Bezaubernde Kinderoper in der Oper Köln: „DER TEUFEL MIT DEN DREI GOLDENEN HAAREN“

Oper Köln/DER TEUFEL MIT DEN DREI GOLDENEN HAAREN/Foto © Paul Leclaire

Das Glückskind aus dem Märchen „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ ist die ideale Identifikationsfigur für Kinder. Das Märchen der Brüder Grimm ist die Geschichte eines Kindes, das mit Unerschrockenheit und Mut ein Ziel verfolgt, weil es auf seine Begabungen und Fähigkeiten vertraut. Auf dem Weg in die Hölle lernt es Gefühle kennen, die es bisher nicht kannte, nämlich die Angst und die Liebe.

Diese Gefühle werden in der kammermusikalischen Komposition von Stefan Johannes Hanke sehr plastisch zum Ausdruck gebracht und im aufwendigen Bühnenbild von Jens Kilian mit Videoprojektionen von Teufelsfratzen visualisiert. Die Musik ist sehr suggestiv und kommt Kindern entgegen, Erwachsene finden sie ziemlich modern.

Alle Vorstellungen an der Oper Köln bis zum 10. April 2020 sind am 12. März 2020 abgesagt worden. (Rezension der besuchten Vorstellung v. 10.3.2020)

 

Das Foyer der Oper Köln im Staatenhaus ist voll mit Kindergruppen, die meisten im Kindergarten- und Grundschulalter. Ganz diszipliniert gehen sie rauf zum 1. Stock, wo rund um die Sitzreihen die Bühnenbilder aufgebaut sind. In der Mitte zwischen den vorne und hinten ansteigenden Tribünen ist ein etwa zwei Meter breiter Laufsteg, die Bühne, rechts und links erheben sich zwei Türme, auf denen sechs große schwarze Vogelmenschen stehen. Im Hintergrund große Landschaftsprospekte, die an Bilder von Arnold Böcklin erinnern.

Mein Sitznachbar, 5 Jahre alt flüstert: „Das sind keine Vögel, das sind verkleidete Menschen“. Die zwölf Musiker des Gürzenich-Orchesters sitzen hinter den Bankreihen uns gegenüber auf der anderen Seite der Bühne und stimmen ihre Instrumente.

Dirigent Rainer Mühlbach betritt die Bühne und erklärt, dass er für das Schlaflied, das die Großmutter dem Teufel singen wird, Unterstützung aus dem Publikum braucht. Der Konzertmeister spielt die schlichte Melodie vor, die knapp 200 Kinder singen oder summen sie nach. „Das klappt ja ganz hervorragend“.

Oper Köln/DER TEUFEL MIT DEN DREI GOLDENEN HAAREN/Foto © Paul Leclaire

Die Raben krächzen und erzählen die Vorgeschichte: in dem Land ist der Brunnen versiegt, der Baum mit den goldenen Äpfeln verdorrt, den Menschen geht es schlecht.

Da kommt das Glückskind, die bezaubernde Mezzosopranistin Arnheiður Eiriksdottir, auf die Bühne. Sie steckt alle mit ihrer guten Laune an und verkündet, dass sie ein Glückskind ist und die Prinzessin heiraten wird. Aber der König (Julian Schulzki) ist dagegen. Er hat Angst vor dem Glück und will das Glückskind umbringen lassen, es wird aber von drei Räubern gerettet.

Dann schickt er es in die Hölle, da soll es dem Teufel die drei goldenen Haare ausreißen und ihm bringen.

Der Fährmann (Anton Kuzenok, Tenor) setzt es über zur Hölle, wo es des Teufels Großmutter begegnet. Die wird vom tiefen Bass Sun Jun Cho gesungen und ist gerade dabei, aus Zutaten wie Ratten, Schlangen und Spinnen eine Suppe für den Teufel zu kochen. „Iiih“ machen einige Kinder, und dass sich keiner vor dem Essen die Hände wäscht geht gar nicht!

Die Kinder sind gebannt. Atemlose Stille, als der Teufel, Bassbariton Stefan Hadzič, schlecht gelaunt nach Hause kommt und das Glückskind sich unter dem weiten Rock der Großmutter versteckt. Die hilft dem Glückskind seine Mission zu erfüllen. Vom Teufel, der immer wieder wach wird, erfahren Glückskind und Großmutter auch, was sie tun müssen, um den Brunnen wieder ans Laufen und den Baum zum Blühen zu bringen. Und wie man den Fährmann ablösen kann, damit er sich endlich eine Frau suchen kann.

