
Die erste Premiere der neuen Intendanz von Matthias Schulz im Opernhaus Zürich erwies sich als ein voller Erfolg. Zum ersten Mal seit 2007 wurde im Schweizer Fernsehen wieder eine Oper, zusammen mit arte-tv übertragen. Man feierte die 30 jährige Zusammenarbeit und gab dem Opernhaus Zürich Gelegenheit, sich einem breiteren Publikum zu öffnen. Mit Richard Strauss „Der Rosenkavalier“ hat sich die Regisseurin Lydia Steier einen Traum erfüllt. Als sie 2007 in Los Angeles die Produktion in einem Bühnenbild von Gottfried Helnwein gesehen hatte, wünschte sie sich, diese Produktion in einer eigenen Bearbeitung zeigen zu können. Nun, nach 18 Jahren, ist aus diesem Traum Wirklichkeit geworden und sie konnte das Resultat dieser Neuverschmelzung in Zürich präsentieren. (Rezension der Premiere v. 21. September 2025)
Die Inszenierung dieses Werkes, welches Richard Strauss als Komödie für Musik komponiert hatte, beinhaltet teils heiteren, teils auch nachdenkliche Stimmungen. Was man auf der Bühne zu sehen bekommt, ist ein faszinierender Farbenrausch in Bildern und üppigen Kostümen. Raffinierte Requisiten und grosse Projektionen fesseln das Auge. Bewundernswert ist außerdem die gekonnte Personenführung. Die unterschiedlichen Charakter der Figuren waren alle bis ins Detail herausgearbeitet. So beispielsweise die Marschallin in ihrem Schlafzimmer zu Beginn der Oper, oder der dauernd sich selbst überschätzende Ochs auf Lerchenau. Die verliebte Sophie, welche sich vom jugendlich, schwärmenden Mädchen zur zärtlichen jungen Frau wandelt und der junge Octavian, welcher die berühmte Übergabe der silbernen Rose, fernab von der oft zum Kitsch neigenden Szene, präsentiert.

Um eine derart aufwändige Produktion zu zeigen, bedarf es eines großen Teams. Die Ausstattung und die ästhetische Gesamtkonzeption wurde von Gottfried Helnwein besorgt. Wesentlich zu dieser Inszenierung beigetragen haben Dieter Eisenmann und Rosa Maria Presta, Bühnenbildmitarbeit und Louise-Fee Nitschek, Kostüme. Die Lichtgestaltung, welche diese bezaubernden Stimmungen möglich machte, lag bei Elana Siberski. Tabea Rothfuchs und Ruth Stofer waren für die Videos verantwortlich und die Choreographie stammte von Tabatha Mc.Fayden. Zu wenig erwähnt bleiben die vielen Mitarbeiter, welche man auf der Bühne nicht sieht, aber genauso Applaus verdienen, wie die musikalische Seite der Aufführung.
Musikalisch konnte diese Produktion mit ganz hervorragenden Sänger/innen aufwarten.
Mit Diana Damrau stand eine der führenden deutschen Sopranistinnen als Feldmarschallin auf der Bühne. Sie sang die Rolle der liebenden, altersweisen und von Trauer umwehten Adeligen mit in jeder Lage perfekt geführter Stimme. Angela Brower als Octavian konnte bei Ihrem Hausdebut einen großen Erfolg feiern. Mit ihrer Mezzosopranstimme und viel Spielfreude meisterte sie überzeugend diese anspruchsvolle Partie.

Sophie: Emily Pogorelc/ Foto: Matthias Baus
Ein weiteres Rollen- und Hausdebut bot die Sopranistin Emily Pogorelc als Sophie. Sie überzeugte mit ihrer reinen Sopranstimme und liess die Duette zusammen mit Octavian zu einem der Höhepunkte dieser Aufführung werden. Mit Günther Groissböck, der die Rolle des Baron Ochs auf Lechenau zu einer seiner Paraderollen gemacht hat, stand ein Mannsbild auf der Bühne, welches sich in seiner ganzen Arroganz und Selbstüberschätzung präsentierte, aber dann im dritten Akt erfahren muss, dass Selbstüberschätzung auch ganz schnell zu sehr unangenehmen Situationen führen kann. Eine Glanzleistung.
Bo Skovhus als Herr von Faninal, Nathan Haller als Valzacchi, Christiane Kohl als Jungfer Marianne, Irène Friedli als Annina, Stanislav Vorobyov als Polizeikommissar, Johan Krogius als Haushofmeister der Feldmarschallin und Daniel Norman als Haushofmeister bei Faninal, Omar Kobiljak als ein Sänger und Rebeca Olvera als Modistin und weitere Sänger/innen, Statisten und Akrobaten bildeten das große Ensemble und machten diese Aufführung zu einem musikalischen Genuss.
Das Orchester der Oper Zürich unter der Leitung von Joana Mallwitz liess die Musiker teilweise sehr lautstark aufspielen. Dennoch gelang es der Dirigentin, auch die leisen und langsamen Feinheiten der Partitur mit viel Gefühl zum Erklingen zu bringen und das Publikum zu verzaubern. Hier wurde viel Detailarbeit geleistet und die Musiker vereinten sich zu einer eindrücklichen Leistung. Gerne begrüßt man Joana Mallwitz wieder im Opernhaus.
Die Sänger/innen wurden vom Publikum gefeiert und auch die Regie und Ausstattung wurde sehr wohlwollend aufgenommen. Man kann diese Produktion auch in der Mediathek des Schweizer Fernsehens www.srf.ch und www.arte.tv geniessen.
- Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
- Opernhaus Zürich / Stückeseite
- Titelfoto: Opernhaus Zürich/DER ROSENKAVALIER/Ensemble/ Foto: Matthias Baus
Dieser Auftritt von Angela Brower in Zürich war kein Rollendebüt! Ich habe sie als Octavian schon vor etwa acht Jahren an der Bayerischen Staatsoper erlebt und war auch damals sehr angetan von ihrem Gesang und Rollenporträt.
Vielen Dank aber auf jeden Fall für diese lesenswerte Rezension!
Beste Grüße,
Lorenz Kerscher