Triumphaler Erfolg für Uwe Eric Laufenberg bei den Maifestspielen in Wiesbaden mit „La Clemenza di Tito“ am 1. Mai 2019

Staatstheater Wiesbaden/TITUS/ Mirko Roschkowski/Foto @ Karl+Monika Forster

Mit großem Jubel für Sängerinnen und Sänger, Dirigent, Chor Orchester und das Regieteam endete am 1. Mai 2019 die Doppelpremiere „Idomeneo“ und „La Clemenza di Tito“ am Staatstheater Wiesbaden im Rahmen der diesjährigen Maifestspiele.

Mirko Roschkowski ist der Star in beiden Königsopern Mozarts. Als Idomeneo verkörpert er den kretischen König, der durch ein Gelübde in die Notlage kommt, seinen eigenen Sohn opfern zu müssen, als Titus Vitellius den aufgeklärten Herrscher in einer stürmischen Zeit, der die Amnestie zum Gesetz erhebt, weil er seinen Freund Sesto nicht richten will.

 

Das Thema Schuld und Vergebung ist zeitlos, daher hat Kostümbildnerin Marianne Glittenberg die Protagonisten in Maßanzüge, normale Kleider und Business-Kostüme gesteckt.

Das Treppenhaus der Machtzentrale wird bereits während der Ouvertüre des „Idomeneo“ gezeigt. Bühnenbildner Ralf Glittenberg baute diese Treppe mit Zugängen im Erdgeschoss, im ersten und in zweiten Stock und mit einer Galerie im ersten Stock.

In Uwe Eric Laufenbergs Inszenierung von „La clemenza di Tito“ ist es das einheitliche Bühnenbild, in dem sich das Drama um das Mordkomplott Vitellias in der Machtzentrale, dem Kapitol, gegen den römischen Kaiser Titus, der eine andere heiraten will, abspielt. Die Handlung entfaltet eine große dramatische Wucht, die durch die starken Bilder, die Laufenberg erzeugt, noch verstärkt wird.

Staatstheater Wiesbaden/TITUS/ O. Golovneva/Foto @ Karl+Monika Forster

Den Sensationserfolg der Produktion von „La Clemenza di Tito“ in Köln 2011 im Treppenhaus des Oberlandesgerichts konnten Regisseur Uwe Eric Laufenberg und sein Team jetzt in Wiesbaden wiederholen. Mirko Roschkowski als Titus zeigt die unfassbare Güte des Herrschers und seine abgrundtiefe Verzweiflung über den Verrat als absoluter Sympathieträger mit ausgereiftem, technisch perfektem aber vor allem ausdrucksstarkem lyrischem Tenor. Olesya Golovneva als Vitellia, die schon in der Kölner Inszenierung umjubelt war, verkörpert ihre Rolle als enttäuschte machtgierige Prinzessin, die ihren Verehrer Sesto zum Mord an Titus anstiftet, mit dramatischem Sopran. Dazu kommt Silvia Hauer mit einem wundervollen Mezzospran als Sesto, der zwischen seiner Liebe zu Vitellia und der Freundschaft zu Kaiser Titus hin- und hergerissen ist. Besonders hervorzuheben ist die Solo-Klarinette, die Sestos Arie „Parto, ma tu ben mio“ begleitet.

In weiteren Rollen agieren Lena Hasselmann als Annio, Shira Patchorniak als entzückende Servilia und Young Doo Park mit stimmgewaltigem Bass als Publio.

Das Treppenhaus der Machtzentrale wird ergänzt durch Videoprojektionen des Auftritts  „Oh Dei, che smania è questa“ des Verschwörers Sesto (Karin Hauer) in der Königsloge und einer Bombenexplosion im Gebäude, die dem Zuschauer den Eindruck vermittelt, der Anschlag habe gerade eben im Haus stattgefunden. Dabei färbt sich das obere Stockwerk rot, als ob ein Feuer ausgebrochen wäre. Wer die Oper nicht kennt glaubt tatsächlich am Ende des ersten Akts, der Kaiser sei ermordet worden und das Kapitol beziehungsweise die Oper brenne. Zum Glück ist keine Panik ausgebrochen.

