Deutsche Oper Berlin, copyright: Leo Seidel

Deutsche Oper Berlin im Dezember 2018: Premiere von „LES CONTES D’HOFFMANN“ und Bühnenabschied von Edita Gruberová

Deutsche Oper Berlin, copyright: Leo Seidel
Deutsche Oper Berlin, copyright: Leo Seidel

Am 1. Dezember feiert Laurent Pellys Inszenierung von LES CONTES D’HOFFMANN unter musikalischer Leitung von Enrique Mazzola und mit Daniel Johansson in der Titelpartie Premiere an der Deutschen Oper Berlin und am 10. Dezember gibt Edita Gruberová ihren Bühnenabschied von der Deutschen Oper Berlin 

 

Jacques Offenbach, der König der opéra bouffe, setzte mit seinem letzten Werk nicht bloß sich selbst, sondern auch der französischen Begeisterung für E.T.A. Hoffmann ein bleibendes Denkmal. Als Protagonist seiner eigenen Geschichten – vom „Sandmann“ über „Rat Krespel“ bis zu den „Abenteuern der Silvesternacht“ – muss der Berliner Dichter sich mit den Folgen seiner frei wuchernden Fantasie herumschlagen. Das Libretto von Jules Barbier und Offenbachs Musik entfalten dazu ein ganzes Spiegelkabinett vielschichtiger Künstler- und Künstlerinnenbilder des Jahrhunderts und vereinen auf einzigartige Weise komische und tragische Stoffe und Stile.

Das Vielschichtige, Mehrdeutige der Hoffmannschen Gestalten und ihrer Motivationen, das Mysterium der Fantasie interessiert auch den französischen Starregisseur Laurent Pelly in seiner Inszenierung der CONTES D’HOFFMANN, die er wegen ihrer großen Überzeugungskraft an unterschiedlichen Orten auf die Bühne gebracht hat. Im Fokus dieser Spielfassung der kritischen Edition von Jean-Christophe Keck steht der Dichter Hoffmann, dem die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen. Alkohol- und Liebesrausch inspirieren und ruinieren den Künstler, Traum und Wirklichkeit, Tatsachen und freie Erfindung wuchern wild durcheinander und geben verschiedene Perspektiven auf die Personen und ihre Absichten frei. Die Inszenierung vereint magische Bühneneffekte mit einer nuancierten Personenregie zu einer Theatersprache im Geiste Offenbachs, die zwischen Blockbuster und Gesellschaftskritik, Satire und einfühlsamen Charakterzeichnungen oszilliert. 

Laurent Pelly ist einer der meistgefragten Regisseure Frankreichs sowohl im Schauspiel als auch im Bereich der Oper. Er gilt als Spezialist für das französische Repertoire, insbesondere für die Werke Jacques Offenbachs – LA VIE PARISIENNE, LA BELLE HELENE, LA GRANDE DUCHESSE DE GEROLSTEIN, LA PERICHOLE, ORPHEE AUX ENFERS und LES CONTES D’HOFFMANN waren und sind in seinen Inszenierungen weltweit zu erleben. Für alle seine Produktionen kreiert er die Kostüme und oft auch die Bühnenbilder selbst. Für seine Inszenierung von Offenbachs LE ROI CAROTTE an der Opéra de Lyon wurde er im Rahmen der International Opera Awards 2016 in den Kategorien „Bester Regisseur“ und „Wiederentdeckung des Jahres“ ausgezeichnet. 

Enrique Mazzola gehört zu den dynamischsten Dirigenten seiner Generation und gilt als Experte sowohl des Belcanto als auch der klassischen und frühromantischen Musik. Im Opern- und Konzertbereich arbeitet er mit zahlreichen namhaften Klangkörpern zusammen und ist regelmäßig zu Gast an den großen internationalen Opernhäusern und Festivals. Seit der Saison 2012/2013 ist er künstlerischer Leiter und Musikdirektor des Orchestre National d’Île de France sowie ab dieser Saison Erster ständiger Gastdirigent der Deutschen Oper Berlin, wo er bereits wichtige Werke des französischen Repertoires wie Meyerbeers VASCO DA GAMA und LE PROPHETE dirigierte.

In der Titelpartie ist Daniel Johansson zu erleben, der mit der Rolle bereits bei den Bregenzer Festspielen große Erfolge feierte. Neben seinen Paraderollen Don José und Cavaradossi erarbeitet er sich auch das Wagner-Fach und interpretiert seit der letzten Saison Siegmund (Theater an der Wien) und Lohengrin (in dieser Partie im Mai auch an der Deutschen Oper Berlin).

Die vier Frauengestalten rund um Hoffmann interpretiert Cristina Pasaroiu, zuletzt als Magda in LA RONDINE zu erleben, seine diabolischen Gegen­spieler der charismatische Bassbariton Alex Esposito, der an der Deutschen Oper Berlin sowohl als Leporello (DON GIOVANNI) als auch in der Partie des Méphistophélès (Gounods FAUST) gefeiert wurde. Als Muse steht das Ensemble-Mitglied Irene Roberts auf der Bühne, die spätestens seit ihren Auftritten als Urbain in LES HUGUENOTS und als Carmen auf große Begeisterung beim Publikum der Deutschen Oper Berlin stößt.

 

Edita Gruberova / Berlin 7.5.16 /Foto @ Bettina Stöß
Edita Gruberova / Berlin 7.5.16 /Foto @ Bettina Stöß

Abschied von der Deutschen Oper Berlin: Edita Gruberová am 10. Dezember 

Diese Sopranstimme vereinigt dramatische Kraft und farbige Fülle mit einer schier unbegreiflichen Beweglichkeit“, staunte Kritikerpapst Hans Heinz Stuckenschmidt in der Süddeutschen Zeitung, nachdem er Edita Gruberová in der Premiere von Donizettis LUCIA DI LAMMERMOOR an der Deutschen Oper Berlin erlebt hatte. Diese Kombination von Virtuosität und Ausdruckskraft hat sich Edita Gruberová auch nahezu vier Jahrzehnte nach der umjubelten Berliner LUCIA-Premiere bewahren können: Nach wie vor gilt sie als unbestrittene Königin des dramatischen Belcanto und hat das in den letzten Jahren auch an der Deutschen Oper Berlin in Werken wie ROBERTO DEVEREUX und LUCREZIA BORGIA immer wieder unter Beweis gestellt. Doch nun hat Edita Gruberová sich entschlossen, ihrem Bühnenkönigreich langsam Adieu zu sagen: Das Konzert am 10. Dezember – fast auf den Tag genau 38 Jahre nach der LUCIA-Premiere – soll ihr Abschied von der Deutschen Oper Berlin sein. Dafür hat die Diva ein Programm ausgewählt, das noch einmal die wichtigsten Facetten ihrer Kunst zeigt: von der mädchenhaften Koketterie Rosinas in Rossinis BARBIER über die elegische Weltentsagung der romantischen Heldinnen Vincenzo Bellinis bis zur Transzendenz der Koloraturkunst in den Wahnsinn der Ophelia in Ambroise Thomas’ HAMLET.

 

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