Stadtcasino Basel: Orgel trifft Tango, Jazz und Balkanmusik

Foto: Martin Doering, Berlin

Orgel trifft Tango, Jazz und Balkanmusik /Konzertabend mit Showtanz

Orgelfestival im Stadtcasino Basel am 19. September 2020

„Orgel International“

Man durfte schon bei der Ankündigung mehr als gespannt sein, was für Überraschungen dieser Abend bereithalten würde. Dass man dann aber einem derart fulminanten Erlebnis beiwohnen würde, hatte wohl niemand erwartet. Die neue Orgel im vor einem Monat festlich eröffneten Stadtcasino Basel ist ein Meisterwerk des modernen Orgelbaus und kommt in diesem zu den akustisch besten Musiksälen der Welt gehörenden Raum besonders effektvoll zur Geltung. 

 

Wo sonst kriegt man in Musikstilen wie Balkanmusik, Tango und Jazz auch eine große Orgel zu hören? Dieses Experiment hat man anlässlich des Orgelfestivals gewagt und auf der ganzen Linie gewonnen. Die erfahrene Moderatorin Patricia Moreno stellte charmant und locker die Musikergruppen der einzelnen Stilarten vor.

Foto: Martin Doering, Berlin

Den Anfang machte feurige Balkanmusik. Es erklangen Volksmusikstücke aus Rumänien, Armenien, Aserbaidschan und Bulgarien. Freudig mischten sich Orgel und Taragot dazu, ein Ende des 19. Jahrhundert entwickeltes aus Ungarn stammendes Holzinstrument und sorgten damit gleich mit dem ersten Stück für die richtige Stimmung. Was die Solisten Samuel Freiburghaus, Taragot, Klarinette, Fruila und Nehrun Aliev, Perkussion und Klarinette im Zusammenspiel mit dem Organisten Thilo Muster präsentierten, war mitreissend und absolut virtuos. Die Idee, diese Musik zusätzlich mit den passenden Tänzen zu untermalen, rundete die Darbietungen aufs schönste ab. Die Tanzgruppe Ludi Mladi in traditionellen Trachten, bot auch optisch einen herrlichen Auftritt.

Auf dieser musikalischen Reise war das nächste Ziel Südamerika. Das „Orquesta Típica SILENCIO“ spielte Tango auf höchstem Niveau. Auch hier integrierte sich die unglaublich flexible Orgel nahtlos zu den übrigen Instrumenten, welche die lateinamerikanische Musik so einzigartig machen. Máxime Point am Bandoneón und Roger Hélou an der Orgel boten zusammen mit den Musikern Pablo Murgier, Piano und Orgel, Sergio Marrini, Violine und Wini Holzenkamp, Bass, einen Querschnitt durch diese Welt der Gefühle. Unglaublich wieviele teils noch nie gehörte Nuancen dieser Orgel entlockt werden können. Das Tänzerpaar Lia Jeker und Lionel Wirz unterstrich mit ihren Darbietungen die knisternde Erotik dieser Stücke. Ein wahrlich sinnlicher Genuss.

Foto: Martin Doering, Berlin

Danach ging die Reise nach dem Amerika der 1920er Jahre. Wer hätte gedacht, dass man Jazz und Swing mit einer grossen Konzertorgel so fast selbstverständlich harmonisch kombinieren kann! Mit dem Ensemble „Nikolai‘s Lindy Dreamband“ hatte man die optimalen Musiker für diese bekannten und doch so außergewöhnlich daherkommenden Arrangements gefunden. Es ist schlichtweg hinreissend, was mit dieser Orgel erreicht werden kann. Nikolai Geršak, Orgel und Klavier, liessen die Orgel richtig rocken und die drei Musiker, Benjamin Engel, Saxophon, Carsten Stamm, Trompete und Harald Weisshaupt, Schlagzeug und füllten den Raum des Musiksaals mit bekannten und beliebten Jazz- und Swingkompositionen. Auch hier wurde das Musikerlebnis mit fulminanten Tanzeinlagen verstärkt. Heiko & Larissa von den Basel Jitterbugs, sorgten dafür, dass sich die Stimmung sofort auf die Zuhörer übertrug.

Die Zugabe vereinte nochmals alle Mitwirkenden in einer mitreißenden Interpretation von Astor Piazzolla‘s „Libertango“ wie man dieses Stück wohl noch nie gehört hat.

Das Publikum liess sich voll auf dieses außergewöhnliche Konzerterlebnis ein und zeigte seine Begeisterung mit Bravorufen und riesigem Applaus. Man kann den Organisatoren höchst lobend attestieren, dass die Idee zu diesem Projekt ein voller Erfolg war und allen Musikern und Tänzern  gratulieren.

 

  • Artikel von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Titelfoto und alle weiteren Fotos: Martin Doering, Berlin, www.die-orgelseite.de

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