Opernhaus Zürich: „Götterdämmerung“ – Richard Wagner /Premiere

Opernhaus Zürich/GÖTTERDÄMMERUNG/Foto @ Monika Rittershaus

Mit der Premiere der „Götterdämmerung“ am Opernhaus Zürich ist nun der Ring des Nibelungen in der Inszenierung von Andreas Homoki vollendet und man darf von einem sehr gelungenen Abschluss dieses ersten Rings seit zwanzig Jahren in Zürich berichten. (Rezension der Premiere vom 5. November 2023)

 

 

Wie bereits in den drei vorangegangenen Premieren, begonnen im April 2022 mit „Das Rheingold“, ist es Andreas Homoki gelungen, die Handlung mit einer Klarheit zu erzählen, welche auch für einen nicht Wagnerspezialisten sehr gut nachvollziehbar ist. Hier erleben wir keine Regieeinfälle, welche ausschliesslich der zwanghaften Neuinterpretation dienen. Durch das schon seit Beginn klare Regiekonzept mit einer Drehbühne, den Zimmerfluchten, den jeweils der Handlung entsprechenden Requisiten, welche durchaus auch Raum für Humor und raffinierte Effekte geben, kann man dem Schicksal, dem Leiden und Sehnen der einzelnen Figuren bestens folgen. Leicht irritierend sind die kurzen Abstände, in welchen der Vorhang im Finale mehrere Male auf und zu geht und damit etwas vom Effekt der wunderbaren Schlussmusik verloren geht. Am Ende sehen wir nochmals die leere Bühne, so wie ganz zu Beginn im Rheingold, welche sich weiterdreht und die Hoffnung zulässt, dass ein Neuanfang möglich ist.

Opernhaus Zürich/GÖTTERDÄMMERUNG/Foto @ Monika Rittershaus

Dem Ausstatter Christian Schmidt, dem Lichtgestalter Franck Ervin, sowie der künstlerischen Mitarbeit von Florian Schaaf und Tieni Burkhalter, welcher für die Videos zuständig war, gelang eine überzeugende Aufführung, welche nahtlos an die vorherigen Teile anschliesst und einen staunen lässt, wie schnell die 4 1/2 Stunden der Handlung verflogen sind.

Es war auch in musikalischer Hinsicht ein ganz außergewöhnlicher Abend. Es kommt selten vor, dass in einer Premiere gerade zehn Rollendebüts und zwei Hausdebüts stattfinden und auch der Musikalische Leiter und Generalmusikdirektor des Opernhaus Zürich, Gianandrea Noseda, seinen ersten Ring dirigiert.

Was Gianandrea Noseda mit der Philharmonia Zürich zu Gehör bringt, ist absolut begeisternd. Von den feinsten Nuancen bis hin zu den grandiosen, stürmischen Highlights der Partitur, immer blieb die Lautstärke der Akustik des Opernhauses angepasst und wurde von sämtlichen hochkonzentrierten Musikern dieses wunderbaren Orchesters mitreißend gespielt. Auch wenn noch das eine oder andere Mal die Klangbalance etwas wackelt, so wird sich dies in den kommenden Aufführungen auf alle Fälle einpendeln. Einmal mehr eine tolle Leistung der Philharmonia Zürich und von Gianandrea Noseda, welcher für das Opernhaus ein großer Glücksfall ist.

Auf der sängerischen Seite kann man ebenfalls von beeindruckenden Leistungen berichten.

Camilla Nylund bot mit ihrem Debüt als Brünnhilde eine sensationelle Leistung. Vom ersten Ton an war man von dieser leuchtenden Stimme hingerissen, welche jede Gefühlsregung mit Emotion und völliger Hingabe ausfüllte und auch darstellerisch voll überzeugen konnte. Kaum zu glauben, dass dies ihre erste Brünnhilde war. Diese Rolle fordert von der Sängerin alles und Camilla Nylund gab alles. Ein Triumph.

Opernhaus Zürich/GÖTTERDÄMMERUNG/Foto @ Monika Rittershaus

Klaus Florian Vogt sang zum ersten Mal den Siegfried und konnte mit seiner burschikosen Darstellung des naiven Helden ebenfalls einen großen Erfolg für sich verbuchen. Seine klare Diktion und die sicher sitzende Stimme überzeugten und so wurde auch dieses Debüt zu einem weiteren Höhepunkt dieser Aufführung.

Christopher Purves als Alberich ist ebenfalls eine Idealbesetzung mit perfekter Diktion. Sein Sohn Hagen, von David Leigh mit dunklem, bedrohlichem Bass gesungen, jedoch in der Diktion noch etwas unklar, wirkt durch seine große Gestalt beeindruckend. Zum ersten mal am Opernhaus zu erleben war Bariton Daniel Schmutzhard, welcher als Gunther ebenfalls sein Debüt gab. Marionettenhaft und eine schwächliche Figur darstellend, konnte er gesanglich ebenfalls überzeugen. Dies gilt auch für die Sopranistin Lauren Fagan als Gutrune.

Ihren großen Auftritt hatte Sarah Ferede im ersten Akt als Waltraute. Mit kraftvoller Stimme konnte auch Sie einen Erfolg für sich verbuchen.

Die drei Nornen waren mit Freya Apffelstaedt, Lena Sutor-Wernich und Giselle Allan bestens besetzt. Köstlich die Rheintöchter Uliana Alexyuk als Woglinde, Siena Licht Miller als Flosshilde und Niamh O‘Sullivan als Wellgunde. In stummer Rolle war Wolfram Schneider-Lastin als Wotan zu sehen.

Opernhaus Zürich/GÖTTERDÄMMERUNG/Foto @ Monika Rittershaus

Ganz hervorragend von Ernst Raffelsberger einstudiert war auch der Chor der Oper Zürich, welcher, unterstützt vom Statistenverein am Opernhaus Zürich,  im zweiten Aufzug seinen Auftritt hatte.

Das Premierenpublikum bedankte sich für diese große Leistung mit lautstarkem Applaus, Jubel für die Sänger und einer Standing Ovation für den Dirigenten. Die Folgevorstellungen sind bereits seit Wochen im voraus ausverkauft und auch für die beiden Ringzyklen im Mai 2024 sind nur noch wenige Restkarten erhältlich.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Opernhaus Zürich / Stückeseite
  • Titelfoto: Opernhaus Zürich/GÖTTERDÄMMERUNG/Foto @ Monika Rittershaus

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