Albert Horne im OPERNMAGAZIN-Portrait

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Schon länger stand Albert Horne auf der Wunschliste meiner Interviewpartner. Diese Woche war es dann soweit und ich durfte den Chordirektor und Dirigenten des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden in einer neuen Folge meiner Video-Gesprächsreihe für DAS OPERNMAGAZIN begrüßen. Es wurde ein unterhaltsames und kurzweiliges Gespräch mit dem gebürtigen Südafrikaner, der seit gut 7 Jahren in Wiesbaden lebt und arbeitet. Das bisherige Interesse an unserem Gesprächsvideo ist erfreulich gut. Sicher auch ein Beleg dafür, dass der Künstler in der Opernwelt geschätzt und geachtet wird. Darüber hinaus ist Albert Horne ein sehr eloquenter und sachkundiger Gesprächspartner mit einer großen Portion positiver Ausstrahlung. Was vielleicht auch an seinen Wurzeln in Kapstadt liegt. Kapstadt, die Metropole am Tafelberg, umgeben von zwei Ozeanen. Einer Region mit ganzjährig angenehmen Klima und viel Sonne. Sonne, die Albert Horne hier viel zu oft vermisst. Aber dazu später mehr im Artikel über den Künstler Albert Horne.

 

„Da will ich später mal arbeiten“

Schon früh stand es für den jungen Albert Horne fest, dass er mal im Opernhaus seiner Heimatstadt Kapstadt arbeiten würde. Als Sohn von Klassik- und Opernbegeisterten Eltern kam er schon früh mit dieser Musik in Kontakt. Und daraus entwickelte sich dann seine Liebe zur Musik, zur Klassik und besonders zur Oper, die ihn dann in seinem weiteren Leben als Dirigent und Chorleiter um die Welt führte. Mit 18 Jahren war es dann soweit und er begann sein Musikstudium und wurde als Korrepetitor an die Oper Kapstadt engagiert. Im weiteren Verlauf studierte Albert Dirigieren an der Guildhall School of Music and Drama in London bei Professorin Sian Edwards, an der er 2007 mit einem Master-Abschluss ausgezeichnet wurde. Anschliessend arbeitete er als Chorleiter und Dirigent an der Oper Kapstadt, und unter seiner Leitung wurde der Kapstädter Opernchor  bei den International Opera Awards 2013 in London zum „Best Opera Chorus of the Year“ gewählt. 

Albert Horne in Kapstadt

Im Laufe der Jahre gastierte der junge Dirigent an vielen internationalen Häusern und arbeitete mit bedeutenden Dirigenten unserer Zeit, wie Sir Simon Rattle, oder auch Richard Bonynge, dem Ehemann der 2010 verstorbenen Jahrhundertsängerin Dame Joan Sutherland. Aus der Zeit mit Bonynge entstammt auch ein Zitat, auf das an späterer Stelle Bezug genommen wird. Als Gast dirigierte er u.a. die Münchner Symphoniker, das Orchestre Pasdeloup in Paris, das Orchestre National Bordeaux Aquitaine, das Orchestra Victoria in Melbourne sowie das Malmö Opera Orchestra, das Israel Symphony Orchestra Rishon LeZion in Tel Aviv, das Welsh National Opera Orchestra in Cardiff und natürlich alle namhaften Orchester Südafrikas. 

 

Wiesbaden im 7. Jahr

Ab der Saison 2014/15 ist Albert Horne als Chordirektor und Dirigent am Hessischen Staatstheater Wiesbaden engagiert. Als Chorchef hat er in den vergangenen Jahren maßgeblich am Erfolg des Wiesbadener Opernchors mitgewirkt. In nunmehr 7 Spielzeiten hat er damit sicherlich so ziemlich das meiste vom Opernrepertoire mit seinen Chorsängerinnen und Sängern einstudiert und zur Aufführung gebracht. Albert erzählt, dass er seinerzeit vom Intendanten Uwe Eric Laufenberg neben seiner Tätigkeit als Chordirektor auch die Möglichkeit erhalten habe, als Dirigent mindestens eine Produktion in der laufenden Spielzeit musikalisch zu leiten. Woraus dann oftmals natürlich für Albert Horne eine Art von „Doppelbeschäftigung“ entstand: denn neben seiner Dirigiertätigkeit oblag ihm auch noch die Einstudierung des Chores.

