
Beim diesjährigen Auftritt von Cecilia Bartoli zusammen mit dem Ensemble Les Musiciens du Prince – Monaco, kam Gioachino Rossinis Oper „Il barbiere di Siviglia“ zur Aufführung. Diese Oper ist sehr populär und hat schon etliche Inszenierungen erlebt, welche aber oft durch übertriebene Komik an Reiz verloren haben. An diesem Abend ist es jedoch ganz hervorragend gelungen, mit großer Spielfreude des Ensembles das Publikum wiederholt zum Lachen zu bringen und gleichzeitig mit außergewöhnlichen Gesangsleistungen zu brillieren. (Rezension der Aufführung v. 21. August 2025)
Es ist immer wieder eine große Freude erleben zu können, wie Cecilia Bartoli es versteht, mit ihrem Temperament und ihrer starken Ausstrahlung das Publikum sofort in Bann zu ziehen. Sie gestaltete die Partie der Rosina mit unerreichbarer Virtuosität, viel Schalk und perlenden Koloraturen.Als Graf Almaviva vermochte Edgardo Rocha, seit vielen Jahren einer der führenden Tenöre für Rossini und Donizetti, sowohl bei seinen Arien, wie auch in den grossen Ensembleszenen, mühelos die anspruchsvollen Höhen dieser Partie zu meistern. Auch er vermittelte eine mitreißende Energie.
Bassbariton Peter Kálman als der ewig kauzige Dr. Bartolo war ebenfalls eine Idealbesetzung. Sei es als wütender, eifersüchtiger und misstrauischer Vormund, oder als schmeichelnder Verliebter, jede Facette dieser Rolle wurde mit seiner bestens geführten Stimme ausgeleuchtet. Im letzten Moment eingesprungen ist der Bassist Michele Pertusi, ein seit vielen Jahren auf den großen Bühnen immer wieder gerne gesehener Sänger. Als intriganter Musiklehrer Basilio begeisterte er das Publikum mit seiner listigen Spielfreude. Als Berta war die Sopranistin Caterina Di Tonno zu erleben, welche in ihrer Arie im zweiten Akt brillierte.
Die Herren des Vokalensembles Il Canto di Orfeo liessen in den Chorszenen aufhorchen.
Es gab an diesem Abend jedoch auch eine andere Begegnung mit einem absolut großartigen Sänger: Bariton Nicola Alaimo, als Figaro. Wann hat man die große Arie im ersten Akt „Largo al factotum“ derart grandios gesungen gehört! Seine Stimme füllte den Saal mit Kraft und einer Bühnenpräsenz, die ihresgleichen sucht. Bereits nach dieser Arie war das Publikum hingerissen und man freute sich auf jeden nächsten seiner Auftritte. Eine sensationelle Leistung!

Solch eine Aufführung ist nur möglich, wenn Musiker da sind, welche bestens mit den Sänger/innen harmonieren und all die humoristischen Einlagen voll konzentriert begleiten. Mit dem Ensemble „Les Musiciens du Prince – Monaco“ welches 2016 auf Initiative von Cecilia Bartoli an der Opéra de Monte-Carlo gegründet wurde und seither bei zahllosen Auftritten in ganz Europa grosse Erfolge feiern durfte, stand genau diese Qualität zur Verfügung.
Der Chefdirigent Gianluca Capuano führte das Orchester mit seinem sensiblen Dirigat einmal mehr zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. Die Musiker überzeugten jederzeit mit einer herausragenden Leistung. Es wurde ein Zusammenspiel mit dem Ensemble der Sänger/innen auf höchstem Niveau geboten. Das Publikum ließsich von Anfang an begeistern und bedankte sich am Schluss der Aufführung mit einer Standing Ovation und lauten Bravorufen.
- Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
- Lucern Festival
- Titelfoto: Cecilia Bartoli / Foto: Copyright Decca – Uli Weber