BARCELONA: LESSONS IN LOVE AND VIOLENCE – Premiere am Gran Teatre del Liceu am 1. März 2021

Poster (Foto @ K. Billand)

Spannender Benjamin am ehrwürdigen Liceu

Im Rahmen einer trotz Covid, aber mit einem hervorragenden Hygienekonzept bestens laufenden Temporada 2020/21 am Gran Teatre del Liceu in Barcelona ließ inmitten von Klassikern die erst zwei Jahre alte Oper „Lessons in Love and Violence“ von George Benjamin mit dem Libretto von Martin Crimp aufhorchen. Sie wurde erst am 10. Mai 2018 am Royal Opera House Covent Garden uraufgeführt und war ein gemeinsames Auftragswerk mit der Dutch National Opera Amsterdam, der Staatsoper Hamburg, der Opéra de Lyon, des Teatro Real Madrid und der Opera Lyric of Chicago. Allein diese Sammlung von Big Playern der Opernszene versprach Spannung. So war das Liceu zur Premiere am 1. März auch bis auf den letzten verfügbaren Platz ausverkauft.

 

Katie Mitchell war für die für all diese Kompagnien gültige Regie zuständig. Sie siedelte den mittelalterlichen Plot um den kontroversen King Edward II um 1300 mit ihrer Bühnen- und Kostümbildnerin Vicky Mortimer sowie dem Beleuchter James Farncombe in einem zeitgenössischen Ambiente an, dem modernen Schlafgemach des Königs, wobei immer wieder die Königskrone zu sehen ist. Es löst sich im Zuge des tragischen Geschehens immer mehr auf. So wird beispielsweise aus einem anfänglich mondän tropisch schillernden Wandaquarium ein langsam absterbendes graues Riff hinter Glas, bis es ganz verschwindet…

Liceu/Foto @Antoni Bofill

In dem Stück geht es um die Probleme, die entstehen, wenn sich ein Herrscher, also Edward II, nicht um sein Volk kümmert, verstärkt noch durch die homosexuelle Beziehung zum Freund und Emporkömmling Gaveston, die allerdings bis heute umstritten ist. Mortimer, sein Armeeführer, klagt ihn zunächst wegen der Vernachlässigung seiner Dienstpflichten und seiner Frau Isabel von Frankreich an. Er lässt schließlich Gaveston hinrichten, nimmt des Königs Kinder in seine Obhut zu Isabel, lässt wahrscheinlich auch Edward II 1327 im Gefängnis ermorden und erliegt schließlich auch noch dem Charme Isabels. Es ist also ein Spiel um Macht, Machtverständnis, Gewalt und Liebe, mangelnde Empathie und menschliche Zerrüttung. Aber, und so ist wohl auch der Titel zu verstehen, ist es auch eine Lehrstunde darüber, wohin die Einführung der Kinder solcher Potentaten in ihre Machenschaften neuerliches Unheil gebiert. Denn im Stück wird der Königssohn, erst 14 Jahre alt, unmittelbar zum Mörder an Mortimer – in der Realität drei Jahre später – , dem Mann also, der ihn auf die Königswürde 1327 vorbereitete. Die Pistole führt zu Schrecken aller die so geliebte Tochter…

Liceu/Foto @Antoni Bofill

Mit einer sehr guten Personenregie versteht Mitchell das Stück in beeindruckender theatralischer Spannung zu halten. Gesanglich herrscht eine Art Konversationsstil vor, der im Zusammenhang mit der in den sieben Szenen ständig dramaturgische Akzente setzenden Musik Benjamins gut harmoniert. Die großen musikalischen Momente finden in den diversen Intermezzi zwischen den Szenen statt. Sie sind für ein solch zeitgenössisches Stück von unerwartet starker Harmonie, Wärme und thematischer Linienführung geprägt. Josep Pons weiß das ins Parkett hineinreichende Orchestra Simfònica del Gran Teatre del Liceu mit einem außergewöhnlichen Perkussions-Ensemble entsprechend sensibel zu leiten.

 

Liceu/Foto @Antoni Bofill

Stéphane Degout gibt den König, der nie als Edward benannt wird, mit einem prägnanten Bariton, klarer Diktion und starkem Ausdruck. Georgia Jarman ist eine attraktive und verführerische Isabel mit klangvollem Sopran und schönen lyrischen Momenten. Daniel Okulitch singt den Gaveston und den Fremdling mit geschmeidigem Bariton. Peter Hoare ist ein Mortimer, der tenoral, mehr aber noch gestalterisch im Intrigantenspiel überzeugt. Samuel Boden ist der junge König und die Tochter Ocean Barrington-Cook

 

 

 

 

 

 

                                   

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