Diana Damrau, Jonas Kaufmann und Helmut Deutsch begeistern in der Essener Philharmonie

Diana Damrau | Jonas Kaufmann | Helmut Deutsch/Philharmonie Essen | 23 März 2022
Sven Lorenz Foto | Essen

Mit Diana Damrau, Jonas Kaufmann und Helmut Deutsch fanden sich drei Weltstars im Liederabend in der Essener Philharmonie. Sie trugen 40 Kunstlieder und Duette von Robert Schumann und Johannes Brahms vor, die die romantische Liebe in allen ihren Facetten besingen. Jonas Kaufmann ist wohl derzeit einer der vielseitigsten und gefragtesten Tenöre weltweit, und Diana Damrau gilt mit ihrem silberhellen Sopran als Königin der Koloraturen. Helmut Deutsch hat schon Hermann Prey bei über hundert Liederabenden begleitet und hat diesmal ein Programm mit Liedern von Robert Schumann und Johannes Brahms zusammengestellt, die selten aufgeführt werden. Es ist das Anliegen des geborenen Wieners, dass diese filigranen Kostbarkeiten nach romantischen Gedichten von Friedrich Rückert, Emanuel Geibel, Joseph von Eichendorff, Heinrich Heine und anderen nicht in Vergessenheit geraten.(Liederabend in der Essener Philharmonie am 23.03.2022)

 

Helmut Deutsch hat die 40 Lieder in sechs Zyklen angeordnet, bei denen sich Diana Damrau und Jonas Kaufmann abwechselten, beziehungsweise im Duett sangen. Das Team ist perfekt aufeinander eingespielt, und man merkte an der Gestik, dass die beiden erfahrene Opernsänger sind. Vor allem die Duette wie „Vergebliches Ständchen“ von Johannes Brahms wurden auch szenisch umgesetzt – sie sangen einander an.

Zu Beginn klatschte das Publikum nach jedem einzelnen Lied, da ergriff Jonas Kaufmann das Wort und sprach seine Erleichterung darüber aus, dass man jetzt wieder für großes Publikum spielen könne und bat darum, man möge nur am Ende der Liedgruppen klatschen, die Lieder seien aufeinander bezogen und sollten ohne Unterbrechung durch Beifall genossen werden.

Helmut Deutsch als erfahrener Professor Liedgesang für hatte sechs Liederzyklen zusammengestellt, die in Tonart und Stimmung zueinander passen und Spannungsbögen zeichnen. Der erste Zyklus mit sieben Liedern von Robert Schumann zum Beispiel begann mit dem emphatischen Lied „Widmung“ („Du meine Seele, du mein Herz …“) über „Geständnis“ („Also lieb´ ich Euch, Geliebte …“) bis hin zu der Ahnung sterbender Liebe in „Stille Tränen“ von Julius Kerner („Du bist vom Schlaf erstanden …“).

Die Natur spielt in den Liedern von Schumann und Brahms eine große Rolle als Metapher für tiefe Gefühle, es stehen Bäume, der Wald, die Dämmerung, das Wasser und Nachtigallen als Bilder im Raum.

„Da ist der amtierende König der Tenöre und Publikumsliebling Jonas Kaufmann, dann die Großmeisterin der mühelos geträllerten Koloraturen, Diana Damrau, sowie der Klavierzauberer Helmut Deutsch, auf den viele Liedsänger als Begleiter schwören, weil Deutsch im Leisen präsent bleibt, nie seine Mitmusiker bedrängt und mit dem Geist der Romantik verheiratet scheint,“ schreibt Reinhard Brembeck über den ersten Abend der Tournee in München am 22.3.2022 in der Süddeutschen Zeitung.

Alfried-Krupp-Saal / Foto DAS OPERNMAGAZIN
Alfried-Krupp-Saal / Foto DAS OPERNMAGAZIN

In den sechs Zyklen verleihen sie jeder dieser 40 Preziosen die passende Färbung und setzen ihre Kunstfertigkeit ein, um mit großer Intensität auch die verborgenen Abgründe anzudeuten. Damrau zeigt mit allen technischen Raffinessen mit ihrem silberhellen Koloratursopran und einem überwältigenden Charme alle Facetten der koketten, der verliebten, der resignierten Frau. Sie gestaltete ihre Lieder mit Hingabe und eroberte im Nu die Herzen des Publikums.

Kaufmann kann, weil er kein Orchester übertönen muss, auch innig zurückgenommen, mit gehauchten, zarten Tönen, mit Falsetttönen und „voix mixte“, die er als Gestalter französischer Opernhelden beherrscht, die Feinheiten der intimen Momente auskosten, er verfügt aber auch über die Strahlkraft des auftrumpfenden Heldentenors, die er vor allem bei Liedern von Schumann einsetzte. Er zeigte bei diesen filigranen Kostbarkeiten einmal wieder, dass er technisch perfekt und im Ausdruck souverän ist.

Helmut Deutsch, erfahrener Professor für Liedgesang, hat mit dieser Zusammenstellung von sechs Liederzyklen ein Meisterstück geschaffen, denn die Lieder aus verschiedenen Schaffensphasen der Komponisten gehen in den Tonarten und Stimmungen nahtlos ineinander über und schaffen Spannungsbögen. Seine ausdrucksvolle Begleitung auf dem Flügel ist immer dienend, und er hat mit Diana Damrau und Jonas Kaufmann wohl die idealen Interpreten gefunden.

Diana Damrau | Jonas Kaufmann | Helmut Deutsch/Philharmonie Essen | 23 März 2022
Sven Lorenz Foto | Essen

Ich bin sicher, dass man diese Pretiosen, die die romantische Liebe in all ihren Facetten beschreiben, wohl selten in dieser Perfektion und mit diesem Reichtum an Klangfarben und Ausdruck gehört hat. Damrau und Kaufmann sind Opernpraktiker, die einander ansingen, hinhalten, umgarnen, bezirzen und auch mit ihrer Körpersprache die Faszination der romantischen Liebe ausdrücken.

Fans von Jonas Kaufmann und Diana Damrau kamen auf ihre Kosten, denn subtiler konnten die beiden ihre Kunstfertigkeit kaum demonstrieren. Und Kenner der Szene konnten sich von der Souveränität des Altmeisters Helmut Deutsch überzeugen, der die Liederzyklen nicht nur am Klavier begleitet, sondern auch zusammengestellt hat.

Die in München am 21. März 2022 begonnene Tournee durch zwölf Städte: München, Essen, Frankfurt, Baden-Baden, London, Luxemburg, Paris, Berlin und Wien gibt Fans von Jonas Kaufmann und Diana Damrau die Gelegenheit, ihre vielseitigen Stars auf dem Höhepunkt ihrer Kunst mit einem exquisiten Programm romantischer Kunstlieder von Schumann und Brahms zu erleben.

Mehr dazu: https://ccm-international.de/portfolio-item/tournee-mit-diana-damrau-jonas-kaufmann-und-helmut-deutsch-im-mai-2022/

 

  • Rezension von Ursula Hartlapp-Lindemeyer / Red. DAS OPERNMAGAZIN
  • Essener Philharmonie
  • Titelfoto: Diana Damrau | Jonas Kaufmann | Helmut Deutsch
    Philharmonie Essen | 23 März 2022 /Sven Lorenz Foto | Essen

 

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