Frischluft Festival: Begeisterung für „WALKÜRE“ -1. Akt- in Offenburg

Frischluft und Musik Festival Ortenau/WALKÜRE/Offenburg/Michael Güttler

„Wagner – Walküre – Wahnsinn“: Die Premiere mit Michael Güttler und dem „Frischluft-Festivalorchester“ in der Offenburger Oberrheinhalle war ein voller Erfolg. Man wünscht sich mehr davon. Der erste Aufzug von Wagners „Walküre“ begeistert das Publikum in der Oberrheinhalle. Die drei Solisten und das von Michael Güttler geleitete „Frischluft-Festivalorchester“ ernten sehr viel Beifall für eine konzertante Aufführung, die einfach nur Lust auf mehr macht. (Aufführung vom 24. Juli 2021)

 

 

Man will nach einer Pause zurückkommen und tiefer eintauchen in den musikalischen Kosmos von Richard Wagner, mit den Akteuren auf der Bühne den Faden weiterspinnen, die Rosse satteln für den berühmten Ritt der Walküren.

Hohe Messlatte

Frischluft und Musik Festival Ortenau/WALKÜRE/Offenburg/Günther Groissböck

Die anvisierte Grundsteinlegung für ein hochkarätiges Klassikfestival in der Ortenau ist definitiv geglückt, der dargebotene Appetithappen war am Ende aber viel zu schnell verspeist. Was bleibt, ist die Erinnerung an eine beeindruckende Aufführung, die Hoffnung, dass es tatsächlich der erste Schritt war für die Bewältigung einer Langstrecke, wie Initiator Michael Güttler im Programmheft betont.

Die beiden Aufführungen am Samstag und Sonntag (24./25.07.21) haben die Messlatte für zukünftige Projekte aber auch sehr hoch angelegt.

Frischluft und Musik Festival Ortenau/WALKÜRE/Offenburg/Cornelia Beskow

Das rund 75 Köpfe zählende „Frischluft Festivalorchester“ hat Wagners hochdramatische Musik in einen Sinnesrausch verwandelt, ihre viel beschworene Kraft und Dramatik eindrucksvoll herausgearbeitet. Eine Offenbarung waren die Stimmkraft der schwedischen Sopranistin Cornelia Beskow (Sieglinde), der dunkel und erdig grollende Bass des österreichischen Opernstars Günther Groissböck, der am Samstagabend in Offenburg als „Hunding“ brillierte, am Samstagvormittag aber auf dem heiligen Hügel in Bayreuth den „Wotan“ in der dortigen Inszenierung der „Walküre“ hingeschmissen hat. Dazu gesellte sich der lyrische Tenor des Russen Viktor Antipenko (Siegmund), ein weiteres Schwergewicht der internationalen Opernszene.

Offenburg hat für 75 Minuten in der ersten Liga gespielt, das Publikum der beiden, mit jeweils rund 250 Zuhörern nahezu ausverkauften, Vorstellungen wurde im wahrsten Sinne des Wortes beglückt.

Frischluft und Musik Festival Ortenau/WALKÜRE/Offenburg/Viktor Antipenko

Im Foyer hat die Hornklasse der Musikkochschule Karlsruhe mit Bearbeitungen von Orchesterstücken Richard Wagners eine erste Duftmarke gesetzt. Mit den dramatischen ersten Takten der „Walküre“ tauchte das Publikum in einen Sog, einen musikalischen Mahlstrom ein: die Begegnung der Geschwister, die sich nicht erkennen, das Auftreten von „Hunding“, das hell lodernde Verlangen, das „Siegmund“ und „Sieglinde“ wider allen Gesetzen zusammenführt.

Eine schnelle Umarmung, ein Kuss und ein fliegender Abgang des Paares, ein donnerndes Finale des von Michael Güttler mit viel Engagement und Fingerspitzengefühl geführten Orchesters – das alles war berauschend. Der Applaus brandete durch die Halle, die Beifallrufe hallten aus den Reihen der Zuhörer.

Geht es weiter?

Der auf dem Programm abgedruckte Titel „Wagner – Walküre – Wahnsinn“ wurde mit Leben erfüllt und doch bleibt die bange Frage, wie es weitergehen wird. Findet Offenburg, die Ortenau, im kommenden Jahr noch Platz für ein derartiges Ereignis in dem dann vielleicht wieder prall gefüllten Terminkalendern der beteiligten Akteure? Werden sich andere finden, die auf einem ähnlichen Niveau in die Bresche springen?

Wird Michael Güttler überhaupt die Zeit finden, das angestoßene Projekt fortzuführen? Man wünscht es sich.

 

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