Sinfonieorchester Basel: Sinfoniekonzert „Paradisum“/23. Juni 2021

Konzertfoto @ Benno Hunziker

Nach Monaten des Verzichts auf große kulturelle Veranstaltungen, konnte nun als Pilotprojekt im Stadtcasino Basel endlich wieder ein Konzert vor 600 Zuschauern stattfinden. Es herrschte eine fast euphorische Stimmung sowohl unter dem Publikum, wie auch den Musikern.

 

Das Konzert begann mit einer Uraufführung, welche das Sinfonieorchester Basel in Auftrag gegeben hatte. David Philip Hefti komponierte „Final(ment)e Beziehungsweisen für zwei Trompeten und Orchester“. Geplant war, dass dieses Konzert am selben Abend präsentiert wird, wie das Requiem von Gabriel Fauré. David Philip Hefti komponierte es basierend auf Zitaten der beiden Komponisten Camille Saint-Saëns  und Fauré. Man erlebt einen fast sphärischen Dialog zwischen den beiden Trompeten, welche anfänglich auf dem Balkon platziert waren und sich dort echomässig zusammen „unterhalten“. Die Musik steigert sich im Laufe des Stück zu einem intensiven Klangvolumen und verlangt von den beiden Solisten Huw Morgan und Immanuel Richter höchste Virtuosität. Die Klangvielfalt ist beeindruckend und zuweilen an Intensität kaum zu übertreffen. Der Komponist hat das Werk den beiden Solotrompetern des Orchesters gewidmet und hat das Orchester selbst geleitet. Das Publikum bedankte sich für die Leistung mit starkem Applaus. 

Sol Gabetta/Konzertfoto @ Benno Hunziker

Passend zu der Inspiration durch Camille Saint-Saëns in der Uraufführung, erklang im Anschluss Saint-Saëns „Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 a-Moll, op 33“, welches im Jahre 1872 komponiert und nicht, wie üblich, in einzelne Sätze aufgeteilt, sondern durchkomponiert ist, was zur damaligen Zeit eine Neuheit war. Saint-Saëns Cello-Konzert gilt als eines der schönsten Werk für dieses Instrument. Wer könnte diese wunderbare Musik besser interpretieren, als die großartige Sol Gabetta, welche mit jeder einzelnen Note des Werks vertraut ist, da sie dieses Werk seit langem begleitet. Man ist immer wieder beeindruckt wie Sol Gabetta, mit scheinbarer Leichtigkeit, alle Herausforderungen der Komposition meistert. Chefdirigent Ivor Bolton leitete das Orchester und bot ein perfektes Zusammenspiel mit der Solistin.

Sol Gabetta/Konzertfoto @ Benno Hunziker

Entsprechend wurde die beliebte Musikerin vom Publikum gefeiert. Dafür bedankte sie sich mit der Zugabe einer emotionalen Interpretation der Arie des Lenski „Kuda, Kuda“ aus der Oper „Eugen Onegin“ von Tschaikowsky. Eine sichtlich glückliche Sol Gabetta genoss den verdienten Applaus. Man hätte dieser Musikerin noch lange zuhören mögen. 

Da das Publikum in der Umbaupause den Saal nicht verlassen durfte, nutzte man die Gelegenheit, zwei langjährige Mitglieder des Sinfonieorchesters Basel zu verabschieden. George Monch ist seit 1983 als Tuba Solo und Roger Pyne seit 1988 als 1. Violine dabei. In dieser langen Zeit hatten die beiden Musiker unglaublich viele musikalische Erlebnisse. Ein schöne Geste des Orchesters, sich bei den beiden Musikern zu bedanken. Und noch ein Jubiläum ist zu erwähnen. Seit 30 Jahren ist Franziskus Theurillat, Orchesterdirektor, für dieses Orchester da und hat stets mit großem Einsatz die vielen Aufgaben gemeistert. 

Musiksaal | © Stadtcasino Basel | Fotografie: © Roman Weyeneth

Zum Abschluss dieses besonderen Abends wurde vom Sinfonieorchester Basel unter der Leitung von Ivor Bolton die wohl populärste „Sinfonie Nr. 5 c-Moll, op. 67“ von Ludwig van Beethoven gespielt. Auch hier konnte man in allen vier Sätzen die Begeisterung der Musiker und deren Energie und Freude förmlich spüren. Es ging eine enorme Kraft von dieser Aufführung aus. Gerade weil das Werk ja auch unter dem Namen „Schicksalssinfonie“ bekannt ist, hatte es nach all dem Verzicht der vorangegangenen Zeit eine besondere Bedeutung.

Man verliess das Konzert mit der Zuversicht, dass in der kommenden Saison wieder große Musik vor vielen Zuhörern stattfinden wird.

Das Konzert wurde von Radio SRF2 Kultur aufgenommen und wird am 14.10.2021 um 20.00 h in der Sendung „Im Konzertsaal“ ausgestrahlt.

 

 

  • Rezension des Konzerts v. 23.6.2021 von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Sinfonieorchester Basel
  • Titelfoto: Konzertfoto @ Benno Hunziker

 

 

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