Projekt Literaturoper in Wuppertal: „Die Marquise von O…/ Über das Marionettentheater“

Wuppertal/ Die Marquise von O. /Foto © Christian Nielinger

Die Marquise von O…/ Über das Marionettentheater  /  Literaturoper-Projekt nach Heinrich v. Kleist  /  Komposition Henrik Albrecht/ Michael Gerihsen, Libretto Andreas Durban

Die Wuppertaler Oper begrüsst zum Projekt Literaturoper die Hochschule für Musik und Tanz Köln im Theater am Engelsgarten zu einer neuen Kooperation.Hier werden Prosa und Musik vereint, beschreiten Gesangsschüler*innen neue Wege im Bereich Musiktheater. (Bericht zur Aufführung v. 13.12.2019)                                                                                      

 

 

In dem Essay „Das Marionettentheater“ geht es um die Frage, woher die Anmut der an Fäden geführten Holzfiguren kommt. Im Gespräch kristallisiert sich schließlich heraus, die wahre Anmut ist nur einem leblosen Wesen ohne, oder einem Wesen mit absolutem Bewusstsein (Gott) möglich.

Wuppertal/ Die Marquise von O. /Foto © Christian Nielinger

In der Novelle „Die Marquise von O“ setzt sich Kleist mit der bürgerlichen Moral und Doppelmoral auseinander, die alles erlaubt, solange es nicht an die Öffentlichkeit kommt. Die Marquise, während einer Ohnmacht geschwängert, wird, ob der Schande, von der Familie verstoßen, sucht darauf ihren Peiniger über eine Zeitungsanzeige und wird schließlich mit ihm verheiratet damit der Anstand gewahrt bleibt.

In dieser Produktion wurde die Geschichte um die Marquise gewissermassen innerhalb des Marionettentheaters wie als Stück gezeigt. Der Mensch als Marionette, gelenkt von oben, von Kirche, aufoktroyiertem Anstand und moralischen Vorstellungen der Zeit. Der Intitiator der Literaturoper und Regisseur des Werks, möchte damit die Parallelität des Körpers ohne Bewusstsein deutlich machen. Positiv in der Ästhetik der Marionette, negativ im, während der Ohnmacht erfolgten, Mißbrauchs der Marquise. Musikalisch ist das Projekt mit Klavier Georg Leisse, Trompete Shuo Lin Hsu und Percussion Maxime von Koblinski , dazu die Stimmen der Sänger*innen, die sowohl solistisch, als auch als Chor zu hören waren, am ehesten im Bereich Kammermusik anzusiedeln.

Wuppertal/ Die Marquise von O. /Foto © Christian Nielinger

Zusammenfassend kann man es als gelungenes Experiment bezeichnen in dem junge Menschen die Möglichkeit bekommen, sich zu entwickeln, sich auszuprobieren und ihre Fähigkeiten vor Publikum zu zeigen. Bei der Feinabstimmung zwischen instrumentaler Begleitung und Singstimmen haperte es hier und da etwas, so das teilweise nur noch ein nicht identifizierbares Spektakel entstand, aber in der Summe war es ein Abend, der Unterhaltung, neue Ideen und seelischen Tiefgang zu vereinen wusste.

Für die kommende Spielzeit 20/21 ist in der Fortführung der Kooperation eine Produktion von E.T.A. Hofmanns „Der Sandmann“ im Gespräch. Man darf gespannt sein.

 

Besetzung:

Über das Marionettentheater

Erzähler Thomas Huy

Tänzer Niklaus Loosli

Eine Stimme Hélène Faux

Die Marquise von O

Marquise Andrea Graff

Obristin Juliane Bogner

Obrist Thomas Huy

Offizier Christoper Auer

Hebamme Hélène Faux

Arzt Sofia Luz Held

Forstmeister Niklaus Loosli

 

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