„Lucia di Lammermoor“ in neuer Besetzung am Opernhaus Zürich

Opernhaus Zürich/LUCIA DI LAMMERMOOR/Foto @ Toni Suter

Fast ein Jahr nach der Premiere von „Lucia di Lammermoor“ im Opernhaus Zürich, welche damals pandemiebedingt ohne Orchester im Graben und ohne Chor auf der Bühne stattfinden musste, konnte man nun diese Oper mit neuer Besetzung wieder unter normalen Umständen erleben. Allerdings vermochte die Inszenierung von Tatjana Gürbaca auch jetzt nicht zu überzeugen. Eine Drehbühne öffnet immer wieder und gibt dieselben Einblicke in chaotische Räume. Das dauernde Hin und Her der Darsteller trägt nicht zum besseren Verständnis der Handlung bei. Besonders beim Hochzeitsfest, wo der schon sterbende Bräutigam Arturo nochmals auf die Bühne geschleppt wird, erreicht die Geschmacklosigkeit dieser Inszenierung ihren Höhepunkt. (Besuchte Vorstellung v. 29.05.2022)

 

Glücklicherweise wurde man durch die gesanglichen Leistungen entschädigt. Aber gerade deshalb wäre man auch mit einer konzertanten Aufführung mit dieser Besetzung durchaus zufrieden gewesen.

Opernhaus Zürich/LUCIA DI LAMMERMOOR/Foto @ Toni Suter

Diese Oper lebt insbesondere von der Interpretation der äußerst anspruchsvollen Titelrolle der Lucia. Dafür konnte Lisette Oropesa, die derzeit wohl gesuchteste Sopranistin für diese Rolle, gewonnen werden. Mit ihrer vollen, sicheren Stimme in allen Lagen und ihrer starken Bühnenpräsenz begeisterte sie das Publikum.

Benjamin Bernheim, welcher 2008/09 Mitglied des Opernstudios an diesem Hause war, gehört heute zur obersten Garde der Tenöre und ist Gast auf allen großen Bühnen. Als Edgardo ist er mit seiner heldenhaften Stimme und seiner Ausstrahlung die ideale Besetzung für diese Rolle.

Opernhaus Zürich/LUCIA DI LAMMERMOOR/Foto @ Toni Suter

Massimo Cavalletti als Lucias Bruder Enrico, erfüllt alle Anforderungen dieser Partie mit großer Stimme und eindrücklicher Rollengestaltung. Wegen Indisponiertheit von Andrew Owens, der für die Rolle des Arturo vorgesehen war, war kurzfristig der Tenor Seungwoo Simon Yang eingesprungen. Er überzeugte mit seiner schönen, höhensicheren Stimme. Andrew Owens übernahm auf der Bühne den schauspielerischen Teil der Rolle.

Ebenfalls für einen erkrankten Kollegen eingesprungen, übernahm der junge Bassist Brent Michael Smith die Rolle des Raimondo. Auch er hinterliess mit Gesang und Spiel einen hervorragenden Eindruck. Roswitha Christina Müller als Alisa und Iain Milne als Normanno rundeten den überzeugenden Gesamteindruck der Besetzung für dieses Werk ab.

Opernhaus Zürich/LUCIA DI LAMMERMOOR/Schlußapplaus/Foto @ M. Stücklin

Der Chor der Oper Zürich wurde von Janko Kastelic einstudiert und bestach in dieser Aufführung durch sein hohes Niveau. Andrea Sanguineti leitete die Philharmonia Zürich. Man kam in den Genuss einer herausragenden Leistung des Orchesters. Die Sänger wurden präzise begleitet und das Orchester liess keine Wünsche offen.

Von der musikalischen Seite her gesehen war die Oper ein Hörgenuss. So konnten am Ende der Vorstellung alle Mitwirkenden den begeisterten Applaus des Publikums entgegennehmen.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Opernhaus Zürich / Stückeseite
  • Titelfoto: Opernhaus Zürich/LUCIA DI LAMMERMOOR/L. Oropesa, B. Bernheim/Foto @ Toni Suter

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