
Mit einem ganz der amerikanischen Musik gewidmeten Programm wartete das Zürcher Kammerorchester am Neujahrstag in der ausverkauften Tonhalle Zürich auf und begrüßte damit den ersten Tag des neuen Jahres mit viel Schwung und großartigen Solisten. Der Music Director Daniel Hope liess es sich nicht nehmen, selbst in das Programm einzuführen und es mit kurzen Episoden zu bereichern.
Den Anfang machte das von Aaron Copland komponierte „Hoe-Down“ aus „Rodeo für Streichorchester“. Bereits hier konnte man die Energie spüren, welche den ganze Abend zu einem Hörgenuss machte. Jessie Montgomery, geboren 1981, gehört zu den beliebtesten jungen amerikanischen Komponistinnen. Dargeboten wurde ihre interessante Komposition „Starbust“, ein kurzes rasantes Werk für Streichorchester.
Es ist äußerst selten, dass aus Leonard Bernsteins „West Side Story-Suite“ ein Stück bearbeitet und aufgeführt werden darf. Für das Zürcher Kammerorchester konnte dies aber verwirklicht werden und so erklang „America“ in der Bearbeitung für Violine und Streichorchester von Paul Bateman und erzielte auch in dieser Fassung genau die Wirkung bei den Zuhörern, welche diese Musik immer wieder aufs neue auslöst. Florence Price „Adoration“, ursprünglich für Orgel komponiert, in der Bearbeitung von Paul Bateman für Violine und Streichorchester, ist ein zauberhaftes, gefühlvolles Werk und sorgte für einen kurzen besinnlichen Moment in diesem Konzert.

Man muss in Zürich den weltberühmten Bariton Thomas Hampson nicht mehr vorstellen, ist er doch seit Jahrzehnten immer wieder in Zürich zu hören und erfreut sich großer Beliebtheit. Als erstes sang er von Stephen Foster „Beautiful Dreamer“ in einer Bearbeitung von Stephen Buck für Violine, Bariton und Streichorchester. Was für ein wunderbarer Song.
Es folgte ein Medley mit Musik von Harold Arlen, bearbeitet für Violine, Bariton und Streichorchester von Paul Bateman. „Somewhere Over the Rainbow, Let‘s Fall in Love, „I‘ve Got the World on a String“. Obwohl Thomas Hampson mit einer leichten Indisponierung zu kämpfen hatte, ließen diese Interpretationen zusammen mit Daniel Hope das Publikum in der Nostalgie schwelgen.
Nach der Pause kam die faszinierende „Vertigo-Suite“ von Bernard Herrmann, ebenfalls in der Bearbeitung von Paul Bateman, für Klavier, Perkussion, Violine und Streichorchester zur Aufführung. Hier kamen die beiden Instrumental-Solisten des Abends Johannes von Ballestrem, Klavier und Dimitri Monstein, Schlagzeug zum Einsatz und es entstand eine fulminante Interpretation dieser Suite. Kurt Weill erlangte mit seinen Songs Weltruhm. Thomas Hampson war hier ganz in seinem Element und sang ein Medley „Speak Low“, „It Never Was You“, „Westwind“ und das berühmte „Mack the Knife“. Was für ein Zusammenspiel mit Daniel Hope und dem Zürcher Kammerorchester. Großartig.
Die grandiose „Song-Suite“ von George Gershwin in einer Bearbeitung für Violine, Jazz-Trio und Streichorchester von Paul Bateman krönte dieses außergewöhnliche Konzert.
Johannes von Ballestrem am Klavier und Dimitri Monstein am Schlagzeug und Seon-Deok Baik am Kontrabass ließen diese halbe Stunde zu einem umwerfenden Erlebnis werden. Was für eine Beherrschung der Instrumente, was für ein Sound. Man kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Daniel Hope, ein Meister seines Instruments und sein Zürcher Kammerorchester präsentierten mit diesem kurzweiligen Programm einen Abend höchster musikalischer Klasse. Das Publikum war aus dem Häuschen und belohnte die Mitwirkenden mit vielen Bravos.
Als Zugabe wurde dann „Mambo“ von George Gershwin aus der West Side Story gespielt und sorgte für einen beschwingten Abschluss dieses wirklich beindruckenden Abends.
- Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN
- Zürcher Kammerorchester
- Titelfoto: Zürcher Kammerorchester /Neujahrskonzert 2026/ Foto: ZKO/Michel Bumann (Daniel Hope/Johannes von Ballestrem/Seon-Deok Baik und Dimitri Monstein)
Wie gerne hätte ich das miterlebt!