Händel-Festspiele Halle: Festkonzert mit Dorothee Oberlinger und Andreas Scholl

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Festkonzert mit Dorothee Oberlinger und Andreas Scholl „Arie e Concerti Napoletane“

28.05. bis 13.06.2021 – Händel-Festspiele Halle/Saale

 

Während der Zeiten (28. Mai bis 13. Juni 2021), in denen, gäbe es keine Corona-Pandemie, die Händel-Festspiele in Halle (Saale) live stattgefunden hätten, sind zahlreiche Händel-ehrende Online-Streams über die Website der Händel-Festspiele (https://haendel.digital/) verfügbar. Sie stehen in diesem Jahr unter dem Motto „Helden und Erlöser“.

Residenzschloss Arolsen/Foto @ Von Franzfoto – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0,

Am Mittwoch, den 9. Juni 2021 wäre um 17 Uhr und 20 Uhr das Konzert „Arie e Concerti Napoletane“ mit Blockflötistin Dorothee Oberlinger, Countertenor Andreas Scholl und dem Ensemble 1700 in der Konzerthalle Ullrichskirche erklungen. Durch die Absage der Händel-Festspiele wurde das Konzert ins Virtuelle verlegt. Es erklang als Gemeinschaftsproduktion der Händel-Festspiele Halle (Saale) mit den Arolser Barock-Festspielen.

Blockflötistin und Musikalische Leiterin Dorothee Oberlinger, Countertenor Andreas Scholl und das Ensemble 1700, bestehend aus Evgeni Sviridov, Jonas Zschenderlein (Violinen), Gabrielle Kancachian (Viola), Marco Testori (Violoncello), Kit Scotney (Kontrabass), Axel Wolf (Laute), Olga Watts (Cembalo), nahmen das Konzert im Mai 2021 im prunkvollen Steinernen Saal im Residenzschloss Arolsen in geeigneter Akustik auf. Die schwarzgekleideten Interpreten kamen in dem prunkvollen mit üppigen Kronleuchtern verzierten Saal bestens zur Geltung.

Nach einer kurzen freundlichen Ansprache von Dorothee Oberlinger, die Georg Friedrich Händel „als Herzenskomponist“ bezeichnete und ihn „wahnsinnig gern mal auf einen Wein treffen würde“, setzte das virtuose Barockkonzert ein. Es erklangen Musikstücke und Arien von Alessandro Scarlatti, Leonardo Leo, Georg Friedrich Händel, Francesco Mancini, Nicola Antonio Porpora und Domenico Natale Sarro.

Dorothee Oberlingers Blockflötenspiel, – die Flöte wurde zur Primadonna -, überschwebte in großer Leichtigkeit hell und klar das Ensemble, von bestechender Klangschönheit und virtuosen Koloraturen in höchster Perfektion, ist aber auch zu eindrücklicher Schwermut fähig. Ihr intensives, gefühlvolles Spiel kam der menschlichen Stimme, als dem höchsten aller Instrumente, sehr nahe. Countertenor Andreas Scholls schwebende, leichte Altstimme, der Händel als den „größten Stimmenversteher im Barock“ benannte, mit seinen eindrucksvollen Koloraturen, erweckte beweglich und technisch sicher barocke Musik zu neuem Leben. Das Ensemble 1700 sorgte in historisch fundierter Aufführungspraxis mal für locker, beschwingtes Spiel, dann für langsam-nachdenkliche Passagen, in reinem Wohlklang des Zusammenspiels. Überhaupt zeigt sich die Verknüpfung von Blockflöte und hoher Gesangsstimme als ideale Kombination.

Einziges Manko: Es fehlten sämtliche Untertitel zu den Barockarien, das hätte dem Verständnis sehr auf die Sprünge geholfen, wie auch sämtliche Titelangaben. Alle Aufnahmen wurden aus der gleichen Perspektive vorgenommen, sie wiesen keine Kameraschwenks oder Nahaufnahmen auf, wodurch mimische Regungen der Interpreten im Unklaren bleiben mussten. Mehr videotechnische Vielfalt könnte das wunderbar musizierte Konzert zusätzlich beleben und auflockern.

Ein inniges auf intimste Regungen fokussiertes Konzert, das ein zartes Seelenbild der Empfindungen zu erzeugen vermochte. Im Sinne Andreas Scholls Aussage „Musik ist die Medizin für unsere Seele“, sei das Konzert allen wärmstens ans Herz gelegt!

 

  • Rezension von Dr. Claudia Behn / Red. DAS OPERNMAGAZIN
  • Händel-Festspiele Halle
  • Titelfoto: Händel-Haus/Foto: Thomas Ziegler

 

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