„IL TROVATORE“ am Opernhaus Zürich – Bildgewaltig!

 

Opernhaus Zürich/IL TROVATORE/R. Pomakov, Chor/Foto @ Monika Rittershaus

Mit seiner im Jahre 1853 in Rom uraufgeführten Oper ”IL TROVATORE” schuf Verdi eines seiner beliebtesten Werke. Die zu Beginn des 15. Jahrhunderts angesiedelte Handlung ist zuweilen schwer nachvollziehbar und wird wegen ihres teilweise beinahe banalen Librettos auch oft kritisiert. Aber mit den einzelnen scharf gezeichneten Charakteren entstand dennoch ein packendes Ganzes. (Rezension der Premiere am Opernhaus Zürich v. 24.10.2021

 

 

Die Regisseurin Adele Thomas ließ sich von den Bildern des Malers Hieronymus Bosch und dessen Fabelfiguren inspirieren. Gerade weil sich die Handlung dieser Oper schwer in Bildern auf die Bühne bringen lässt und deshalb auch schon viele Versuche gescheitert waren, fasziniert die hier gezeigte Interpretation der Regisseurin. Durch die Ausstattung der Bühne mit einer breiten Treppe und gewaltigen Rahmen wird an Bosch’s Gemälde erinnert. Das Bühnenbild, wie auch die phantasievollen Kostüme wurden von der Bühnenbildnerin Annemarie Woods entworfen. Für die Lichtgestaltung war Franck Evin zuständig. Er unterlegte die Handlung mit raffinierten Beleuchtungseffekten und schuf eindrückliche Bilder, sowohl bei den Solistenpartien, als auch den Chorszenen. Ein Tanzensemble bestehend aus fünf Männern belebte die Szene zusätzlich. Eine gelungene Regieleistung in den großen Tableaus, genauso wie in den intimen Szenen.

Opernhaus Zürich/IL TROVATORE/M. Rebeka, B. Bujnicka/Foto @ Monika Rittershaus

Eine zentrale Rolle spielt die “Zigeunerin” Azucena, welche auf Rache sinnend und mit wilder Entschlossenheit die Handlung bestimmt. Verdi soll sich sogar überlegt haben, die Oper nach dieser Partie zu benennen. Auch Leonora, die Leidende und Verliebte, erhält in dieser Aufführung viel Raum. Der Conte di Luna und  Manrico sind, ohne es zu wissen, Brüder, welche beide um die Gunst von Leonora kämpfen. Manrico, der Troubadour ist hin- und hergerissen zwischen seiner Mutter, der Zigeunerin und der Liebe zu Leonora. Erst nach Manrico’s Hinrichtung, welche der Conte di Luna veranlasst hatte, tritt zutage, dass sie Geschwister waren. Eine an Dramatik fast nicht zu überbietende Geschichte. Gerade durch die gekonnte Personenführung, wird man in die Handlung einbezogen und fasziniert.

Von der musikalischen Seite gibt es viel Erfreuliches zu vermelden. Zwei der Hauptfiguren gaben an diesem Abend ihr Rollendebut.

Marina Rebeka, schon auf vielen renommierten Bühnen der Welt zu erleben gewesen, verfügt über eine große Stimme, welche die vielen Facetten dieser anspruchsvollen Partie bestens bewältigte. Wohl selten erlebt man eine so überzeugende Interpretation der Leonora.

Opernhaus Zürich/IL TROVATORE/M. Rebeka, P. Beczała ,Q. Kelsey/Foto @ Monika Rittershaus

Piotr Beczała muss keinem Opernfreund vorgestellt werden. Er ist bekannt dafür, dass er seine Karriere umsichtig plant und seine Partien sorgfältig auswählt. Jetzt war er erstmals in der Partie des Manrico zu hören und zu sehen. Was für eine prächtige, strahlende Stimme. Die Kombination von Gesang und Spielfreude machen ihn zurecht zum umjubelten Weltstar der Tenöre und Liebling des Zürcher Publikums.

Besonders hervorzuheben ist die Leistung von Agniezka Rehlis als Azucena. Von der ersten Minute an begeistert sie mit einer hervorragend geführten Stimme und einer eindrücklichen Rolleninterpretation. Diese schwierige Partie verlangt viel Emotion und Dramatik. Ein Highlight, wie sicher sie alle Facetten ausleuchtet und mitreißend spielt.

Quinn Kelsey, ebenfalls ein gern gesehener Gast im Opernhaus, sang den Conte di Luna. Mit seinem edlen Bariton bot ein überzeugendes Rollenporträt. Robert Pomakov als Ferrando, konnte bei seinem Hausdebut mit einer Bassstimme auftrumpfen, die ebenfalls beeindruckte. Bożena Bujnicka als Ines und Omar Kobiljak als Ruiz, sowie Andrei Skliarenko als Un messo, ergänzten das Ensemble aufs Beste.

Opernhaus Zürich/IL TROVATORE/Ensemble/Foto @ Monika Rittershaus

Die fünf Tänzer, Manuel von Arx, Martin Durrmann, Steven Forster, Francesco Guglielmino und Tomacz Robak, welche von Emma Woods choreographiert wurden, begeisterten durch artistische Einlagen. Die Kampfchoreographie wurde von Jonathan Holby erarbeitet. Ein Kompliment geht auch an den Chor der Oper Zürich, einstudiert durch Janko Kastelic. Man konnte spüren, wieviel Freude diese Inszenierung auch dem Chor bereitet hat. Eine tolle Leistung.

Ein ganz besonderes Debut konnte der neue Generalmusikdirektor des Opernhauses Zürich, Gianandrea Noseda feiern. Zum ersten Mal in seinem neuen Amt leitete er eine Opernpremiere am Haus. Und dieses Debut darf als sehr gelungen bezeichnet werden. Zusammen mit der Philharmonia Zürich, welche bestens disponiert war, wurden alle Akzente dieser Partitur präzise herausgearbeitet, wodurch eine mitreißende Energie entstand und damit genau die richtige Stimmung für einen spannungsgeladenen Opernabend geschaffen.

Das Publikum spendete für diese überzeugende Opernvorstellung bereits während des Stückes großzügig Applaus, der sich am Ende dann in viele Bravos für alle Beteiligten steigerte. Diese Aufführungsserie sollte man nicht verpassen.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Opernhaus Zürich / Stückeseite
  • Titelfoto: Opernhaus Zürich/IL TROVATORE/A. Rehlis, Chor/Foto @ Monika Rittershaus

Ein Gedanke zu „„IL TROVATORE“ am Opernhaus Zürich – Bildgewaltig!

  1. Unfassbar wie alle Sänger gelobt werden. Der Autor scheint überhaupt keine Referenzen zu haben und die richtige Verdi-Dramatik nicht verstanden zu haben. Beczalas Leistung als Manrico ist unter aller Kritik und genau so schlecht war Kelsey als Luna.
    Bitte hören Sie ein paar Aufnahmen bevor Sie in die Oper gehen und darüber schreiben. Da würde ich Ihnen gerne die Trovatore-Aufnahmen von Karajan, Schippers, Bartoletti und Previtali (die mit Del Monaco, Gencer, Bastianini) empfehlen, dann verstehen Sie, was ich meine.

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