Ich vermisse meine Oper!

 

Detlef Obens/DAS OPERNMAGAZIN/ Foto @ Jan-Philipp Behr

Und wieder so ein Wochenende, an dem zwar Operntermine auf meinem DAS OPERNMAGAZIN-Terminplaner standen, aber ich realisieren musste, dass zur Zeit nichts stattfindet. Und wieder die gleiche traurige Aussicht auf die nächsten Wochenenden, wo es vermutlich nicht anders aussehen wird…

 

 

 

 

Als jemand, der seit über 40 Jahren dem Musiktheater leidenschaftlich und von Herzen verbunden war und ist, fällt es schwer sich in dieser Zeit damit zu arrangieren, dass einfach so gar nichts mehr geht.

Natürlich ist auch mir klar, dass wir alle gefordert sind, dieser Pandemie zu trotzen. Zu trotzen auch zwangsläufig damit, Liebgewonnenes – wie es die Oper nun mal auch ist – nicht in der Weise nachzukommen, wie wir es nur allzu gern möchten. Die Schließungen der Theater sind in erster Linie für die vielen Künstlerinnen und Künstler ein Desaster. Ein Desaster nicht nur in finanzieller Weise. Es ist viel mehr: diese künstlerische Arbeit, die sie alle so lieben und für die sie alle leben, nicht ausführen zu dürfen. Von einem Tag auf den anderen den Vorhang auf unbestimmte Zeit fallen zu sehen, tut einfach auch ziemlich weh.

Aber auch wir, die wir die Oper – das Musiktheater – lieben, vermissen auf einmal alles, was sonst so normal und alltäglich war. Das Virus lehrt uns das vieles im Leben eben nicht „normal und alltäglich“ ist. Denn erst, wenn wir etwas nicht mehr haben, beginnen wir es zu vermissen – und beginnen es auch noch mehr wertzuschätzen.

Staatsoper Hamburg/Innenraum/Foto @ Niklas Marc Heinecke

Die vielen angebotenen Videos, gleich ob sie aus Wohnzimmern oder aus Theatern kommen, können einfach nicht ersetzen, was es bedeutet in einem Sessel in einem Theater zu sitzen: Das Programmheft in der Hand, der Moment wenn langsam das Saallicht ausgeht und der Dirigent oder die Dirigentin den Orchestergraben betritt. Wenn dann dieser erste Applaus einsetzt und Sekunden später die Musik erklingt, sich gleichzeitig der Vorhang öffnet und das Stück beginnt und man sich völlig der Kunst hingeben kann. Dem allem wohnt so viel Zauber inne!

Sicher, wir werden das alles wieder erleben. Die Oper, die Kultur, hat schon so vieles überstanden und überlebt. Aber im Moment ist sie verstummt und keine Vorhänge heben sich. Und wir alle, die ganze Gesellschaft, bringen viele Opfer. Opfer in der großen Zuversicht, dass sich Besserung einstellt, dass die Infektionszahlen sinken, die Medizin deutliche Fortschritte macht, dass Lockerungen stattfinden und das wir unser „normales und alltägliches“ Leben zurückbekommen.

Der Verzicht auf so Vieles eint uns. Und er schärft auch unseren Blick auf das Wesentliche. Dazu gehört für jeden Menschen die Gesundheit. Die eigene und die seiner Lieben. Und die Bekämpfung dieser Pandemie. Dieses Ziel werden wir erreichen. Davon bin ich überzeugt. Der Weg dahin wird weiter beschwerlich und für viele Menschen auch behaftet von Entbehrungen sein. Dennoch bleibe ich zuversichtlich, dass dieses Jahr 2020, (frei nach Queen Elisabeth II für mich ein „Annus horribilis“) auch sein Ende am Silvesterabend finden wird und das es einen Übergang in ein für uns alle besseres und fröhlicheres 2021 gibt. 

Heute ist wieder so ein Tag an dem ich an die vielen, vielen erlebten Aufführungen der letzten Jahrzehnte denke und wo ich mich so sehr mit allen Künstlerinnen und Künstlern verbunden fühle. Ein Tag, an dem ich wieder einmal voller Dankbarkeit für Ihre/Eure Leistungen auf allen Bühnen der Welt bin und wo ich einfach aus tiefster Überzeugung schreibe:

Ich vermisse Euch alle – ich vermisse meine Oper! Und – bis bald!

 

  • Persönlicher Dank an alle Künstlerinnen und Künstler von Detlef Obens/Herausgeber DAS OPERNMAGAZIN

 

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