Festspielhaus Neuschwanstein: „LUDWIG 2 – DAS MUSICAL“ – Immer wieder beeindruckend!

Festspielhaus Füssen/Ludwig/Foto @ Michael Böhmländer / Festspielhaus Füssen

In der Saison 2016/17 erlebte das ursprüngliche als „König Ludwig II Musical“ bekannt gewordene Musical, für das das eindrucksvolle und jenem in Bayreuth nachempfundene Festspielhaus am Forggensee im Allgäu im Jahr 2000 in Betrieb ging, durch die Neufassung „Ludwig2“ nach Buch und Liedtexten von Rolf Rettberg eine Neuauflage. Regie führte Benjamin Sahler in einer Produktion der Big Dimension GmbH. Sahler hatte zuvor die Finanzierung dieser WA durch ein äußerst erfolgreiches Crowd funding und eine Marktstudie ermöglicht. Seither läuft das Musical „Ludwig2“ mit großem Erfolg und ist de Dauerbrenner auf dem Spielplan des vor kurzem auf Festspielhaus Neuschwanstein umgetauften Hauses. (Dabei sieht man das berühmte Schloss in diesen Tagen gar nicht auf dem gegenüber liegenden Seeufer, da man wegen der Energieknappheit abends das Licht ausgeschaltet hat…) Der Festspielhausbesitzer Manfred Rietzler meinte schon vor einiger Zeit: „Das Ludwig-Musical gehört zu den emotionalsten Musicals überhaupt. Das ist seine große Stärke. Es hat absolut Tiefgang, es berührt die Menschen und bildet hier mit dem eigens dafür gebauten Theater eine einmalige Einheit.“ (Rezension der besuchten Vorstellung v. 14.10.2022)

 

Für Benjamin Sahler hat die Flucht Ludwigs aus der kriegerischen Welt seiner Zeit in die romantische Märchenwelt seiner Schlösser auch etwas mit der Verzweiflung über die geglaubte Unvermeidbarkeit von Krieg, Leid und Zerstörung zu tun. Und als das ist heute in einer von Kriegen und Flüchtlingsströmen gekennzeichneten Gegenwart wieder hochaktuell. Damit hat er fraglos Recht! Für Sahler steht das Märchenhafte an Ludwig II. im Mittelpunkt seines Regie-Konzepts. „Wie lebte er seine Flucht vor der Welt aus, und wie genial entwickelte er seine Fantasiewelten?“ Dr. Konstantinos Kalogeropoulos orientierte an diesem Oktobertag mit Musical-erfahrener Hand die Sänger auf der Bühne sowie die kleinen, von Stefanie Gröning choreografierten Tanz-Ensembles im Einklang mit der Musik von Konstantin Wecker, Nic Raine und Christopher Franke. Sie kam natürlich vom Band.

Festspielhaus Füssen/Ludwig/Foto @ Michael Böhmländer / Festspielhaus Füssen

Gleich zu Beginn sehen wir den jungen Ludwig, wie er mit Holzbausteinen schon an den Schlossbau denkt. Es geht weiter mit einer ehelichen Auseinandersetzung über die Erziehung der beiden Söhne Ludwig und Otto bis die mit einem sehr guten Sopran singende Andrea Jörg als Sybille Meilhaus hinzukommt und für ersten vokalen Glanz sorgt. Kurz darauf verkündet ein Bote den Tod König Maximilians, und das Schicksal des jungen Ludwig, der bald darauf in Schloss Hohenschwangau zum König gekrönt wird, nimmt seinen Lauf. Er verkündet „Bayern zum Tempel der Künste zu machen“. Interessant ist ein Blick auf die Krönungsgesellschaft, bei der auch der junge Kaiser Franz Josef, gesungen von Christian Lucke, natürlich mit Kaiserin Elisabeth, verkörpert mit einem klangvollen und facettenreichen Sopran von Maria Meßner zu sehen sind.

Festspielhaus Füssen/Ludwig/Foto @ Michael Böhmländer / Festspielhaus Füssen

Neben viel Tanz und Folklore, wobei die Choreographin Stefanie Gröning gute und phantasievolle Arbeit leistete, gibt es immer wieder Momente, in denen das Musical auch einen gewissen Tiefgang erreicht. Das steigert sich insbesondere im 2. Akt, in dem die politische Dimension der Regentschaft Ludwigs, bekanntlich zum Missfallen der Münchner Regierung, in den Fokus rückt. Hier beginnt der innere Kampf Ludwigs und damit die große Stunde von Daniel Mladenov in der Titelrolle, die er mit einem kultivierten Bariton singt und schauspielerisch mit allen Facetten und starker Mimik darstellt. Um ihn kreist von nun an das ganze Geschehen. Besonders bewegend ist der Anti-Kriegsmonolog, den er zum Zwang Bismarcks singt, als Königreich Bayern mit Preußen in den Krieg gegen Frankreich zu ziehen. Im Hintergrund prangt symbolisch für seine wahre pazifistische Gesinnung das riesige Konterfei von Richard Wagner, den Ludwig ja über alles schätzte und bewunderte. Alexander Kerbst war ein überzeugender, unheimlicher Dr. Gudden mit ausgeprägter Persönlichkeit. Auch alle weiteren Rollen waren überwiegend gut besetzt.

Festspielhaus Füssen/Ludwig/Foto @ Michael Böhmländer / Festspielhaus Füssen

Auch die Intrigen des Bayerischen Kabinetts, um Ludwig endlich loszuwerden, sowie die Szene seiner Amtsenthebung waren dramatische Höhepunkte dieser Produktion. Einiges ließ da schon die Grenzen zur Oper verwischen. Der psychische Verfall seines jüngeren Bruders  Otto, eindrucksvoll interpretiert von Daniel Hauser, wurde eindrucksvoll nachgezeichnet, auch wie er von Dr. von Gudden psychisch manipuliert wird. Die meist opulente „Bühnenbildeinrichtung“ von Benjamin Sahler unter Verwendung der Original-Bühnenbilder von Gerd Friedrich und Michel Curry, teilweise nach Ideen von Gerd Fischer (2005), sowie den Original-Bühnenbildern von Heinz Hauser (2000) – so steht es wenigstens im Programmheft – zusammen mit dem durchwegs effekt- und phantasievollen Lichtdesign von Soundfuture/Tino Tiesler und den Videos von Daniel Samer, inklusive effektvoll eingesetzter Laserkanonen und bisweilen heftigem Griff in diverse Farbtöpfe trugen das ihre zu einem abwechslungsreichen und auch unterhaltsamen Abend bei, der am Ende von Publikum stark gefeiert wurde. Das Kostümdesign von Lisa Rietzler und Raphaela Dürr von 2018 war ästhetisch bestens in die allgemeine Optik integriert. Das Musical steht weiterhin regelmäßig auf dem Füssener Spielplan.

 

 

 

 

 

 

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