Staatstheater Wiesbaden/TITUS/ S. Hauer/Foto @ Karl+Monika Forster

Der römische Kaiser Titus Vespasianus, Titelheld von Mozarts letzter Oper, ist zu gut für diese Welt. Seine Verlobte Vitellia, die gerne durch Heirat mit ihm Kaiserin geworden wäre, stiftet seinen Freund Sesto an, ihn umzubringen, als sie hört, dass Titus eine andere heiraten will. Titus jedoch erfährt von Annio, dem Geliebten seiner Auserwählten Servilia, dass sie bereits ihr Herz an Annio verloren habe, und verzichtet großmütig darauf, das Glück von Servilia und Annio zu zerstören und verkündet, er wolle statt dessen Vitellia heiraten, die jedoch den ihr hörigen Sesto bereits mit dem Anschlag beauftragt hat. Am Ende des ersten Akts steht der Brand des Kapitols, bei dem Titus anscheinend von einem von Sesto gedungenen Mörder erstochen wurde. Der Chor des Hessischen Staatstheaters unter der Leitung von Albert Horne hat hier einen seiner großen Momente.

Im zweiten Akt stellt sich heraus, dass Titus lebt und fassungslos ist über den Verrat, den sein Freund Sesto geübt hat. Der gibt nicht preis, wer ihn zum Anschlag angestiftet hat, und nimmt alle Schuld auf sich. Trotzdem stellt Titus Gnade und Vergebung als oberstes Prinzip auf. Das vom römischen Senat aufgrund der erdrückenden Beweise gefällte Todesurteil gegen Sesto hebt er auf, und als er erfährt, dass Vitellia Sesto zu diesem Mordanschlag angestiftet hat, verzeiht er auch ihr.

Kraft seines Amtes erhebt er Amnestie zum Gesetz. Doch das überfordert seine Untertanen, die so ihre Taten mit sich selbst ausmachen müssen. „Du vergibst mir, Herr, aber mein Herz vergibt mir nicht!“ klagt der Attentäter Sesto verzweifelt. Vitellia richtet sich selbst, indem sie Gift nimmt und in Titus´ Armen stirbt.

Mozarts ‚Titus‘ aber erzählt auch das Unfassbare: wie der Hass der Königsmörder, die Skrupel der Mitläufer, das Leid der Opfer sich tatsächlich auflösen können in eine göttliche Musik der permanenten Verzeihung und Versöhnung“, so die Ankündigung im Festspielprogramm. Diese Musik wird von Konrad Junghänel, der als ausgewiesener Experte für Mozarts Musik gilt, mit dem Hessischen Staatsorchester überaus einfühlsam musiziert.

Die Uraufführung fand am 6. September 1791 im Gräflich Nostitzschen Nationaltheater Prag aus Anlass der Krönung Kaiser Leopolds II. zum König von Böhmen statt. Mozarts letzte Oper über den römischen Kaiser Titus Vespasianus nach dem Libretto von Caterino Mazzolà (nach Pietro Metastasio) ist eine Huldigungsoper, die Mozart in kürzester Zeit parallel zur „Zauberflöte“ komponiert hat.

 

Maifestspiele Wiesbaden / Logo

Die Maifestspiele in Wiesbaden wurde 1896, 20 Jahre nach den Bayreuther Festspielen gegründet und lebten nach einer Pause 1950 als Internationale Maifestspiele wieder auf.

Intendant Uwe Eric Laufenberg eröffnet mit der Doppelpremiere „Idomeneo“ und „La Clemenza di Tito“ und bringt später neun Operninszenierungen des Hessischen Staatstheaters in besonderer Besetzung, unter anderem Richard Wagners „Tannhäuser“ mit Andreas Schager und „Die Meistersinger von Nürnberg“ mit Michael Volle, Johannes Martin Kränzle, Daniel Behle und Günther Groissböck, die in der Bayreuther Inszenierung von Barrie Kosky glänzten.

 

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  • Rezension von Ursula Hartlapp-Lindemeyer/ Red. DAS OPERNMAGAZIN

 

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