Oper Dortmund: DER GESTIEFELTE KATER – Premierenbericht – Für alle großen und kleinen Kinder

 

Ileana Mateescu (Kater), Lucian Krasznec (Müllerssohn)  ©Thomas M. Jauk / Stage Picture
Ileana Mateescu (Kater), Lucian Krasznec (Müllerssohn)
©Thomas M. Jauk / Stage Picture

Die Märchenoper „Der gestiefelte Kater“ des katalanischen Komponisten Xavier Montsalvatge hat jetzt als Koproduktion ihren Weg von Düsseldorf/Duisburg nach Dortmund gefunden und soll auch noch irgendwann weiter nach Bonn gereicht werden.

Ein absolut lobenswertes Unterfangen, denn die Zielgruppe junger Menschen reist bekanntlich nicht den Opern hinterher, so wird es möglich diese äußerst opulent ausgestattete Aufführung einem möglichst großem Publikum zugänglich zu machen, zumal in der groß orchestrierten Version, wie sie zum Beispiel an der Kölner Kinderoper nicht gegeben werden kann.

Für Dortmund ein besonders zusätzliches Verdienst, denn die Metropole besitzt ja selbst eine kleine Kinderoper mit intimem Rahmen. So wird jetzt auch das wahrlich „Große Haus“ für das „kleine Publikum“ geöffnet, so lernen die Kinder auch die großen Dimensionen eines echten Opernhauses kennen. Und die Kinder waren mit ihren Begleitpersonen auch zahlreich zur Premiere erschienen.

Montsalvatges rund einstündige Oper erzählt das Märchen vom Gestiefelten Kater in einer leicht fasslichen Melodik voll spätromantischem Klang und feinen impressionistischen Orchesterfarben, immer wieder werden einfache musikalische Formen, Arien und Duette in durchaus kinderliedhaftem Duktus herausgestellt. Svenja Tiedt hat das in abwechslungsreiche Bilder mit modernen Anspielungen umgesetzt; schon die Vorgeschichte wird mittels eines Animationsfilmes dargestellt, ein Stilmittel welches immer wieder zum Einsatz kommt.

Ileana Mateescu (Kater), Melanie Lang (Prinzessin), Thomas Günzler (König), Statisterie  ©Thomas M. Jauk / Stage Picture
Ileana Mateescu (Kater), Melanie Lang (Prinzessin), Thomas Günzler (König), Statisterie
©Thomas M. Jauk / Stage Picture

Ein besonderes Verdienst kommt der großartigen Ausstattung von Tatjana Ivschina zu, denn die schnellen, wahrlich verzaubernden Bühnenverwandlungen, die phantasievollen Kostüme, besonders schön der angeschimmelte Hofstaat und die Hip-Hop-Hasen, lassen bei den, manchmal doch recht ungeduldigen „Kleinen“ keine Langeweile aufkommen. Modern auch die Umwandlung des Zauberers in einen verrückten Wissenschaftler, warum der im Programmheft das Monster genannt wird, erschließt sich mir nicht ganz.

Michael Hönes begleitet am Pult der tadellos aufspielenden Dortmunder Philharmoniker die Sänger auf der Bühne möglichst durchsichtig, damit viel Text verstanden wird, obwohl die deutsche Übersetzung durchaus noch nachbesserungswürdig ist.

Lucian Krasznec (Müllerssohn), Ileana Mateescu (Kater)  ©Thomas M. Jauk / Stage Picture
Lucian Krasznec (Müllerssohn), Ileana Mateescu (Kater)
©Thomas M. Jauk / Stage Picture

Die Sänger sind allesamt mit sichtlich viel Spaß bei der Sache, sich dabei der Ernsthaftigkeit und Wichtigkeit solch einer Produktion durchaus bewußt. Ileana Mateescu mit beweglichem Mezzo und ebensocher Spielastik bei viel Gemaunze ist in der Titelpartie der absolute Sympathieträger. Lucian Krasznec aparter Tenor fiel schon mit Donizettis Nemorino positiv auf und punktet mit Stimme und jugendlicher Erscheinung als Müllerbursche.

Praktisch an der Weiterverwendung dieser Produktion innerhalb der kurzen Wege ist die Ersetzbarkeit der Partien im Krankheitsfall, so rettet Melanie Lang von der Rheinoper für die erkrankte Anke Briegel als Prinzessin die Premiere und erfreut mit großer vokaler, wie szenischer Präsenz.

Thomas Günzlers Königvater erinnert ein wenig an Pippi Langstrumpfs Piratenpapa, Sangmin Lee läßt als schräger Wissenschaftler/Monster/Zauberer ordentlich die basssatte „Sau“ heraus. Die Hip-Hop-Hasen, eine Katzengeliebte, wie weiteres Statistenpersonal gefallen und beleben die abwechslungsreichen Bilder. Am Ende großer Applaus und viele strahlende Augen bei kleinen, wie großen Kindern.

Premierenbericht vom 25.05.13

Martin Freitag – Redaktion Der Opernfreund

Herzlichen Dank an meinen Kollegen von DerOpernfreund.de

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