseln kann und dafür mit Ovationen belohnt wird, hat es richtig gemacht! So kann man auch ein neues Publikum erreichen und für die Musik begeistern.

 

  • Zusammenfassende Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • LUCERNE FESTIVAL SOMMER 2019
  • Titelfoto: LUCERNE FESTIVAL 2019. SOMMER-FESTIVAL 14. September 2019. Sinfoniekonzert 27. Mozart Da Ponte Zyklus.  musicaAeterna Orchester und der Chor der Oper Perm unter der Leitung von Teodor Currentzis. Foto@ Peter Fischli / LUCERNE FESTIVAL

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