Theater Basel: Letzte Vorstellung von „El barberillo de Lavapiés“

Theater Basel/ „El barberillo de Lavapiés“/ Foto: Ingo Höhn

Als im September die Zarzuela „El barberillo de Lavapiés“ im Theater Basel Premiere feierte, war sofort klar, dass dies ein absolutes Highlight der Saison wird. Christof Loy hat bei einem Aufenthalt in Spanien seine Liebe zu dieser Musikgattung entdeckt und sich zur Aufgabe gemacht, die Zarzuela in Europa wieder mehr ins Bewusstsein zu rücken. In Spanien gehört diese energievolle Musik zum Kulturgut und wird in manchen Theatern regelmäßig gespielt, wobei traditionsgemäß die Interpreten und das Orchester durch das Publikum mit Zwischenrufen und viel Zwischenapplaus angefeuert werden. Ich hatte das Vergnügen, dies im Teatro de la Zarzuela in Madrid selbst erleben zu können, wo die knisternde Stimmung auf das Publikum übergeschwappt war. Genauso erging es dem Basler Publikum. (Rezension der Vorstellung v. 28. Dezember 2025)

 

Christof Loy gründete das Ensemble „Los Paladines“, wo sich unter der Leitung von José Miguel Pérez-Sierra, dem Direktor des Teatro de la Zarzuela, vorzügliche junge Sänger/innen vereinen. Er selbst dirigierte einige Aufführungen auch in Basel. Es ist geplant, künftig mit Zarzuela-Galas auf Tournee zu gehen und an verschiedenen Orten das Publikum mit dieser rassigen Musik zu begeistern.

„El Barberillo de Lavapiés“ wurde im Jahre 1874 von Francisco Asenjo Barbieri, nach einem Libretto von Luis Mariano de Larra komponiert. Da wird über Aufstand, Machtkampf und Liebe zur Zeit König Carlos III erzählt, welche die Bevölkerung entzweit hatten.

Vor Beginn der Vorstellung erschien im Zuschauerraum der spanische Tenor Santiago Sánchez und erklärte, wie die Zarzuela in Spanien gefeiert wird. Dort ist es üblich, dass das Publikum zuweilen ihren Emotionen freien Lauf lässt und mit langem Zwischenapplaus um Da Capos bettelt. So herrschte schon bei der Ouvertüre im ausverkauften Haus eine spürbar erwartungsvolle Stimmung.

Theater Basel/ „El barberillo de Lavapiés“/ Foto: Ingo Höhn

Das Bühnenbild von Manuel La Casta und die Kostüme von Robby Duiveman versetzen das Publikum sofort in die richtige Atmosphäre und die geschickte Personenführung von Christof Loy, zusammen mit dem Lichtdesign von Valerio Tiberi, sorgten für einen wahren Genuss für alle Sinne. Mit wenigen Requisiten bietet die Bühne genug Platz um mit Tänzen und Chorszenen zu überzeugen.

Musikalisch ist man gleich zu Beginn hingerissen. Das Sinfonieorchester Basel unter der Leitung des jungen Dirigenten Julio César Picos Sol, scheint diese Musik zu lieben und ließ keine Wünsche offen. Man konnte sich dieser Musik hingeben und fühlte sich gleich nach Spanien versetzt. Die Sänger/innen des Abends waren bestens disponiert. Anlässlich der Dernière dieser Produktion konnte man nochmals ihre Freude miterleben.

David Oller als Lamparilla ist die Idealbesetzung dieser Rolle. Mit umwerfender Bühnenpräsenz hatte er das Publikum auf Anhieb auf seiner Seite. Er singt und spielt diese große Rolle voller Energie und in allen Lagen mit sicherer Baritonstimme. Großartig. Mezzosopranistin Carmen Artaza als Paloma ist die ideale Partnerin für Oller und überzeugt ebenfalls mit strahlender Stimme und engagiertem Spiel. Wenn die beiden ihr großes Duett im zweiten Bild singen, dann überrascht es nicht, dass eine Wiederholung derselben Szene vom Publikum „erklatscht“ wurde.

Cristina Toledo ist als elegante Estrella, la Marquesita del Bierzo zu erleben. Hervorragend spielt sie die Rolle der verliebten, edlen und kämpferischen Dame und lässt mit ihrem Sopran keine Wünsche offen. Der Verliebte Don Luis de Haro wird von Santiago Sánchez mit fein nuanciertem Tenor verkörpert. Auch er repräsentiert dieses Sängerensemble aufs schönste. Beeindruckend die Stimme von Bassbariton Alejandro Baliñas Vieites als Don Juan de Peralta. Mühelos singt er diese Rolle und lässt aufhorchen. Joselu López als Don Pedro de Monforte und Echeverría Marcelino als Lope/Gitarre ergänzen dieses herrliche Ensemble.

Theater Basel/“El barberillo de Lavapiés“/Foto: Ingo Hoehn

Es war fühlbar, mit wieviel Herzblut der Chor des Theaters Basel engagiert war. Einstudiert von Michael Clark wurden diese Szenen, besonders der Chor der Näherinnen im dritten Akt, zu einem Höhepunkt.

Die acht Tänzer Iván Amaya, Giuseppe Bencivenga, Laura García Aguilera, Pascu Ortí, Davide Pillera, Giulia Tornaolli, Amparo Uhlmann und Chiara Viscido sorgten mit rassigen Tanzeinlagen für noch mehr Stimmung.

Das Publikum belohnte alle Mitwirkenden für die Gesamtleistung mit tosendem Applaus, vielen Bravorufen und Standing Ovations. Wie lange ist es her, seit sich das Basler Publikum das letzte mal von einer Aufführung derart begeistert zeigte! Beschwingt machte man sich anschließend auf den Heimweg. Es bleibt zu hoffen, dass man in Basel wieder einmal in den Genuss einer Zarzuela kommt.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Theater Basel / Stückeseite
  • Titelfoto: Theater Basel/ „El barberillo de Lavapiés“/ Foto: Ingo Höhn
Teile diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert