Magdeburg: Leoš Janáčeks »Kátja Kabanová« eröffnet die Spielzeit 2019/2020

Leoš Janáček (Relief)@ Michal Maňas – Eigenes Werk, CC BY 3.0, Wikipedia

 

Das Theater Magdeburg hat nur gute Erfahrungen mit tschechischer Oper gemacht: Nach Janáčeks »Jenůfa«, Fibichs »Braut von Messina« und Dvořáks»Rusalka« feiert als Eröffnung der Spielzeit 2019/2020 Janáčeks »Kátja Kabanová« am Sa. 7. 9. 2019, 19.30 Uhr im Opernhausals Koproduktion mit der Scottish Opera Premiere. Sie ist zugleich das Debüt von Anna Skryleva als neue Generalmusikdirektorin des Theaters Magdeburg am Pult der Magdeburgischen Philharmonie.

 

 

Kátja, die tragisch endende Titelfigur dieser Oper, handelt entgegen ihren eigenen moralischen Werten, als sie ihren Gefühlen folgt und Ehebruch begeht. Sie flieht vor einem trunksüchtigen, im Rausch gewalttätigen Ehemann sowie einer herrschsüchtigen Schwiegermutter. Doch es meldet sich ihr religiös geprägtes Gewissen, das ihr den Ehebruch nicht verzeiht. Zusätzlich getrieben durch die bigotte Kleinstadt-Gesellschaft, die mit dem Finger auf sie zeigt, erlöst sich Kátja schließlich aus ihrer inneren Zerrissenheit durch einen suizidalen Sprung in die Wolga.

Janáček wusste genau, wie solche tiefen Emotionen klanglich ausgedrückt werden müssen. Er fing Tonfälle und Nuancen der tschechischen Sprache ein und übersetzte sie in eindrückliche Sprachmelodien. Allerdings ahmte er nicht wie Smetana oder Dvořák die tschechisch-mährische Folklore seines Volkes nach, sondern gewann daraus eine neue, eigenständig, realistische Sprache. Ungewöhnliche rhythmische Strukturen und Janáčeks besonders ausdrucksstarke Orchesterbehandlung lassen das eindringliche Portrait einer jungen Frau entstehen, die auf ihre Art sehr autark ist. Immerhin nimmt sie mit der öffentlichen Preisgabe ihres Ehebruchs ihren Untergang in Kauf und will lieber gar nicht leben, als unglücklich mit einem Kompromiss.

Den unbarmherzigen gesellschaftlichen Druck und den daraus resultierende seelischen Konflikt der Titelfigur stellt Regisseur Stephen Lawless, der am Theater Magdeburg durch seine Produktionen von »Tristan und Isolde« und »Rusalka« dem Publikum noch bestens bekannt ist, in den Mittelpunkt seiner Inszenierung. Diese siedelt er in der sowjetischen Provinz der 1970er Jahre an, die durch ihre Industrielandschaft an der Wolga geprägt ist (Bühnenbild: Leslie Travers). In diesem Umfeld siegt der Glauben an die Kraft des Schicksals und der Vorhersehung gegenüber der Verantwortung für das eigene Tun und individuellem Gestaltungsspielraum.

Während Richard Furman die Rolle des Boris bereits an der Scottish Opera gesungen hat, gibt Noa Danon ihr Rollendebüt als Kátja und kann damit nach »Vanessa« ihr Gestaltungspotential als starke, sensible Frau hier wieder unter Beweis stellen. Als Kabanicha, der Schwiegermutter Kátjas, ist mit Ks. Undine Dreißig eine ebenbürtige Gegenspielerin besetzt. Und für Anna Skryleva als neue Generalmusikdirektorin der Magdeburgischen Philharmonie, ist Janáčeks Oper durch ihre Vertrautheit mit slawischen Sprachen ein geradezu idealer Opernauftaktin Magdeburg.

Den selbstmörderischen Sprung Kátjas von der Brücke in die Wolga am Ende der Oper realisieren alternierend die Stuntfrauen Cecilia Diesch und Leonie Urbaschek von der Stuntcrew Babelsberg.

 

Opernhaus Magdeburg (Winter) Foto © www.AndreasLander.de

Kátja Kabanová
Oper in drei Akten von Leoš Janáček | Libretto von Leoš Janáček
In tschechischer Sprache mit deutschen Übertiteln I Koproduktion mit der Scottish Opera

Premiere am Sa. 7. 9. 2019, Theater Magdeburg/Operhaus

Musikalische Leitung GMD Anna Skryleva
Regie Stephen Lawless
Bühne / Kostüme Leslie Travers
Choreografie Lynne Hockney
Dramaturgie Thomas Schmidt-Ehrenberg
Choreinstudierung Martin Wagner

Dikoj Paul Sketris/Johannes Stermann
Boris Richard Furman
Kabanicha Ks. Undine Dreißig
Tichon Joska Lehtinen
Kátja Noa Danon
Kudrjaš Peter Diebschlag
Varvara Emilie Renard
Kuligin Johannes Wollrab
Glaša Uta Zierenberg
Fekluša/Frau aus dem Volk Ilka Hesse
Mann aus dem Volk Yong Hoon Cho

 

 

 

 

 

 

 

 

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