
Mit einer ganz eigenen Version von Giacomo Puccinis „Gianni Schicci“ hat sich das Opernhaus Zürich mit der jährlichen stattfindenden Produktion mit den Sänger/innen des Internationalen Opernstudios im Theater Winterthur präsentiert. Dort wird den Mitgliedern des Internationalen Opernstudios die Gelegenheit geboten, sich in größeren Rollen zu zeigen und mit viel Spielfreude eine ganze Aufführung zu gestalten. (Rezension der Vorstellung v. 13. Mai 2026)
Die Regisseurin Lilli Fischer hat der bestens bekannten Oper Gianni Schicchi von Puccini, welche ursprünglich als Teil des dreiteiligen Abends „Il Trittico“ komponiert wurde, ein ganz neues Gesicht verliehen.
Während der rund eine Stunde dauernden Oper von Puccini wird die Geschichte der vermeintlich trauernden Familie Donati erzählt, welche sich am Totenbett des reichen Buoso Donati versammelt hat und scheinheilig Anteilnahme heuchelt, jedoch mit der Absicht, möglichst viel von der beachtlichen Hinterlassenschaft des Verstorbenen zu ergattern. Doch da macht das Gerücht die Runde, er habe alles den Mönchen im Kloster vermacht. Die hektische Suche nach dem Testament beginnt und als man dieses tatsächlich in den Händen hält, bestätigt sich das Gerücht. Was soll man tun? Da hat Rinuccio die Idee, den raffinierten Gianni Schicchi holen zu lassen. Dies nicht ganz uneigennützig, ist doch Lauretta, die Tochter von Schicchi, die ersehnte Liebe von Rinuccio. Die Familie ist nicht begeistert vom erscheinen Gianni Schicchi, doch als dieser einen Plan aufzeigt und man feststellt, dass noch niemand außer den Anwesenden vom Tode Buoso weiß, legt sich Schicchi anstelle des Verstorbenen in das Bett und man lässt den Notar kommen um ein neues Testament aufzusetzen. Dieser bemerkt den Schwindel nicht.

Doch die Rechnung der Verwandtschaft geht nicht auf. Schicchi schachert sich den größten Teil selber zu und da er zuvor den Anwesenden gedroht hat, dass, wenn die Sache auffliegt, allen Mitwissern die Hand abgehackt wird, muss man sich mit der Situation abfinden. Als der Notar gegangen ist, entlädt sich die Wut aller, doch das Haus gehört ja jetzt Gianni Schicchi und er jagt mit der Peitsche die ganze Familie aus seinem Haus. Rinuccio und Lauretta können nun endlich zusammen sein.
Doch wer war eigentlich dieser Buoso Donati? Hier setzt die Idee der Regisseurin Lilli Fischer ein. So lässt sie ganz am Anfang des neu hinzugefügten ersten Teils, Gianni Schicchi vor der Urne des Verstorbenen auftreten und sich an das Publikum wenden. Dazu erklingt Musik aus dem „Requiem“ von Puccini. Er bringt die Urne in das Haus des Buoso und als er sie öffnet, enthält diese Goldstaub. Er übergibt Champagner an Simone, den Cousin von Buoso, gesungen von Lobel Barun und der Ball kann beginnen. Buoso Donati war ein Lebemann und man befindet sich in einem großen Ballsaal, wo sich die ganze Verwandtschaft trifft und man ausgiebig feiert.
Wie in der Fledermaus, erscheint Buoso, großartig gesungen und gespielt von der Mezzosopranistin Karima El Demerdasch mit großer Geste und dem berühmten „Ich lade gern mir Gäste ein“. Da taucht eine unbekannte Frau auf, welche sofort alle Augen auf sich zieht und Buoso fasziniert. Die Feier nimmt Ihren Lauf und auch Rinuccio und Lauretta können sich heimlich treffen, als die restlichen Teilnehmer der Gesellschaft in den Garten geht. Buoso und die fremde Dame kommen sich immer näher und Gianni Schicci beobachtet das wilde Treiben. Schicci führt Buoso jedoch dessen Sünden vor Augen, diese Gier, Lust und Völlerei. Buoso versucht, seine Seele zu retten und vermacht sein ganzes Vermögen den Mönchen.