Albert Horne mit Marc-Anthony Turnage & Richard Thomas

So entstanden in den vergangenen Jahren u.a. Opernproduktion unter seiner Leitung wie Benjamin Brittens PETER GRIMES, CANDIDE von Bernstein, oder auch die Pucciniopern MADAMA BUTTERFLY und LA BOHÈME und die Wiesbadener Erstaufführung von Mark-Anthony Turnages Oper ANNA NICOLE. In unserem Gespräch erzählte er davon, dass die Verantwortlichen des Opernhauses sich bis zuletzt nicht sicher waren, ob diese Produktion bei den Theaterbesuchern ankommt. Umso erfreute war man dann, war auch Albert, dass die Anna Nicole-Premiere ein voller Erfolg wurde und fortan diese zeitgenössische Oper auch in Wiesbaden ihre Fans fand. „Eine geile Oper“, wie er sagt – und ich kann ihm da nur zustimmen!

Die Pandemie hat natürlich auch nicht vor Wiesbaden halt gemacht. Aber dennoch findet auch dort, unter strengen Hygienemaßnahmen, Oper weiterhin statt. Nur eben nicht vor vollem Haus, wie man es gewöhnt war. Auch die Oper Wiesbaden greift auf das Angebot des Streamens zurück um ihren Opernfans zumindest auf diesem Wege Theater bieten zu können. So hat Albert Horne mit seinem Chor die neueste Produktion gerade abgeschlossen. Puccinis IL TRITTICO. Die Premiere am 1. Mai wurde aufgezeichnet und wird ab dem 9. Mai 2021 im Stream des Hessischen Staatstheaters ausgestrahlt.  Regie führt Uwe Eric Laufenberg.

Nach Corona soll es natürlich, und hoffentlich vor größerem Publikum, weitergehen. Besonders freut sich Horne auf seine musikalische Leitung der Oper BABYLON von Jörg Widmann, welche aufgrund von Corona bei den diesjährigen Wiesbadener Maifestspielen nicht stattfinden konnte, aber auf die nächste Saison verlegt wurde. „Ein tolles Stück, was bereits in Berlin und München aufgeführt wurde. Nun auch bald in Wiesbaden!

 

Der Chorchef, der an jeden einzelnen denkt

Albert Horne/ Foto: Marcus Klein (Premiere Schlussapplaus Anna Nicole)

Auf seine Arbeit als Chordirektor angesprochen, beginnt er als erstes seine Sängerinnen und Sänger zu loben. Deren fundierte Ausbildung, deren Leistungen, deren Einsatz und Geduld. Er erzählt davon, dass er zwar den Chor in seiner Gesamtheit betrachte, aber jede und jeden einzelnen der Chormitglieder mit in seine Arbeit einbezieht. Er tut das mit Leidenschaft. Leidenschaft zur Musik und den Menschen, die der Musik Gestalt und Stimme verleihen. Gerade, wenn Albert über „seinen“ Chor spricht, spürt jeder, der ihn dabei hört und sieht, welche besondere Stellung und Wertschätzung seine Sängerinnen und Sänger für ihn haben und wie er deren künstlerische Arbeit honoriert. In unserem gemeinsamen Gesprächsvideo ist dies sehr gut nachzuvollziehen. 

 

„Manchmal denke ich, hier wäre die Sonne kaputt“

Albert Horne/Foto: David Bruwer

Natürlich wollte ich von dem gebürtigen Südafrikaner wissen, wie es sich für ihn in Deutschland lebt. Vor allem in Bezug auf unser derzeit recht durchwachsenes Wetter. Er berichtet davon, wie angenehm das Klima in seiner Heimat ist und welche Intensität dort die Sonne hat: „Zuhause brauche ich nur ein paar Minuten in der Sonne zu sein und werde braun und hier passiert manchmal nach 3 Tagen Sonne nicht viel. Manchmal denke ich, hier ist die Sonne kaputt!“ Er nimmt es mit Humor, aber es ist doch herauszuhören, dass er nicht nur das schöne südafrikanische Wetter vermisst.

