Arena di Verona: Wagner entschwebt in die südliche Nacht

Arena di Verona / Foto @ Josef Fromholzer

Einlassschlangen, wie bei einem Rockkonzert (aus einer anderen Zeit), schlängeln sich von der Arena weg auf die Piazza Bra – Bilder die man so schon länger nicht mehr gesehen hat. Italienische Jahrmarktsstimmung auf dem Platz. Die Arena ist ausverkauft, oder sogar darüber. Ja, eindeutig darüber! Ein südlicher Sommerabend erwartet die vielen Besucher des Jonas Kaufmann Konzerts bei den Opernfestspielen 2021 in der Arena Di Verona. Der erste Auftritt von  Kaufmann in der Arena war bereits für Sommer 2020 geplant, und der Vorverkauft der Karten begann im Winter 2019/2020, also vor Corona. ( Arena di Verona, Konzert am 17. August 2021)

 

Es wurden, bevor dieses Konzert dann ein Jahr weiter nach vorne verlegt wurde, sehr viele Karten verkauft. In die Arena durften zu normalen Zeiten über 20.000 Besucher. Bei Rockkonzerten gelegentlich sogar  mehr. Mit 20.000 Besuchern wurde  zuerst auch für den Sommer 2021 geplant; im Mai erfolgte schließlich die Reduzierung auf die erlaubten 6.000 Besucher. Nun sitzen aber mehr als 6.000 Zuschauer im Rund des Bauwerks und lauschen den ersten Klängen des Abends: Lohengrin, Vorspiel zum Dritten Akt. Ein Zauber. Wagner entschwebt in die südliche Nacht – ohne die Enge Bayreuths. Da macht es auch nichts, wenn das Orchester der Festspiele etwas mit Wagner „fremdelt“, wie der BR meinte. Geleitet wird das Orchester von Jochen Rieder. Das Publikum wird sehr leise, staunt mit. Bis in die 1960er-Jahre waren Wagner-Aufführungen auf dem Spielplan der Arena, die Oper Lohengrin hatte insgesamt 22 Aufführungen bei den Festspielen in Verona, von 1922 bis 1963, und Tannhäuser gab es einmal, 1938. Parsifal wurde in den 1920er-Jahren aufgeführt.

Arena di Verona / Foto @ Josef Fromholzer

Ein längerer Auszug aus der Walküre, mit Jonas Kaufmann und der Sopranistin Martina Serafin,  beendet den ersten Teil des Konzerts. Pause. Wein-, Wasser- und Bierverkäufer beginnen erneut mit ihrer nicht überhörbaren Arbeit. Und sie verkaufen gut – wer ein Getränk hat braucht keine FFP2-Maske! Smiley !

Jonas Kaufman kehrt mit „La vita e inferno all‘ infelice …“ aus „La Forza del destino“ zurück; nun deutlich lauter als bei Wagner im ersten Teil. Dieser zweite Teil, dessen Schwerpunkt bei der Giordano Oper Andrea Chenier liegt, steigert sich, was Stimmung und Applaus angeht, bis zu den Zugaben hin; und da geht es  so richtig italienisch los. Jubel, Schreien, Trampeln. Wenn Kaufmann „Nessun Dorma“ singt, kann es gar nicht anders sein. Jubel ! Jubel ! Jubel ! Angestachelt durch den frenetischen Applaus läßt der Tenor sich zu einem Luftsprung hinreißen, wie ihn der Sänger STING in den 90er-Jahren bei seinen Konzerten immer gemacht hat. Das Duett „Lippen schweigen“, mit Martina Serafin, ähnlich lauter und heftiger Beifall. Weinseligkeit, das auch.

Arena di Verona / Foto @ Josef Fromholzer

Es ist  nach Mitternacht. Zugabe um Zugabe. Kaufmann will gar nicht  aufhören. Eine südliche Nacht geht zu Ende.

Bitte einen ganzen Lohengrin mit Kaufmann in der Arena ! Die letzte Lohengrin- Aufführung in der Arena liegt nun schon fast 60 Jahre zurück.

 

 

 

 

  • Artikel von Josef Fromholzer / Red. DAS OPERNMAGAZIN
  • Arena di Verona
  • Titelfotos und weitere Fotos @ Josef Fromholzer

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