Mailänder Scala/ IL PIRATA/Foto @ Josef Fromholzer-DAS OPERNMAGAZIN

Nach Maria Callas: Vincenzo Bellinis „IL PIRATA“ an der Mailänder Scala

Mailänder Scala/ IL PIRATA/Foto @ Josef Fromholzer-DAS OPERNMAGAZIN
Mailänder Scala/ IL PIRATA/Foto @ Josef Fromholzer-DAS OPERNMAGAZIN

Im Mai 1958 hatte die letzte Produktion von Vincenzo Bellinis dritter Oper, IL PIRATA, Premiere am Teatro alla Scala in Mailand – mit Maria Callas in der Rolle der Imogene. Jetzt, im Sommer 2018, ist es wieder so weit: es gibt eine Neuproduktion, mit der bulgarischen Sopranistin Sonya Yoncheva in der Callas-Rolle.

 

Doch Callas ist überpräsent; das merkt sogleich der Käufer des dicken und teuren Programmbuchs zur Neuproduktion. Darin sind fast so viele Aufführungsfotos aus dem Jahr 1958, wie zur IL PIRATA Produktion 2018. Auch im Jahr 2018 ist es in Mailand eine klassische, konservative Operninszenierung geworden – etwas zeitloser, als es die Bilder von ’58 zeigen, aber eben nicht ganz ein Luc Bondy (z.B.), der perfekt im Theater diese zeitlosen Zwischenwelten beherrschte. Den Regisseur, Emilio Sagi, kennt man in Deutschland nicht. Eine leere, verspiegelte Bühne, viel Licht und Kostüme, die an das 19. Jahrhundert erinnern, dominieren die Optik der Aufführung. Es könnte für dieses Werk, an diesem Ort, gar nicht besser sein. Nichts stört den Belcanto-Rausch. Keine billige Politisierung und keine billige Aktualisierung!

Sonya Yoncheva Pressefoto 1 2018/Verdi Album/Foto @ Kristian Schuller/Sony Classical
Sonya Yoncheva /Pressefoto 1 2018/Verdi Album/Foto @ Kristian Schuller/Sony Classical

Sonya Yoncheva wird beklatscht  (schon während der Aufführung), sowohl von ganz oben, von der ersten und zweiten Galerie aus, als auch vom Parkett und den Logen aus. „Sonya ! Sonya !“ – Rufe immer wieder. Es ist eine italienische Aufführung durch und durch, auch musikalisch – (dirigiert von Riccardo Frizza). Italianata in der Musik………….. An Sonya Yonchevas Seite sind der Tenor Piero Pretti und der Bariton Nicola Alaimo. Bei der Vorstellung am 06.07. musste Pretti seine strahlende, kräftige Tenor-Stimme nach der Pause etwas zurücknehmen, da er sich im ersten Akt der Oper bei einem Sturz auf der Bühne verletzt hatte – und dadurch im zweiten Akt fast ausschließlich im Sitzen singen musste. Dazu gab es eine Ansage vom Intendanten Alexander Pereira, der vom Publikum einen „warmen Applaus“ für den Tenor einforderte (den er auch am Ende bekommen hatte).

Nicola Alaimo, als Ernesto, hat eine klassische italienische Baritonstimme – so klassisch, dass man es sich kaum vorstellen kann, Alaimo könnte andere Opern, in anderer Sprache singen. Nicola Alaimo hat auch schon 2013 bei Opera Rara die Titelrolle in Donizettis „Belisario“ gesungen.

Mailänder Scala/ IL PIRATA/Foto @ Josef Fromholzer-DAS OPERNMAGAZIN
Mailänder Scala/ IL PIRATA/Foto @ Josef Fromholzer-DAS OPERNMAGAZIN

Am Ende der Aufführung werden alle groß gefeiert, einzelne Buhs natürlich immer einmal dazwischen, aber diese kaum vernehmbar. IL PIRATA an der Scala – ein musikalisch rauschhafter Abend. Die Reise nach Mailand hat sich gelohnt. Ungekürzt oder fast ungekürzt, im Jahr 2018. Die reine Spielzeit an der Scala betrug gut 150 Minuten (Pause nicht eingerechnet). Die Aufführung mit Maria Callas aus Mailand ist zwar nicht dokumentiert, aber es gibt mit der Callas eine Live-Aufnahme aus New York, von 1959. Und diese Aufnahme hat nur eine Spielzeit von 117 Minuten, war damals also extrem gekürzt (wie so viele Belcanto-Opern in diesen Jahren).

Ein Nebeneffekt am Rande: nun ist plötzlich die einzige Studiokomplettaufnahme von IL PIRATA, von Opera Rara, nicht mehr lieferbar. Viele Besucher scheinen doch von der Schönheit dieser unbekannten Oper überrascht worden zu sein.

 

Besuchte Vorstellungen: 06. und 09.07.2018

DAS OPERNMAGAZIN-Rezension von Josef Fromholzer

 

  • Titelfoto: Mailänder Scala/ IL PIRATA/Foto @ Josef Fromholzer-DAS OPERNMAGAZIN

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