Heimweh war dann auch ein Thema zwischen uns. „Ja, ich habe oft Heimweh. Das letzte Mal war ich 2019 zuhause in Kapstadt. Aber ich hoffe, wenn alles klappt, dass ich dieses Jahr im Juli wieder dorthin kann. Ich brauche das einfach. Meinen Akku wieder aufladen.“ Albert teilt dieses Schicksal mit vielen Künstlern aus anderen Kontinenten, die in Europa, und vornehmlich in Deutschland, engagiert sind und ihre Heimatländer nur noch selten zu sehen bekommen. Heimweh ist einfach ein Gefühl, dass jeder von uns kennt und nachvollziehen kann.

 

„Ihr kennt mich alle, wenn ich einmal anfange zu plaudern, gibt es kein halten mehr!“

Albert Horne/ Foto: Richard Byrdy

Diesen Satz postete er dieser Tage auf seinem Facebook-Profil als er dort das OPERNMAGAZIN-Gesprächsvideo veröffentlichte. Und mit ähnlichen Worten begann er auch unser gemeinsames Gespräch. Worauf ich ihm entgegnete, dass das ja nur optimal für mich sei. Denn nichts ist anstrengender als ein Gesprächsgast, der nur allzu sparsam antwortet und wo es einfach nicht „fliesst“. Aber davon war unser Gespräch meilenweit entfernt! Mit Albert Horne über die Oper zu reden, über die großen Diven vergangener Zeit, über das Singen an sich und vieles mehr, ist einfach nur eine bereichernde Freude. Ein Künstler, der so viel Erfahrung und Wissen mitbringt, kann überhaupt nicht zu viel „plaudern“.

Und so sprachen  wir auch über die von uns beiden so geschätzten großen Sängerinnen Edita Gruberova und Maria Callas. Dachten an die kürzlich verstorbene Christa Ludwig und tauschten uns über das Singen zu früherer Zeit und zur heutigen Zeit aus. Ich fragte Albert, wo er da Unterschiede sieht. Und in diesem Zusammenhang berichtete er darüber, was ihm Richard Bonynge – wie oben erwähnt, der Ehemann der legendären Joan Sutherland – einmal sagte: „Schuld sind die Flugzeuge! Denn früher reisten die Sänger mit dem Schiff um die Welt. Tagelang waren sie dann unterwegs, hatten Zeit sich auszuruhen, sich auf ihre Partien vorzubereiten und kamen erholt an ihrem Ziel an. Mit den Flugzeugen kam der Stress. Heute La Scala, morgen Covent Garden, dann Sydney und später dann die Met. Und dazu noch die Klimaanlagen an Bord der Jets. Alles schlecht für die Stimme!“ Da hat Maestro Bonynge sicher recht. Aber wir leben nun in einer schnelllebigen Zeit. Das hat leider auch seinen Preis.

 

Albert Horne Mit Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz auf Tournee in Kapstadt/Foto: Carina Bruwer

40 Minuten Gespräch mit dem charismatischen Dirigenten und Chordirektor Albert Horne sind eigentlich schon fast zu wenig. Aber da lässt sich bestimmt drauf aufbauen. Es sind aber 40 Minuten Gespräch mit einem äußerst positiv denkenden Mann, der sich mit großer Leidenschaft und Zielstrebigkeit seinen Jugendtraum vom „Da will ich später mal arbeiten“ realisiert hat und dem die Begeisterung für seinen Beruf sehr deutlich anzumerken ist. Ganz offensichtlich sein Traumberuf.

 

Ich danke Albert Horne für das Gespräch und wünsche ihm weiterhin viel Erfolg und Freude bei seiner künstlerischen Arbeit!

 

 

 

 

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