Martijn Dendievel gewinnt den Deutschen Dirigentenpreis – Finalkonzert am 23. Oktober 2021 in der Kölner Philharmonie

23.10.2021 Kölner Philharmonie
Deutscher Dirigentenpreis 2021
Finalkonzert/Foto @ Hyou Vielz

Sieger des vom Deutschen Musikrat ausgerichteten Deutschen Dirigentenwettbewerb ist der 1995 geborene Belgier Martijn Dendievel, der vom Vorsitzenden der Jury, Markus Stenz, für sein besonders fokussiertes Erarbeiten der vorgegebenen Stücke gelobt wurde. Dendievel überzeugte in der Finalrunde mit Ravels „Le tombeau de Couperin“ und dem Sextett „Alla bella Despinetta“ aus Mozarts „Cosi fan tutte“. Er erhielt das von der Stadt Köln gestiftete Preisgeld von 15.000€ und bedankte sich für die Ehre, mit den Kölner Spitzenorchestern WDR-Sinfonieorchester und Gürzenichorchester arbeiten zu dürfen, und in der Kölner Philharmonie aufzutreten. Als Zugabe spielte er die Ouvertüre des „Fliegenden Holländer“ von Richard Wagner, die bereits am Montag drauf wieder im Klassik-Forum des WDR 3 gespielt wurde.

 

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker bekräftigte das Bekenntnis zu Köln als Musikstadt, die stolz auf ihre beiden Spitzenorchester, ihre Philharmonie und ihre Oper ist, und der es eine Ehre ist, auch in zwei Jahren wieder den Dirigentenpreis zu unterstützen.

Den zweiten Preis (10.000€) errang der Lette Alvis Greters mit der „Tragischen Ouvertüre“ von Johannes Brahms und dem Finale des „Antonia-Akts“ aus Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“, den dritten Preis (5.000€) und den Publikumspreis (2.500 €) bekam der Koreaner Hangyul Chung mit Beethovens „Leonoren-Ouvertüre Nr. 3“ und dem Schmugglerquartett aus Bizets „Carmen“. Das waren zweifellos die bekanntesten und virtuosesten Stücke des Programms.

Der Internationale Deutsche Dirigentenpreis wird seit 2017 international ausgeschrieben alle zwei Jahre vom Deutschen Musikrat mit dem WDR-Sinfonieorchester, dem Kölner Gürzenichorchester und Solisten aus dem Ensemble der Kölner Oper mit dem WDR 3 als Medienpartner in der Kölner Philharmonie veranstaltet. Teilnehmen können Dirigenten aller Nationen, die nicht älter als 33 Jahre alt sind.

Für 2021 hatten sich 274 Dirigent*innen aus 49 Ländern beworben, von denen es drei in die Finalrunde schafften, die, moderiert von Kornelia Bittmann vom WDR 3, live ausgestrahlt wurde.

Martijn Dendievel /Foto (c) Heike Fischer, Köln

Der Deutsche Dirigentenpreis gilt als wichtigste Auszeichnung für Dirigent*innen in Europa. In der Endausscheidung der letzten 12 war auch eine Frau, die Polin Barbara Dragan, die sich aber gegen die drei Finalisten nicht durchsetzen konnte. Die Moderatorin Kornelia Bittmann hatte gleich zu Anfang das Problem, eine Panne zu überbrücken – es fehlte ein Musiker – und problematisierte die Tatsache, dass keine einzige Frau es ins Finale geschafft hatte. In der Jury waren mit der Dirigentin Kristina Poska, Opernintendantin Dr. Birgit Meyer, Ursula Maria Berg, 1. Konzertmeisterin des Gürzenich-Orchesters immerhin 30% Frauen repräsentiert. Die Dirigenten Markus Stenz, Marc Albrecht und Christian Măcelaru, Solotrompeter Martin Griebl und Lucas Singer, Bass, vertraten die künstlerische Seite, und der Intendant der Kölner Philharmonie Louwrens Langevoort und Stefan Fragner von der Künstleragentur Dr. Raab und Dr. Böhm die Vermarktungsseite.

Der Deutsche Dirigentenpreis berücksichtigt als einziger, dass Dirigent*innen nicht nur sinfonische Musik gestalten, sondern auch Opern dirigieren müssen, was eine ganz andere Herausforderung darstellt. Dr. Birgit Meyer, Intendantin der Kölner Oper, stellte schon zum dritten Mal Mitglieder des Ensembles zur Verfügung, von denen Kathrin Zukowski als Fiordiligi und als Antonia, Stefan Hadzic als Don Alfonso, Dancairo und Dr. Mirakel und Insik Choi als Crespel besonders beeindruckten. Moderiert von Kornelia Bittmann war es ein sehr spannender Abend mit zwei Pausen, der im WDR 3 live übertragen wurde. In der zweiten Pause hatte das Publikum die Gelegenheit, für einen der drei Kandidaten zu votieren, was sehr schwierig war, weil alle auf einem sehr hohen Niveau agierten und man die Wertung von den gespielten Stücken abstrahieren musste. 

Dirigent Markus Stenz, Leiter der Jury, erklärte dann auch, dass die Jury sachliche Kriterien hat, zum Beispiel, wie der Kandidat seine halbe Stunde Vorbereitungszeit mit dem Orchester nutzt, wie er seine Anweisungen rüberbringt, wie er vor dem Orchester agiert, dass aber letztlich der subjektive Eindruck zählt. Man muss ergänzend sagen, dass die sechs Kandidaten in der 2. Wertungsrunde alle das gleiche zeitgenössische Stück (Anton von Webern, Sechs Stücke für Orchester op. 6) einstudieren mussten. Diese Wertungsrunde konnte man am 21.10.2021 gratis in der Kölner Philharmonie sehen, und dabei unterschieden sich die Kandidaten doch erheblich.

Zu den Orchestern und Opernhäusern, die bereits Engagements eines/r Preisträger/in zugesagt haben, gehören das Gürzenich-Orchester Köln, die Hofer Symphoniker, die Münchner Symphoniker, die Nürnberger Symphoniker, die Oper Köln, das Sinfonieorchester Wuppertal, Theater und Orchester Heidelberg, das WDR Sinfonieorchester und die Württembergische Philharmonie Reutlingen.

Als Konzertformat ist das Finalkonzert des Deutschen Dirigentenwettbewerbs hochgradig unterhaltend, denn es wird von Spitzenkünstlern auf höchstem Niveau musiziert. Die Moderation durch Kornelia Bittmann hat dem Konzert gutgetan, auch das reich bebilderte Programmheft, das gratis abgegeben wurde, hat das Verständnis erleichtert.

 

  • Artikel von Ursula Hartlapp-Lindemeyer / Red. DAS OPERNMAGAZIN
  • Titelfoto: Martijn Dendievel /Foto (c) Heike Fischer, Köln

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