„Alle Register gezogen“ – Konzert des Kammerorchesters Basel

Musiksaal | © Stadtcasino Basel | Fotografie: © Roman Weyeneth

Kammerorchester Basel / Leitung: Pierre Bleuse

Martin Sander und Olivier Latry, Orgel

Stadtcasino Basel am 18. September 2020

Die Zusammenarbeit mit dem Kammerorchester Basel und dem Orgelfestival Basel, welcher dieses Konzert zu verdanken ist, kann man als vollen Erfolg bezeichnen. 

 

Unter der Leitung von Pierre Bleuse wurden Werke von französischen Komponisten gespielt, welche man nicht oft im Konzertsaal hören kann. Mit den zwei hervorragenden Organisten Martin Sander und Olivier Latry an der Orgel entstand ein wahrlich begeisternder Musikabend.

Den Anfang machte die Suite «Ma mère l‘Oye» von Maurice Ravel. Diese 1910 von verschiedenen Märchen inspirierte Suite wurde vom Orchester wunderbar bis aufs feinste interpretiert und bereits hier konnte man die gute Zusammenarbeit zwischen dem Dirigenten und den Musikern spüren.

Kammerorchester Basel Foto @ Lukasz Rajchert

Als Camille Saint-Saëns 1919 sein zur Feier des Sieges der Alliierten im Ersten Weltkrieg komponiertes Werk «Cyprès et Lauriers op 156» für Orgel und Orchester im Casino von Ostende zur Uraufführung brachte, war ihm von Anfang an ein grosser Erfolg beschieden. Auch die zweite Aufführung, 1920 in Paris wurde vom Publikum enthusiastisch gefeiert.

Nach 100 Jahren hat dieses Werk nichts von seiner Faszination verloren. Die im Konzert gespielte Bearbeitung von Eberhard Klotz wurde im Auftrage des Orgelfestivals zum ersten Mal gespielt. Martin Sander, ein Meister und Experte dieses Fachs, liess die neue Orgel mit allen Registern erklingen. Das Zusammenspiel der Orgel mit dem engagiert spielenden Orchester ergab eine Aufführung auf höchstem Niveau und wurde am Ende mit vielen Bravos aus dem Publikum belohnt.

Mit dem “Concert pour petit orchestre op.34” von Albert Roussel, einem Zeitgenossen von Maurice Ravel, ging der erste Teil dieses Konzertabend schwungvoll zu Ende. Der zweite Teil des Konzerts begann mit „Pastorale d‘été“, einem dem Sommer gewidmeten Werk von Arthur Honegger, welches 1920 in der Schweiz entstanden war.

Als krönender Abschluss erklang das 1938 komponierte «Konzert für Orgel, Streicher und Pauke g-Moll» von Francis Poulenc. Was Poulenc in diesem aus einem Satz bestehenden Konzert mit sieben Abteilungen geschaffen hat, ist heute eines der beliebtesten Werke für Orgel. Die sieben Unterteilungen fordern ein sehr präzises Zusammenspiel des Solisten mit dem Orchester. Mit Pierre Bleuse am Pult wurde genau dies aufs beste erreicht. Den ganzen Abend gelang es dem Dirigenten und den Musikern, mit viel Energie die verschiedenen Werke zu interpretieren .

Doch was wäre dieses Werk ohne einen großartigen Organisten. Olivier Latry gehört zu den gefragtesten Organisten und wurde auch an diesem Abend einmal mehr seinem Ruf gerecht. Mit unglaublicher Virtuosität und Perfektion, sei es in den Solopartien und gemeinsam mit dem Orchester, gelang eine mitreißende Aufführung dieses Werks, welche ihre Wirkung bei den Zuhörern nicht verfehlte. Nach großem Applaus spielte Olivier Latry als Zugabe von Léon Boëllmann, die Toccata aus der „Suite Gotique“ hinreißend. 

Es war eine Freude miterleben zu dürfen, wie gerade in Zeiten wie der jetzigen solche Musik ein Balsam für die Seele ist.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Kammerorchester Basel
  • Titelfoto: Kammerorchester Basel / Foto @ Lukasz Rajchert

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