Werke von Vivaldi und Piazzolla – Das Kammerorchester der Neuen Philharmonie Hamburg

Neue Philharmonie Hamburg/Konzertfoto @ Hauke Hille

Vivaldis „Le quattro stagioni“ in Ergänzung mit argentinischen Tangoklängen von Astor Piazzola – ein Hörgenuss erster Güte!

Durch den Abend führte Tigran Mikaelyan, der Gründer und Leiter der Neuen Philharmonie Hamburg. (Bericht des Konzertes v. 7.12.2019)

 

 

Programm:

Antonio Vivaldi: Le quattro stagioni / Die vier Jahreszeiten op. 8 und Astor Piazzolla: Las cuatro estaciones porteñas / Fassung für Orchester

Es war ein ausgesprochenes Vergnügen, diesen Abend erleben zu dürfen. Die beiden Solisten Edouard Tachalow und Michael Dolak gehören zu den Besten ihres Faches und waren mit Humor, Temperament und absolutem Können präsent!

Die vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi wurden mit verschiedenen Geigen vorgetragen, jede Jahreszeit erklang somit hörbar differenzierter, als man es vielleicht gewohnt war von Platte, CD oder einem anderen Konzert. Die Qualität der Melodien, Klänge waren für die Zuhörer gut erkennbar, die Instrumente wurden perfekt gespielt vom kleinen Teil des Kammerorchesters, sodass diese besonderen Geigen wunderbar hervortraten und die Hauptrolle spielten.

Der Frühling „La primavera“ wurde vorgetragen mit einer Geige von Giuseppe Guadagnini von 1782 so leicht und fröhlich erklang die wohlbekannte Melodie, man meinte, die Vögel zwitschern zu hören und ein leichtes Wasser plätschern, die Töne perlten aus der Violine hervor und verzauberten das Publikum. Der Sommer „L´estade“  erklang durch die Geige von Ladislav Prokop von 1870 wunderbare warme Töne mit Gefühl und Tiefe erschollen durch die Hand von Edouard Tachalow, er war mit dem Herzen dabei und bescherte den Zuhörern einen Genuß, man spürte die Hitze des Tages und zugleich die leichte Brise in den Abendstunden eines Sommers, einige Zuhörer hatten die Augen geschlossen und nahmen die Stimmung gern auf.

Der Herbst „L´autunno“ wurde gespielt mit dem Instrument erbaut von Antonio Capella von 1975 hier war Temperament und heftigeren Klänge zu hören! Leichtes Blätterrauschen wechselte sich ab mit ersten herbstlichen Stürmen, konnte man meinen. Sehr differenziert und lebendig, teilweise laut und dann wieder gedämpft die Töne. Ein herrliches Wechselspiel für die Ohren! Der Winter „L´inverno“ wurde „erklärt“ durch die Violine von Ansaldo Poggi von 1920, teilweise behäbig, schwer und sanft strich der Bogen über die Saiten. Dann wieder lebhafter, in der Melodie steigend, mit Freude am Spiel zeigte sich die Darbietung in der kalten, eisigen Jahreszeit. Man war dabei, mitten in der Winterzeit und hatte lebhafte Erinnerungen, vielleicht aus der Kindheit im Schnee vor Augen.

Nach kleiner humorvoller Publikumsabstimmung siegte ziemlich eindeutig die Sommervioline im Klang mit einer Saitenlänge voraus, von Ladislav Prokop gebaut um 1870… Nach Zugaben des Largo aus der Sonate III C-Dur, BWV 1005 von J.S.Bach und dem letzten Satz des Sommers von Vivaldi wurde dem Orchester und dem Solisten Edouard Tachalow ein langanhaltender Applaus beschert, laute Bravo-Rufe und begeisterte Zuschauer / Zuhörer  gingen damit bewegt in die kleine Pause.

Edouard Tachalow begann seine Ausbildung mit sechs Jahren und schloß mit Konzertdiplom. Mit 21 Jahren kam er nach Deutschland, studierte bei Mark Lubotzki / Kolja Blacher,  ebenfalls mit Abschlußdiplom. Als Konzertmeister in vielen Städten wurde er auch von Ulrich Tukur und Dominique Horwitz für mehrere Theaterproduktionen verpflichtet.

Neue Philharmonie Hamburg/Konzertfoto @ Hauke Hille

Nach einer kleinen Auszeit für das Orchester und das Publikum ging es weiter auf der kleinen Bühne mit den Werken von Astor Piazzolla „Las cuatro estaciones portenas“ – Fassung für Bandoneon und Orchester Bandoneon Solist Michael Dolak aus Leipzig zählt zu den erfolgreichsten und vielseitigsten Künstlern seines Instrumentes. Auch er begann im Alter von sechs Jahren mit dem Akkordeon und studierte dann im Fachbereich Bandoneon – Tango Argention in Rotterdam bei Victor H. Villena, Leo Vervelde, Gustavo Beytelmann und Coco Nelegatti. Als Musikpädagoge und nun Solist arbeitete er bereits mit den Berliner- und Brandenburger Symphonikern und dem Kammerorchester Dresden – um nur einige Stationen zu nennen.

Daraus ergibt sich ein ganz besonderes Repertoire in Klang und Spiel des aussergewöhnlichen Instrumentes. Das Publikum war voller Erwartung eines besonderen musikalischen Abends und wurde nicht enttäuscht! Man meinte, den leichten französischen Frühling zu spüren, sogar Klezmerklänge und Fado war herauszuhören, genial verknüpft und nur angedeutet! Michael Dolak beherrscht sein Bandoneon virtuos. Astor Pantaleón Piazzolla war ein argentinischer Bandoneon-Spieler und Komponist. Er gilt als Begründer des Tango Nuevo, einer Weiterentwicklung des traditionellen Tango Argentino. Diese so temperamentvolle Musik zu Gehör zu bringen, ist Dolak vollendet gelungen. Voller Emotionen, mal lauter mal leiser, angepasst an die Jahreszeitenstimmungen, mit vollem Einsatz auch des Körpers, Mimik und Gesten zeigte der Solist uns die wunderbare Welt der argentinischen Seele.

Durch die Begleitung des kleinen Orchesters mit 6 Personen, Cello, Bass, Violinen, entstand eine ganz eigene Welt der klassischen Musik. Auch nach dieser herrlich lebendigen Version verlangte das Publikum natürlich Zugaben, die gern gegeben wurden: Natürlich auch von Astor Piazzolla – Ave Maria, Libertango und Oblivion. Diese sehr bekannten Stücke wurden noch einmal aus voller Seele und mit tiefen Gefühlen vom Publikum frenetisch beklatscht und auch hier fehlten die lauten Bravo – Rufe nicht!

Das Haus war ausverkauft und man kam nicht nur wegen Vivaldis wunderschöner Musik, sondern beide Solisten waren speziell für einen excellenten Konzertabend ausgesucht von den Zuhörern – Vielen Dank für diesen herrlichen Musikgenuß!

 

  • Rezension von Marion Nevoigt / Red. DAS OPERNMAGAZIN
  • Neue Philharmonie Hamburg
  • Titelfoto: Neue Philharmonie Hamburg/Konzertfoto @ Hauke Hille

 

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