«ALTER SCHÜTZT VOR TORHEIT NICHT» – „DON PASQUALE“ im Opernhaus Zürich

Opernhaus Zürich/DON PASQUALE/ Johannes Martin Kränzle/ Foto @ Monika Rittershaus

Als 1843 die Uraufführung von «Don Pasquale» im Théatre-Italien in Paris stattfand, war Donizetti bereits von seiner Krankheit gezeichnet. Nach dieser Oper folgten nur noch zwei weitere Werke. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er dann in einer Klinik bei Paris und in Bergamo, wo er 1848 starb. Don Pasquale wird allgemein als eine erheiternde Komödie wahrgenommen. Bei genauerem Hinsehen ist sie allerdings eine gar nicht so fröhliche Geschichte, wird da doch ein älterer Mann von seinem Umfeld ganz gehörig an der Nase herumgeführt. Dies begründet auch die Bezeichnung «Dramma buffo» welche der Komponist für dieses Werk gewählt hatte. (Rezension der Premiere v. 8.12.2019

 

Der alternde Don Pasquale plant für seinen Neffen Ernesto eine einträgliche Vermählung mit einer angesehenen Dame. Ernesto jedoch liebt Norina, eine junge Witwe ohne Vermögen und weigert sich vehement, die ihm angetragene Frau zu ehelichen. Um nun sein Erbe zu retten, beschliesst Don Pasquale, selbst eine junge Frau zu heiraten. Dr. Malatesta, ein sich ins Vertrauen von Don Pasquale eingeschlichener Arzt, welcher mit Ernesto und Norina befreundet ist, präsentiert umgehend die gewünschte Schönheit Sofronia, welche jedoch Norina selbst ist. Don Pasquale informiert Ernesto über seine Absicht und setzt den Neffen vor die Türe.

In seiner Verzweiflung, nun ein armer Mann zu sein, verabschiedet er sich in einem Brief von Norina, denn er hat ihr ja nichts mehr zu bieten. Norina ist schockiert, besonders als sie erfährt, dass Malatesta seine Schwester dem alten Pasquale vermitteln will, hat sie doch bisher Malatesta stets vertraut. Malatesta klärt jedoch umgehend dieses Missverständnis. Norina selbst soll diese Schwester spielen und der Cousin von Pasquale, Carlotto, soll den vermeintlichen Notar darstellen, der diese Scheinhochzeit besiegeln muss.

Der Plan, Don Pasquale zuerst eine scheue, gerade aus dem Kloster kommende Frau zu präsentieren, welche sich jedoch sofort nach der Hochzeit als eine herrische, fordernde Dame entpuppen und dem alten Herrn das Leben zur Qual werden lassen sollte, geht auf. Ernesto, der zufällig bei der Vertragsunterzeichnung im Haus auftaucht und bis dahin nichts von dieser Intrige mitbekommen hatte, erkennt seine Rolle in dieser Komödie und spielt mit. Nach kürzester Zeit hat Don Pasquale nur noch einen Wunsch: die Scheidung. Nach einem weiteren Verwirrspiel fallen die Masken und Don Pasquale ist mit der Heirat von Norina und Ernesto einverstanden.

Opernhaus Zürich/DON PASQUALE/v.l. Julie Fuchs, Lei,Shushakov,Kränzle, Murphy/ Foto @ Monika Rittershaus

Christof Loy hat zusammen mit dem Bühnenbildner Johannes Leiacker eine Inszenierung geschaffen, welche, fern von übertriebenem Klamauk, die einzelnen Figuren hervorragend zur Geltung bringt und es schafft, dass man trotz vielen Lachern die Tragik des geprellten Don Pasquale erkennt und mit ihm Mitleid hat. Der Bühnenraum überzeugt durch die Schlichtheit und gibt den Sängern die Möglichkeit, sich in weiten Räumen zu entfalten. Nur wenn die Situation intimer wird, senkt sich eine Wand und man ist ganz auf die einzelnen Figuren konzentriert. Die Kostüme von Barbara Drosihn passen hervorragend in dieses Ambiente. Jede einzelne Rolle ist bestens herausgearbeitet und man spürt, welchen Spass die Sänger an dieser Aufführung haben.

Enrique Mazzola, der Dirigent der Aufführung, hat sich mit dem Werk besonders intensiv auseinandergesetzt und sich ganz auf die Originalpartitur konzentriert. Im Laufe der Jahrhunderte wurden viele Änderungen vorgenommen, um dem jeweils aktuellen Stil des Gesangs zu entsprechen, oder einzelnen Sängern, welche mehr Effekte erzielen wollten gerecht zu werden. Nun erleben wir hier diese Oper genau so, wie sie wohl an der Uraufführung geklungen haben mag. Die Philhamonia Zürich folgte der Idee Ihres Dirigenten und spielte äusserst präzise und konzentriert. Eine tolle Leistung.

Opernhaus Zürich/DON PASQUALE/Julie Fuchs u. Johannes Martin Kränzle/ Foto @ Monika Rittershaus

Was für ein Glück für Zürich, mit Johannes Martin Kränzle, einen schlicht umwerfenden Don Pasquale auf der Bühne zu haben. Selten wird diese Partie derart authentisch dargestellt und gesungen. Kränzle kann alle Facetten dieses Mannes aufleuchten lassen und ist gesanglich und schauspielerisch überzeugend. Ein perfekt gelungenes Rollendebut.

Julie Fuchs als Norina fühlte sich in Ihrer Rolle derart wohl, dass man nicht auf den Gedanken gekommen wäre, dass dies ihr Rollendebut war. Sie meisterte diese anspruchsvolle Partie mit vollem Einsatz und begeisterte das Publikum mit einer hervorragenden Leistung.

Mingjie Lei als Ernesto, gab sein Hausdebut. Dieser junge Tenor aus China sang mit voller Stimme den bangenden Liebhaber. Die Stimme dürfte wohl im Verlaufe der Aufführungsserie und nach dem Premierendruck noch freier werden und man darf auf die weitere Entwicklung dieses Sängers gespannt sein. Mit Konstantin Shushakov als Dr. Malatesta, stand ein smarter Strippenzieher auf der Bühne, welchem man die ganze Intrige sofort zutraute. Auch er sang und spielte diese Partie mit vielen Nuancen und konnte im großen Duett mit Don Pasquale ein Highlight des Abends darbieten.

Opernhaus Zürich/DON PASQUALE/ Johannes Martin Kränzle, Chor u. Ensemble/ Foto @ Monika Rittershaus

Dean Murphy als Carlotto, zeigte sich als vermeintlicher Notar und attraktiver Macho. Als Dienerschaft ergänzten Ursula Deuker, David Földszin und R.A. Güther das Ensemble.

Der von Ernst Raffelsberger einstudierte Chor der Oper Zürich, sang einmal mehr mit großer Präzision und Spielfreude.

Das Publikum liess sich von dieser Aufführung mitreißen und amüsierte sich bestens. Viele Bravos und langer Applaus belohnten alle Mitwirkenden für diese Leistung.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Opernhaus Zürich / Stückeseite
  • Titelfoto: Opernhaus Zürich/DON PASQUALE/Julie Fuchs u. Johannes Martin Kränzle/ Foto @ Monika Rittershaus

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