Konzert des Tonhalle-Orchesters Zürich unter der Leitung von Lorenzo Viotti / 29. April 2022

 

Tonhalle-Orchester Zürich/Lorenzo Viotti/29.4.22/Foto @ M. Stücklin

Zusammen mit der jungen Violinistin Veronika Eberle und dem durch Lorenzo Viotti geleiteten Tonhalle-Orchester Zürich fand ein beeindruckender Konzertabend statt. Nebst bekannten Werken wurde auch ein selten gespieltes Violinkonzert zur Aufführung gebracht.

 

 

Sehr sympathisch eröffnete Lorenzo Viotti den Abend mit ein paar Bemerkungen zu den ausgewählten Werken. Das Programm begann mit dem Violinkonzert D-Dur op 35 von Erich Wolfgang Korngold. Schon zur Zeit seiner Kindheit war Korngold wegen seiner außerordentlichen Musikalität Gustav Mahler und Richard Strauss aufgefallen. Das Violinkonzert war zwischen 1937 – 1939 entstanden, wurde aber erst 1947 uraufgeführt. Korngolds Kompositionen gehörten schon damals zu den am meisten gespielten österreichischen Musikwerken.

Wegen des aufkommenden Austrofaschismus sah sich Korngold gezwungen, vor den Nazis zu fliehen und folgte der Einladung von Warner Brothers, nach Hollywood zu kommen. Dort widmete er sich dem Komponieren von Filmmusik, wo auch die berühmte Filmmusik zu ”Robin Hood” entstanden war. Diese äußeren Umstände erklären auch die stark verspätete Uraufführung seines Violinkonzerts. Das anspruchsvolle Violinkonzert enthält Fragmente aus seinen erfolgreichen Filmvertonungen. Es besteht aus drei Sätzen und erfordert vom Interpreten höchste musikalische, aber auch technische Qualitäten.

Tonhalle-Orchester Zürich/V. Eberle, Lorenzo Viotti/29.4.22/Foto @ M. Stücklin

Mit  der jungen Violinistin Veronika Eberle kam man in den Genuss eines Vortrags geprägt durch größte Virtuosität. Feinfühlig entlockte sie ihrer aus dem Jahre 1715 stammenden Stradivari leiseste bis hin zu kräftigsten Tönen. Zusammen mit dem durch Lorenzo Viotti geleiteten Tonhalle-Orchester Zürich wurde diese Aufführung zu einem Hörerlebnis besonderer Güte. Den begeisternden Applaus des Publikums belohnte die Solistin mit einer Zugabe.

Wer kennt Sie nicht, die Suite aus der Oper “Der Rosenkavalier”. Diese stammte nicht vom Komponisten Richard Strauss selbst, welcher zur Zeit der Uraufführung im September 1946 in Wien, bereits 83 Jahre alt war. Seine Oper “Der Rosenkavalier” wurde 1911 in Dresden das erste Mal gespielt und war sofort ein riesiger Erfolg. Bis heute gehört diese Oper zu den meistgespielten Werken. Von wem genau diese Bearbeitung stammt ist bis heute nicht ganz geklärt. Ganz klar dagegen ist jedoch die Faszination und Emotion, welche eine Aufführung dieses gewaltigen Werkes jedes mal auslöst. Das Tonhalle-Orchester spielte in Vollbesetzung auf dem fast zu engen Podium und wurde von Lorenzo Viotti mit großer Geste und Energie geleitet. Man konnte spüren, was für eine Harmonie zwischen dem Orchester und dem Dirigenten herrschte und sich in diese Klangwogen  und herrlichen Melodien fallen lassen. Eine beeindruckende Aufführung.

Tonhalle-Orchester Zürich/Lorenzo Viotti/29.4.22/Foto @ M. Stücklin

Nach der aus einer anderen Zeit zu stammenden Seligkeit wurde man mit dem letzten Werk des Abend, “La valse” von Maurice Ravel, aus dem Träumen herausgeholt. Diese ursprünglich als Ballettmusik komponiert, ist geprägt durch die Wirren des ersten Weltkriegs. Kurz aufleuchtende Walzerandeutungen erfahren durch zuweilen kräftig bis ”brutal” tönende Klangpartien abrupte Stimmungswandlungen, sodass man sich wie in einem Rausch wähnt. Lorenzo Viotti, auch hier äußerst temperamentvoll und mit größter Konzentration, führte das Tonhalle-Orchester zu einer Glanzleistung.

Das Debüt von Lorenzo Viotti mit dem Tonhalle-Orchester war ein voller Erfolg und wurde vom Publikum, in welchem erfreulich viele junge Zuhörer zu sehen waren, begeistert bejubelt. Man darf auf eine baldige Wiederbegegnung in Zürich hoffen.

 

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Tonhalle-Orchester Zürich
  • Alle Fotos @ Marco Stücklin/DAS OPERNMAGAZIN

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