Opernhaus Zürich: Silvestervorstellung der „Fledermaus“

Opernhaus Zürich / DIE FLEDERMAUS/G. Schultz, M. Klink/ Foto: Herwig Prammer

Traditionsgemäß wird an vielen Opernhäusern am Silvesterabend Johann Strauss‘s Operette „Die Fledermaus“ aufgeführt. Im vergangenen Jahr gedachte man des 200. Geburtstags des Komponisten und so stand die Aufführung dieses Werks auch am 31. Dezember 2025 auf dem Spielplan. Im mit einem festlich gestimmten Publikum ausverkauften Opernhaus Zürich wurde die seit Anfang Dezember von Anna Bernreitner geschaffene Neuinszenierung gezeigt.

 

Die von vielen Klischees entstaubte Arbeit der Regisseurin findet in einem raffinierten Bühnenbild von Hannah Oellinger und Manfred Rainer statt. Arthur Arbesser war für die Kostüme verantwortlich. Für jedes einzelne Ensemblemitglied, wie auch für den Chor und die Statisten entwarf er individuelle farbenfrohe Kostüme. Eine sehr gelungene Videoarbeit zeigt während der Ouvertüre, was zuvor in der Champagner Bar geschehen war, als Eisenstein und Falke die Sängerin Rosalinde umschwärmt hatten.

Sobald sich dann der Vorhang öffnet, beginnt der humorvolle Reigen von Verwechslungen im Haus der Eisensteins um dann beim grossen Fest des Prinzen Orlofsky seinen Lauf zu nehmen. Dort verwandelt sich die Bühne in eine fantasiereiche bunte Tropeninsel mit einem Vulkan und viel Glitzer.

Opernhaus Zürich / DIE FLEDERMAUS/ Ensemble/Foto: Herwig Prammer

Im dritten Akt findet die markanteste Neuerung in dieser Inszenierung statt. Abweichend von der üblichen Rolle des Gefängnisdieners Frosch treten an dessen Stelle die drei Nornen Urd, Verdandi und Skuld auf, welche die Schicksalsfäden der Menschheit in ihren Händen halten. Dazu hat die Schweizer Komikerin Patti Basler neue Texte mit lokalem Bezug geschrieben, die teilweise in Schweizer Dialekt gesprochen werden. Dieser Teil wirkt allerdings eher bemühend, haben doch einige der etwas gesuchten Pointen beim Publikum nicht den gewünschten Effekt erzielt und die Handlung in die Länge gezogen. Barbara Grimm als Urd, Melina Pyschny als Verdandi und Lucia Kotikova zeichnen sich aber durch ihre gute Deklamation aus.

Die musikalische Leitung hatte der junge erfolgreiche Schweizer Dirigent Lorenzo Viotti inne und liess das Orchester schwungvoll aufspielen. Hier loderte das Feuer in den mitreißenden Melodien und man freute sich einmal mehr über die tolle Leistung des Orchesters der Oper Zürich. Lorenzo Viotti wird ab der Saison 28/29 der neue Generalmusikdirektor am Opernhaus Zürich sein.

Opernhaus Zürich / DIE FLEDERMAUS/ R. Mühlemann/ Foto: Herwig Prammer

Das hochkarätige Ensemble in dieser Aufführung zeichnete sich durch überzeugende Leistungen aus.

Die Rolle des Gabriel von Eisenstein spielte und sang Matthias Klink, ein sehr erfahrener und auch schauspielerisch starker Tenor. Golda Schultz glänzt mit einer herrliche Rosalinde und begeistert mit in allen Lagen sicherer Sopranstimme und sprühender Rollengestaltung. Als Adele erlebt man eine reizende Regula Mühlemann, welche ihre Rolle als Stubenmädchen bezaubernd spielt und mit ihren beiden Arien großen Applaus erntete.

Opernhaus Zürich / DIE FLEDERMAUS/ M. Viotti/ Foto: Herwig Prammer

Marina Viotti bewies einmal mehr ihre große Flexibilität in der Stimmgestaltung und spielte alle Facetten ihrer Rolle als alte Dame, als androgyner Prinz und als temperamentvolle Südländerin perfekt aus. Als Alfred konnte Andrew Owens mit höhensicherem Tenor auftrumpfen und sorgte als Hippie für etliche Lacher. Herrlich auch Ruben Drole als Frank, ein Multitalent und Liebling des Publikums. Yannick Debus als Dr. Falke verfügt über eine sehr schöne Baritonstimme. Eines der beliebtesten Stücke dieser Operette war „Brüderlein und Schwesterlein“. Wunderschön gesungen und ein wahrer Genuss. Nathan Haller als Dr. Blind und die temperamentvolle Rebeca Olvera als Ida ergänzten dieses hochkarätige Ensemble aufs schönste.

Einmal mehr konnte auch der von Ernst Raffelsberger einstudierte Chor der Oper Zürich auf der ganzen Linie überzeugen. Da war viel Spielfreude zu erkennen und man spürte die Begeisterung der Mitwirkenden.

Die Tänzer/innen Sara Pennella, Sophie Melem, Gabriela Hinkova, Sara Peña, Pietro Cono Genova, Roberto Tallarigo, Daniele Romano und Lukas Bisculm sorgten mit rassigen Choreografien von Ramses Sigl für markante optische Eindrücke.

Am Ende der Aufführung bedankte sich Intendant Matthias Schulz beim Publikum für seine Treue im abgelaufenen Jahr. Mit großem Applaus und unter einem Confettiregen endete dieser beschwingte Silvesterabend.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Opernhaus Zürich / Stückeseite
  • Titelfoto: Opernhaus Zürich / DIE FLEDERMAUS/ Ensemble/ Foto: Herwig Prammer

 

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