„Großes Instrument-große Kunst“ – Orgelfestival im Stadtcasino Basel

Orgelkonzert Stadtcasino Basel/Foto @ Stadtcasino Basel

ORGELFESTIVAL IM STADTCASINO BASEL
9. September 2021

“PETRUSCHKA”

JEAN-BAPTISTE DUPONT, Orgel
ANDREA TORTOSA VIDAL, Tanz
Philipp Sanwald, Licht

 

Nach der erfolgreichen ersten Austragung des Orgelfestivals Basel im vergangenen Jahr wurde auch dieses Jahr wieder ein sehr abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, wobei erneut die neue Orgel des Stadtcasinos Basel im Mittelpunkt stand. Es braucht viel Mut, zur  heutigen Zeit ein solches Festival zu organisieren. Dass es an Ideen und Überraschungen nicht fehlt, wurde an diesem Abend auf beeindruckende Weise bewiesen.

Auf dem Programm stand die ”Symphonie Nr. 8 H-Dur, Op. 42/4 in der Version von 1929 von Charles-Marie Widor. Ein reines Orgelwerk mit 6 Sätzen und fast 45 Minuten Spieldauer, welches  man nur selten in vollen Länge zu hören bekommt. Dazu braucht es aber einen hervorragenden Organisten, der sich an das gewaltige Werk heran wagt.

Jean-Baptiste Dupont / Foto ©Laurent Belet

Jean Baptiste Dupont, der heutige Organist der Kathedrale von Bordeaux, stellte sich dieser Herausforderung. Dabei bewies er einmal mehr seinen internationalen Ruf als großartiger Organist. Fast spielerisch und mit unglaublicher Virtuosität ging er mit dem Imposanten Instrument um und vermochte das Publikum zu begeistern. Eine Meisterleistung!

Nach der Pause kam man in den Genuss einer weiteren überraschenden Komposition. Die 1911 in Paris uraufgeführte Ballettmusik “Petruschka” von Igor Stravinsky war anfänglich als Konzert für Orchester und Klavier gedacht. Arthur Rubinstein gab dann den Auftrag, Teile dieser Musik für Klavier solo zu bearbeiten. Jean Baptiste Dupont hat die virtuosen “Trois mouvements de Pétrouchka” für die Orgel bearbeitet und damit ein ganz neues Hörerlebnis geschaffen. Allein schon diese Interpretation zu genießen, wäre ein ganz besonderes Highlight gewesen.

Andrea Tortosa Vidal / Foto ©Theater Basel

Doch nun hat sich der Solist mit der spanischen Tänzerin und Choreographin Andrea Tortosa Vidal zusammengefunden. Die Tänzerin hat zu den Klängen dieser Musik eine eigene Choreographie erschaffen. Mit Elementen des Modern Dance, der Pantomime und des klassischen Balletts ist es ihr gelungen, die Geschichte der drei Puppen eines Gauklers auf einem Jahrmarkt auf geheimnisvolle Weise zum Leben zu erwecken und auf unterhaltende Weise zu erzählen. Sie benutzt dazu eine Schattenspielwand, wo sie mit einfachsten Requisiten und einer raffinierten Beleuchtung arbeitet. Die Tänzerin überzeugt durch ihre starke Ausdruckskraft und großartige Körperbeherrschung. So entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Organisten eine faszinierende Aufführung, welche das Publikum mit viel Applaus und Bravos für beide Künstler feierte.

Den Abschluss des Konzerts machte eine Improvisation für Orgel und Tanz. Auch hier gelang es den beiden, das Publikum zum Staunen zu bringen. Zu den wunderbaren Orgelklängen gestaltete die Tänzerin mittels zum Teil zeitlupenartigen Bewegungen magische Momente, bei denen auch die Harmonie der beiden Künstler deutlich mitgeschwungen hatte.

Foto @ Marco Stücklin

Unbedingt erwähnenswert ist auch die ausgeklügelte Lichtgestaltung durch Philipp Sanwald. Mittels seiner farbenfrohen Kunst wurden die Darbietungen auf der Bühne im wahrsten Sinne des Wortes ins beste Licht gerückt.

Was an diesem Abend geboten wurde, kann man getrost als faszinierend bezeichnen. Deshalb kann man allen Freunden der Orgelmusik die Veranstaltungen dieses Festival wärmstens empfehlen.

Das Programm und Informationen findet man unter www.ofsb.ch.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Stadtcasino Basel
  • Titelfoto: Marco Stücklin

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