Das Bühnenbild wurde von Danila Travin gestaltet. Die herrlichen Kostüme von Mahshad Safaei, die Lichtgestaltung von Dino Strucken, und für die Choreographie war Mlindi Kulashe zuständig.
Im ersten Teil erklangen Musikstücke von Johann Strauss, Emmerich Kálman, Franz Lehár, Giuseppe Verdi, Richard Strauss. Es wurde mit viel Humor agiert, wie an einem Wunschkonzert und es bot den Sänger/innen schöne Gelegenheit, ihre Stimmen und Schauspieltalente zu präsentieren.
Im zweiten Teil der Oper erlebt man, bestens einstudiert, die oben erwähnte Gesellschaft. Dabei kommt die große Spielfreude aller Beteiligten zum Ausdruck und man ist fasziniert von den Leistungen der jungen Sänger/innen. Man kann allen Beteiligten dieser außergewöhnlichen Produktion zu den gesanglichen und schauspielerischen Leistungen gratulieren.

Sopranistin Maria Stella Maurizi als die unbekannte Dame hatte mit dem Hit „Meine Lippen, sie Küssen so heiss“ einen imposanten Auftritt. Mit ihrer grossen Stimme begeisterte sie das Publikum. Sopranistin Maria Lombard sang mit höhensicherer Stimme hinreißend die berühmte Arie „O mio babbino“ und bekam verdient viel Applaus. Zusammen mit Tenor Tomislav Jukić, der ebenfalls über eine herrliche Stimme verfügt und spielend das Publikum für sich einnimmt, sind die beiden die Idealbesetzung für Lauretta und Rinuccio.
Auch Bariton Steffan Lloyd Owen als Gianni Schicchi konnte in jedem Moment überzeugen und mit bestens disponierter Stimme aufwarten. Herrlich auch Felix Gigli als Notar zusammen mit Matthew McLellan als Pinellino und Ian Samayoa-Usher als Guccio. Ganz groß auch Max Bell als Maestro Spinelloccio, welcher im ersten Teil als Baron Ochs von Lerchenau mit dem Ausschnitt aus „Der Rosenkavalier“ restlos überzeugte. Zusammen mit der Mezzosopranistin Cashlin Oostindië als Annina und Zita, welche ebenfalls viel Eindruck machte.
Die zwei Paare Gherardo, Tenor Salvador Villanueva mit Sopranistin Thalia Cook-Hansen als Nella und Guram Margvelashvili als Marco mit Natália Tuznik als La Ciesca wetteiferten um den besten Auftritt im ersten Teil. Auch diese vier Sänger/innen boten ein herrliches Rollenportrait. Bassbariton Evan Gray als Betto, im ersten Teil mit der Arie des Tassilo aus „Gräfin Mariza“, lässt aufhorchen. Sehr beeindruckend!
Das Musikkollegium Winterthur unter der Leitung der Dirigentin Ustina Dubitsky spielte bestens disponiert und mitreißend und ließ alle Facetten der Partitur Puccinis und im ersten Teil der verschiedenen Komponisten, aufleuchten.
Das Publikum geizte nicht mit Applaus für alle Beteiligten und man verließ das Theater mit dem schönen Gefühl, wie viele junge Sänger/innen, mit so viel Talent für die Zukunft zur Verfügung stehen.
Das Internationale Opernstudio des Opernhauses Zürich ist seit 1961 ein Garant für höchste Qualität in der Ausbildung und Förderung junger Stimmen.
- Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
- Opernhaus Zürich
- Titelfoto: Opernhaus Zürich/ GIANNI SCHICCHI/(Eine Ballnacht)/ Foto: Toni Suter
Ein Gedanke zu „„Gianni Schicchi“ (Eine Ballnacht) – Das Opernhaus Zürich zu Gast im Theater Winterthur“