Opernhaus Zürich: „Aci, Galatea e Polifemo“ von Georg Friedrich Händel

Opernhaus Zürich/ACI, GALATEA E POLIFEMO/Foto: Toni Suter

Mit dem neuen Festival „Zürich Barock“ hat Intendant Matthias Schulz einen ganz besonderen Glanzpunkt in seine erste Spielzeit gesetzt. Innerhalb von zehn Tagen wird ein reichhaltiges Programm auf höchstem Niveau von selten gespielten Werken, Opernpremieren und kleineren Konzerten, ausgeführt durch hervorragende Musiker und Solisten, geboten. Mit dem 1998 gegründeten Orchestra La Scintilla steht dem Opernhaus Zürich ein Juwel zur Verfügung, welches auch in den kommenden Jahren eine bedeutende Rolle bei diesem Festival einnehmen wird. (Rezension der Aufführung v. 20. März 2026)

 

Anlässlich der Eröffnung des Festivals hatte man zu einem kleinen öffentlichen Konzert im Foyer des Opernhauses geladen. Zuhörer jeglichen Alters, auf den Treppen sitzend, oder eng zusammen stehend, füllten den Raum. Mit einem derartigen Ansturm hat wohl niemand gerechnet. Im Pausenfoyer war ein gigantisches Barockes Buffet aufgebaut. Allein schon optisch ein wahres Kunstwerk! Matthias Schulz eröffnete den Anlass mit einer offiziellen Begrüßung und führte anschließend ein kurzes Gespräch mit dem Dirigenten des Abends, dem berühmten Countertenor Philippe Jaroussky. Anschließend ließ man sich nicht lange bitten und genoss die feinen Spezialitäten auf der Festtafel. Das erste Werk dieses Festivals war die Serenata a tre HWV 72 „Aci, Galatea e Polifemo“ von Georg Friedrich Händel in einer konzertanten Aufführung.

Die Sage nach Ovid mit dem Libretto von Nicola Giuvo, welche im Juli 1708 die Uraufführung erlebt hatte und als kleineres Werk für drei Solisten, Streichorchester und Trompete, Blockflöte, Oboe und die Basso-continuo Gruppe angelegt ist, wurde zu jener Zeit als festliche Abendunterhaltung geboten.

Opernhaus Zürich/ACI, GALATEA E POLIFEMO/Foto: Toni Suter

Die Nymphe Galatea liebt den Hirtenjungen Acis. Als ihm Galatea verrät, dass auch der Riese Polyphem sie begehrt, wird er eifersüchtig. Polyphem gesteht Galatea seine starken Gefühle, wird aber von ihr stets zurückgewiesen und verspottet. Als sie ihm ihre Treue zu Acis erklärt, reagiert er mit heftiger Wut. Acis jedoch verspricht Galatea, sie zu beschützen. Polyphem droht mit Gewalt gegen Galatea, worauf sie ins Meer flüchtet. Da verlässt Polyphem seine Hoffnung. Auch Acis ist erschrocken, aber er will Galatea nochmals sehen.

Als Galatea wieder erscheint und die beiden ihre Liebe zueinander bekennen, hört dies Polyphem und beschließt, Acis zu töten. Mit einem Felsblock, welchen er vom Berg hinunterschleudert, erschlägt er Acis. Polyphem gibt Galatea die Schuld an Acis Schicksal. Galatea bittet Ihren Vater, den Meeresgott Nereus, Acis in einen Fluss zu verwandeln, damit sie sich im Meer wieder mit einander vereinen können. Betroffen muss Polyphem zusehen, wie Acis Galatea ins Meer folgt und wünscht sich seinen eigenen Tod.

Die Aufführung im Opernhaus Zürich konnte mit hervorragenden Solisten, einem großartigen Orchester und einem fundierten Kenner dieses Repertoires aufwarten.

Bruno de Sá als Aci, Sopranist, ist ein Phänomen seiner Stimmgattung. Er singt diese sehr anspruchsvolle Partie mit einer Leichtigkeit und Virtuosität, welche die Zuhörer sofort in den Bann zieht. Er vermag alle Emotionen dieser Partie bis in die höchsten Töne zu vermitteln und begeisterte das Publikum bei seinem Debut im Opernhaus Zürich.

Opernhaus Zürich/ACI, GALATEA E POLIFEMO/Foto: Alexander Fischer

Mezzosopranistin Elizabeth DeShong als Galatea zeigt diese von Gefühlen überwältigte Nymphe mit allen Facetten ihrer großen und sehr flexiblen Stimme und vereint sich auch im Duett mit Acis zu wunderbarer Harmonie. Der französische Bass Nicolas Brooymans als Polyphem gilt zurecht als großer Spezialist für dieses Repertoire und überzeugte mit seiner bestens geführten Stimme, mit welcher er seine starken Emotionen auszudrücken vermochte.

Philippe Jaroussky braucht man keinem Opern- und Konzertbesucher mehr vorzustellen. Seit vielen Jahre ein gefeierter Countertenor, war er an diesem Abend als musikalischer Leiter zu erleben. Zusammen mit dem grandiosen Orchestra La Scintilla entstand eine Wiedergabe dieser herrlichen Musik auf allerhöchstem Niveau. Hier vereinen sich großes Wissen, Erfahrung und eine Spielfreude, wie man sie selten antrifft.

Das Publikum, welches während der Aufführung konzentriert zuhörte und einzig nach den virtuosen Arien des Acis, applaudierte, bedankte sich am Ende mit Standing Ovationen und vielen Bravorufen.

Am Sonntag, 29. März 2026 findet die einzige Wiederholung statt. Das ganze Programm findet man unter www.opernhaus.ch

Die Details zum Programm 2027, werden zusammen mit dem Spielplan 26/27 am 9. April auf der Website zu finden sein.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Titelfoto: Opernhaus Zürich/ACI, GALATEA E POLIFEMO/Bruno de Sà, Elizabeth DeShong, Philippe Jaroussky und Nicolas Brooymans/Foto: Toni Suter
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