
Für das Konzert des Sinfonieorchesters Basel unter dem Titel „Fantastisch“ hat Chefdirigent Markus Poschner zwei Werke ausgewählt, welche sich durch eine ganz spezielle Klangwelt unterscheiden. (Rezension des Konzerts v. 19. November 2025)
Das „Konzert für Violoncello und Orchester“ von Witold Lutoslawski, welches 1970 mit Mstislav Rostropowitch in London seine Uraufführung erlebt hatte, beginnt mit einem fast fünf Minuten dauernden Cello-Solo, welches von der Solistin höchste Virtuosität abverlangt. Das Orchester in großer Besetzung spielte die vier Sätze ohne Pause, wobei eine interessante musikalische Auseinandersetzung zwischen dem Violoncello und den Blechbläsern entstand. Das Werk kann laut Lutoslawski von zwei Blickwinkeln gesehen werden. Als politisch, wo die brachialen Blechbläser die soldatische Brutalität im Kommunismus der 1970er Jahre in Polen verdeutlichen, oder als Zweikampf zwischen Masse und Individuum.

Die russische Cellistin Anastasia Kobekina, welche sich weltweit grosser Beliebtheit erfreut, begeisterte durch ihre Virtuosität und innige Spielweise. Dies kam besonders beim grossen Solo zu Beginn des Konzertes zum Ausdruck. Zusammen mit den hervorragenden Blechbläsern des Orchesters und der subtilen Leitung durch Markus Poschner gelang ein außerordentliches Hörerlebnis. Für den großen Applaus des Publikums bedankte sich die Solistin mit der Wiedergabe einer Komposition ihres Vater Waldimir Kobekin, welche er seiner Tochter gewidmet hatte. Mit diesem durch einen französischen Tanz inspirierten Musikstück, meisterhaft von Robin Fourmeau am Tambourine begleitet, bewies sie noch einmal ihre unglaubliche Beherrschung des Instruments.
Nach der Pause erklang die beliebte „Symphonie fantastique op. 14“ von Hector Berlioz. Gerade mal 26 Jahre alt, komponierte Berlioz diese in vielerlei Hinsicht pompöse und zugleich auch feinfühlige Sinfonie mit dem Untertitel „Episoden aus dem Leben eines Künstlers“.
Die Komposition weist autobiografische Züge auf und beschreibt musikalisch in 5 Sequenzen – damals eine Neuheit bei der Sinfonie Komposition – die Erlebniswelt eines jungen Musikes. Die „idée fixe“, das Motiv, welches die einzelnen Sätze zusammenhält, ist eine unerreichbare Geliebte. Am Ende war sie doch für den Komponisten dennoch erreichbar und wurde sogar seine spätere Gattin, Harriet Smithson. Die einzelnen Sätze begeistern durch eine unglaubliche Vielfalt an Emotionen und berauschenden, großangelegten Effekten, welche in Bann ziehen.
Was das Sinfonieorchester Basel unter der Leitung von Markus Poschner an diesem Abend zu Gehör brachte, verdient genau die Bezeichnung welche der Sinfonie den Namen gibt, nämlich „Fantastisch“. Dabei wurde mit einer herausragenden Präzision der Soloinstrumente und als ganzer Klangkörper eine Qualität erreicht, welche, das Sinfonieorchester Basel in die oberste Liga der Orchester erhebt. Dass die Wirkung auf das Publikum nicht ausblieb, zeigte sich beim nicht enden wollenden Applaus.
- Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
- Sinfonieorchorchester Basel
- Titelfoto: Sinfonieorchester Basel/Konzert 19.11.2025/ Foto: Bettina Matthiessen