«TALENTE ENTDECKEN» OperAvenir – Porträtkonzert im Theater Basel

Opernstudio OperAvenir/ v.l.n.r. Paull-Anthony Keightley, Hyunjai Marco Lee, Bruno de Sá, Ena Pongrac, Kali Hardwick, Dmytro Kalmuchyn/Foto @ Theater Basel

Seit 2006 gibt es am Theater Basel das Opernstudio OperAvenir und es ist immer wieder faszinierend, was für Talente sich aus aller Welt hier zusammenfinden, um gemeinsam an ihrer Laufbahn zu arbeiten und viele Erfahrungen zu sammeln. Bedeutende Persönlichkeiten aus der Opernwelt geben Meisterkurse. Die Sänger werden in laufende Produktionen der Saison einbezogen und erhalten Gelegenheit, gemeinsam eine eigene Produktion zu gestalten. Im Hintergrund finden Sprach- und Bewegungskurse statt. Eine spannende Aufgabe für alle Beteiligten. (Rezension des Konzertes vom 1.10.2019

 

Zur Saisoneröffnung wurde das Präsentationskonzert vor vollem Haus gegeben, unter der Leitung von Stephen Delaney, der am Klavier auf gewohnt hervorragende Weise alle Musikstücke begleitete. Zusammen mit Pavel B. Jiracek übernahm er auch die Moderation des Abends. So kam man in den Genuss eines bunten Strausses auserlesener Arien und Liedern.

Die sechs Sänger kommen aus fünf Kontinenten:

Bruno de Sá, Sopranist kommt aus Brasilien

Kali Hardwick, Sopran wurde in den USA geboren.

Dmytro Kalmuchyn, Bariton kommt aus der Ukraine.

Paull-Anthony Keightley, Bass aus Australien.

Hyunjai Marco Lee, Tenor wurde in Südkorea geboren.

Ena Pongrac, Mezzosopran stammt aus Kroatien.

 

Opernstudio OperAvenir _ Foto Marco Stücklin

Zu Beginn erklang aus W.A Mozart’s «Idomeneo» «Andro ramingo e solo» und gab Ena Pongrac, Kali Hardwick , Hyunjai Marco Lee und Bruno de Sa, die Möglichkeit dieses anspruchsvolle Quartett zu interpretieren und sehr harmonisch vorzutragen.

Paull-Anthony Keightley sang mit starker Bass-Stimme und selbstsicherem Auftreten die Arie «Se vuol ballare» aus «Le nozze di Figaro»

Mit der selten zu hörenden Arie aus der Oper «Der Dämon» von Artur Rubinstein, «Ja tot, katoramu vnimala» stellte sich dann sehr eindrücklich der Bariton Dmytro Kalmuchyn vor.

Opernstudio OperAvenir _ Foto Marco Stücklin

Bei den nächsten vier Stücken ging es um das Thema Reisen. Jeder der Sänger verfasste einen kurzen Text zum Thema, welcher dann während des Vortrags auf einer Leinwand im Hintergrund eingeblendet wurde. Ena Pongrac sang von Henri Duparc «L’invitation au voyage” mit einfühlsamem Sopran und bester Diktion. «Wir wandelten» von Johannes Brahms wurde mit viel Gefühl von Dmytro Kalmuchyn vorgetragen. Bruno de Sá, welcher die äussert seltene Stimme eines Sopranisten besitzt, bewies mit «Les berceaux» von Gabriel Fauré sein aussergewöhnliches Talent.

Daraufhin interpretierte der bestens disponierte Paull-Anthony Keightley das Lied «Der Wanderer» von Franz Schubert. Mit «La mort du nombre» von Olivier Messiaen, welches durch Kali Hardwick und Hyunjai Marco Lee sowie Maria Tan, Violine eine erstklassige Wiedergabe erlebte, endete der erste Teil dieses Programms.

Der zweite Teil war ganz der Oper gewidmet.

Opernstudio OperAvenir _ Foto Marco Stücklin

Ena Pongrac, welche bereits im vergangenen Jahr Mitglied der OperAvenir war, sang mit grosser Stimme und viel Gefühl die Arie «Werther!Werther!» von Jules Massenet.

Danach sang Hyunjai Marco Lee die Arie «Che gelida manina» aus Puccini’s «La Bohème». Auch diesen Sänger konnte man in der vergangenen Saison bereits auf der Bühne des Theater Basel erleben. Hervorragend, mit bestens disponierter Stimme und sicheren Höhen sang er diese berühmte Arie.

In der heutigen Opernwelt ist viel von Countertenören zu hören, jedoch gibt es nur ganz wenige Sopranisten. Mit Bruno de Sá kam diese Facette des Gesangs auf eindrückliche Weise zur Geltung. Aus Vincenzo Bellini’s «I Capuleti e i Montecchi” wurde die Arie “Ascolta! Se Romeo” gesungen. Er überrasche mit einer flexiblen, virtuos geführten und selbst in den höchsten Tonlagen sicheren Stimme. Aus derselben Oper sang anschliessend Kali Hardwick «Oh! Quante volte» mit viel Ausdruck und schönem Sopran.

Dmytro Kalmuchyn und Paull-Anthony Keightley machten den komödiantischen Abschluss mit «Cheti, cheti immantinente» aus Donizetti’s «Don Pasquale» und boten einen Wettstreit der beiden Stimmen auf höchstem Niveau.

Die Idee jeden der Sänger kurz vorzustellen und nach einem besonderen Gegenstand zu Fragen welchen sie stets auf ihren Reisen und bei den Auftritten begleitet, gab die Möglichkeit auch etwas Persönliches zu erfahren.

Stephen Delanay welcher sich mit Herzblut für das Opernstudio einsetzt und mit seinem Klavierspiel diesen Abend erst ermöglichte, konnte sich zusammen mit den Sängern über den grossen Schlussapplaus des Publikums freuen.

Als Zugabe gab das ganze Ensemble schliesslich den Song ««Anything You Can Do» aus dem Musical «Annie Get Your Gun» von Herbert und Dorothy Fields sehr humorvoll zum Besten.

Bereits am 22. und 23. Oktober findet die nächste öffentliche Meisterklasse mit der großartigen Anne Sofie von Otter statt, welche Ihre Karriere in Basel begann.  

 

  • Rezension von Marco Stücklin /RED. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Opernstudio OPERAVENIR
  • Titelfoto: Opernstudio Operavenir _ Foto Marco Stücklin

 

 

 

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