Das Abenteuer geht gut aus, das Glückskind heiratet die entzückende Prinzessin, die Sopranistin Kathrin Zukowski, und wird König, oder Königin? Hier greift der theaterpädagogische Ansatz, Gendergrenzen aufzuheben. Warum soll nicht ein Mädchen all die Abenteuer bestehen, sich in eine Prinzessin verlieben und Königin werden? Regisseurin Barbara Gillessen, Dramaturgin Tanja Fasching und Kostümbildner Jens Kilian haben bewusst das Glückskind so gestaltet, dass es auch ein Mädchen sein könnte, und das ist gut so. Und die Großmutter wird von einem tiefen Bass gesungen.

Der Fährmann kann eine Frau suchen, denn er wird vom König abgelöst, der endlich einen Job hat, der ihm Spaß macht, der Brunnen fließt wieder und der Baum trägt wieder Früchte.

Sechs der sieben hervorragenden jungen Sängerinnen und Sänger des Opernstudios stehen zunächst in wunderschönen Rabenkostümen auf der Bühne, legen diese dann aber ab und schlüpfen in verschiedene Rollen, zum Beispiel spielt der tiefe Bass Sun Jun Cho sowohl einen Räuber und als auch des Teufels Großmutter, Leilei Xie spielt den dümmlichen Räuber und Stefan Hadzič den Anführer der Räuber und den Teufel.

Die Kostüme von Jens Kilian könnten aus einem Bilderbuch sein. Alles ist märchenhaft stilisiert, nur das Glückskind, die zauberhafte Mezzosopranistin Arnheiður Eiriksdottir, könnte mit seiner hellgelben Latzhose und seinen blonden Rastafrisur ein Junge oder ein Mädchen aus dem Publikum sein. Sie kann übrigens wirklich zaubern, die Tricks wurden von Erik Werner gecoacht.

Das Libretto wurde von Dorothea Hartmann nach dem Märchen der Gebrüder Grimm geschrieben, die Musik war eine Auftragskomposition des 1984 geborenen Stefan Johannes Hanke für die Oper Hannover und wurde dort 2014 uraufgeführt.

Oper Köln/DER TEUFEL MIT DEN DREI GOLDENEN HAAREN/Foto © Paul Leclaire

Die Oper ist für Kinder ab 5 Jahren geeignet und dauert ca. 60 Minuten. In der Vormittagsvorstellung am 10.3.2020 waren auch Kinder im Kindergartenalter, die sich gut konzentriert haben und lebhaft applaudierten.

Die Oper Köln wurde 2019 im Rahmen der Opera Awards für das beste Education-Programm ausgezeichnet. Die vier Theaterpädagogen haben einen Comic-Wettbewerb veranstaltet, bei dem der beste Comic von der 12-jährigen Zoe aus Burscheid prämiert und als Programm für Kinder, die noch nicht lesen können, verwendet wurde.

Am 24. November 2018 wurde der Kinderoper Köln durch das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF der Titel „UNICEF-Pate Köln“ verliehen. Die UNICEF würdigt damit die Tatsache, dass die 1996 gegründete Kölner Kinderoper neben Moskau die älteste Kinderoper in Europa ist, die älteste Deutschlands, und dass durch diese segensreiche Einrichtung in den vielen Jahren tausende Schulkinder in die Welt der Oper eingeführt wurden. Sie sprach der Kölner Oper und deren Intendantin Dr. Birgit Meyer ein ganz besonderes Lob für die umfangreiche kulturelle und theaterpädagogische Arbeit aus, die auch Kita- und Kindergartenkinder mit einschließt.

Hier der Link zur Abteilung Theater und Schule: http://www.oper.koeln/de/ueber-uns

 

  • Rezension von Ursula Hartlapp-Lindemeyer / Red. DAS OPERNMAGAZIN
  • Oper Köln / Stückeseite
  • Titelfoto: Oper Köln/DER TEUFEL MIT DEN DREI GOLDENEN HAAREN/Foto © Paul Leclaire

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