
Die Ankündigung im neuen Spielplan 2025/26 des Opernhauses Zürich, dass die Inszenierung der Oper „Manon“ wieder aufgenommen wird, liess Vorfreude aufkommen. Bereits 2019, als die Premiere stattgefunden hatte, konnte man sich an der in jeder Hinsicht gelungenen Inszenierung von Floris Visser kaum sattsehen. Wie in einem Film wurde die tragische Geschichte der Manon erzählt. (Rezension der WA vom 24. September 2025)
Jeder einzelne Akt ist mit der Ausstattung von Dieuweke van Reij und der Lichtgestaltung von Alex Brok eine Augenweide. Die Chorszenen, verbunden mit geschickt arrangierten Elementen, vermitteln eindrückliche, berührende Stimmungen und intime Momente. Eine hervorragende Qualität, wie sie nicht vielen Regisseuren gelingt. Diese Inszenierung fordert von den Sänger/innen nicht nur gesangliche Höchstleistungen, sondern auch großes Spieltalent. Die Choreographie stammt von Pim Veulings und wurde von Sina Friedli und Pietro Cono Genova einstudiert.

Lisette Oropesa als Manon ist großartig, sowohl stimmlich, wie auch durch ihre Interpretation der Titelfigur. Sie vermag es meisterhaft, Stimmungen wie Freude, Übermut oder Verzweiflung, dem Publikum zu vermitteln. Der in Zürich sehr beliebte Benjamin Bernheim als Le Chevalier des Grieux lässt seine wunderbare Stimme fließen und überzeugt in jeder Hinsicht. Die großen Szenen mit Manon oder seine große Arie im Kloster Saint-Sulpice bestätigen, dass er zu den derzeit ganz großen Sängerdarstellern gehört.
Das Rollendebut von Yannick Debus als Lescaut war ebenfalls ein großer Erfolg. Mit seiner Stimme und starker Bühnenpräsenz zeichnete er ein eindrückliches Porträt dieser Figur. Nicolas Testé als Le Comte des Grieux, der Vater des jungen Chevalier, überzeugte mit edlem Bass-Bariton und eleganter Erscheinung.

Die zwei ebenfalls um Manon buhlenden Männer Guillot de Morfontaine, gesungen von Daniel Norman und De Brétigny, gesungen von Andrew Moore gaben ebenfalls ihr Rollendebut und liessen stimmlich, wie auch darstellerisch keinerlei Wünsche offen. Die drei leichten Damen, gesungen von Yewon Han als Poussette, Rebeca Olvera, als Javotte und Karima El Demerdasch, als Rosette, belebten ihre Szenenauftritte mit starker Präsenz und einer erfrischenden Harmonie ihrer Stimmen.
Valeriy Murga als L‘Hôtelier, Tomislav Jukic und Samuel Wallace als Deux Gardes, sowie die Tänzer/innen Pietro Cono Genova, Sina Friedli, Riccardo Duse, Lilla Figura, Gina Keller, Gioia Stehli und Greta Daum, komplettierten dieses perfekte Ensemble.
Die Musiker/Innen des Orchesters der Oper Zürich unter der Leitung von Sesto Quatrini waren in ihrem Element. Der Dirigent führte des Orchester gefühlvoll durch alle Stimmungen dieser wunderbaren Musik und zauberte einen Hörgenuss erster Güte in den Saal. Ebenfalls der von Ernst Raffelsberger gut einstudierte Chor der Oper Zürich zeigte eine eindrückliche Leistung. Der Statistenverein am Opernhaus Zürich ergänzte die Aufführung und trug das seinige zum großen Erfolg des Opernereignisses bei.
An diesem Abend stimmte einfach alles und dementsprechend wurde das ganze Ensemble am Ende der Aufführung durch die Zuschauer bejubelt und mit vielen Bravos belohnt. Man kann jedem Opernfreund den Besuch dieser außerordentlichen Aufführung bestens empfehlen. Weitere Vorstellungen am 03/07/10 Oktober 2025.
- Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
- Opernhaus Zürich / Stückeseite
- Titelfoto: Opernhaus Zürich/MANON/Foto: Herwig Prammer