Premiere von „DIALOGUES DES CARMÉLITES“ am Opernhaus Zürich

Opernhaus Zürich/ Dialogues des Carmélites/Foto ©Herwig Prammer

Der Direktor des Musikverlages Ricordi machte 1953 den Vorschlag, bei Francis Poulenc ein Ballett über die italienische Büsserin Margareta von Cortona für die Scala zu bestellen. Poulenc fand diese Geschichte zu wenig interessant und schlug vor, das Libretto über die “Dialogues des Carmélites” zu vertonen und begann gleich mit dieser Bearbeitung. Er arbeitete 7 Monate an dieser Partitur, bis ihn im Frühling 1954 persönliche Schicksalsschläge und gesundheitliche Probleme zwangen, die Arbeit zu unterbrechen. Erst ein Jahr später fühlte er sich in der Lage, das Projekt wieder in Angriff zu nehmen und zu vollenden. Die italienische Uraufführung fand im Januar 1957 in der Mailänder Scala statt und die in französischer Sprache folgt im Juni gleichen Jahres in Paris. (Rezension der Premiere v. 13.2.2022)

 

Die Handlung beruht auf dem gleichnamigen Bühnenstück nach einem Drehbuch von Georges Bernanos, welchem wiederum die Novelle “Die Letzte auf dem Schafott” von Gertrud von Le Fort, zugrunde liegt. Geschildert werden eindrücklich die Ereignisse im Karmeliterkloster von Compiègne bis hin zur Hinrichtung der 16 Karmeliterinnen durch die Guillotine am 17. Juli 1794 in Paris. Im Mittelpunkt der Handlung steht die junge Blanche de la Force, welche seit Kindheit von Angstzuständen geplagt war und schließlich im Kloster der Karmeliterinnen Zuflucht suchte. Dort verlangt das strenge  Klosterleben absolute Selbstdisziplin, bis hin zur Selbstaufopferung. Die Klosterstille wird durch die Revolution gestört. Die Klosterfrauen sollten ihr Gelübde brechen, weigerten sich jedoch. Schließlich entschieden sich die Mitschwestern, das Martyrium zu durchleiden. Auch Blanche schloss sich ihnen am Ende an.

Die Musik von Francis Poulenc zeugt von seiner emotionalen Verfassung und ist zur Zeit der Entstehung, entgegen den damaligen Strömungen, sehr tonal gehalten und entwickelt eine Dynamik, der man sich nicht entziehen kann. Man ist beeindruckt durch die einprägsamen Motive, die Melodien, die ungeheure Fantasie der Instrumentation, kombiniert mit den Zwischenspielen, welche die jeweiligen Stimmungen untermalen.

Opernhaus Zürich/ Dialogues des Carmélites/Foto ©Herwig Prammer

Der Regisseurin Jetske Mijnssen ist es zusammen mit dem Bühnenbildner Ben Baur und dem Kostümbildner Gideon Davey gelungenen, die verschiedenen Szenen eindrucksvoll und ohne Effekthascherei zu inszenieren. Sei es im Salon des Marquis de La Force, im Kloster oder im Gefängnis, nie wird mit überflüssigen Requisiten gearbeitet, sondern immer genau die richtige Ambiance der jeweiligen Orte getroffen. Zusammen mit der Lichtgestaltung von Franck Evin wird man in die tragische Handlung hineingezogen. Die besonders berührende Schlussszene mit der Hinrichtung, welche dank einer genialen Idee und ohne sichtbare Brutalität stattfindet, macht sehr betroffen.

Nur mit einem hervorragenden Ensemble und darstellerisch starken Sänger/innen, lässt sich dieses Werk aufführen. Das war an diesem Abend gelungen.

Opernhaus Zürich/ Dialogues des Carmélites/Foto ©Herwig Prammer

Die Rolle der Blanche war mit Olga Kulchynska, die alle Facetten dieser angstvollen, jungen Frau mit kräftigem Sopran ausleuchtete, bestens besetzt. Le Marquis de la Force wurde von Nicolas Cavallier mit wunderbarem Bassbariton gesungen. Ebenfalls einen überzeugenden Auftritt hatte Thomas Erlank in der Partie des Chevalier, dem Bruder von Blanche. Mit Evelyn Herlitzius, welche in der Rolle der Madame de Croissy, der schwerkranken Priorin, debütierte, hat man wohl die Idealbesetzung gefunden. Wohl niemand konnte sich ihrer ergreifenden Darstellung entziehen.

Sandra Hamaoui, als Soeur Constance de St.-Denis konnte ebenfalls mit Stimme und Spiel für sich einnehmen. Inga Kalna als Madame Lidoine und Alice Coote als Mère Marie de l’Incarnation, boten eine eindrückliche Darstellung, forcierten jedoch beide zuweilen doch etwas zu oft Ihre Stimmen. Auch für diesen beiden Sängerinnen war es ein Rollendebüt.

Opernhaus Zürich/ Dialogues des Carmélites/Foto ©Herwig Prammer

Mit Liliana Nikiteanu als Mère Jeanne de l’Enfant Jésus, François Piolino als L’Aumônier de Carmel, Freya Apffelstaedt als Soeur Mathilde, Saveliy Andreev, 1er Commissaire, Alexander Fritze, 2e Commisaire, Valery Murga, Le Geôlier, Benjamin Molenfalean als Officier und Yannick Debus, als Thierry, hatte man ein sehr stimmiges Ensemble aufgeboten. Neben dem Chor und Zusatzchor der Oper Zürich, wie immer perfekt einstudiert von Janko Kastelic und dem Statistenverein am Opernhaus Zürich, traten Ana Sánchez Martinez, Sarah Schoch, Liliana Torres, Manuel von Arx, Francesco Guglielmino und Christian Waespi in der Choreographie von Lillian Stillwell auf und belebten im ersten Bild die Szene.

Die musikalische Leitung dieser Aufführung war in der Hand von Tito Ceccherini. Hier wurde mit der Philharmonia Zürich ganze Arbeit geleistet. Bis ins feinste Detail der Partitur, wurde jede Facette ausgeleuchtet. Eine hervorragende Leistung.

Obwohl das Haus keineswegs ausverkauft war, wurden alle Mitwirkenden mit großem Applaus belohnt und auch das Team um die Regisseurin Jetske Mijnssen erhielt viele Bravos. Wer immer die Gelegenheit hat dieses Werk zu erleben, sollte diese Aufführung nicht verpassen.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Opernhaus Zürich / Stückeseite
  • Titelfoto: Opernhaus Zürich/ Dialogues des Carmélites/Foto ©Herwig Prammer

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