
Einmal mehr hat das Theater Basel Herbert Fritsch eine Inszenierung anvertraut. Dieses mal war es das düstere Drama „Macbeth“ von Giuseppe Verdi. Wir sehen auf der Bühne fünf hintereinander stehende rote Bögen, welche je nach Szene individuell beleuchtet werden. Auf der kahlen Bühne befinden sich keinerlei Requisiten. Dies bedingt von den Sänger/innen und dem Chor übermäßig viel Bewegungstheater, was zuweilen auf die Spitze getrieben und ermüdend ist. Die ausschließlich schwarzen Kostüme, mit Ausnahme des weißen Nachhemdes der Lady Macbeth, stellen einen starken Kontrast zur Bühne dar. (Rezension der Premiere v. 22. Januar 2026)
Herbert Fritsch sieht in Macbeth und Lady Macbeth nicht nur das machthungrige Paar, sondern auch ein Liebespaar, welches durch die Umstände in einen Rausch gerät und die Kontrolle verliert. Die Inszenierung bewirkt, dass die einzelnen Sänger/innen einem Bewegungszwang folgen müssen. Lady Macbeth erscheint am Anfang eher wie eine traumwandlerische Balletttänzerin, welche bei allen hohen Passagen ihrer Partie die Hände zu verwerfen und herumzuwirbeln. Macbeth wirkt neben ihr wie ein Riese, der aber eher wie ein Hofnarr agiert. Der Chor der Hexen und die Hofgesellschaft sind ebenfalls durchchoreographiert. Nach einer Weile verliert das an Wirkung. Die Sänger/innen müssen wahrlich einiges leisten, um den Regieanweisungen gerecht werden zu können!
Am Ende der Oper gipfelt das ganze in einer Applaus-Choreographie welche eher an eine Zirkus-oder Musicalveranstaltung erinnert und wenn dann noch der Regisseur aus der Versenkung hochgefahren wird, ist der Klamauk perfekt. Wenig passend zur düsteren Handlung dieser Oper.

Iain MacNeil als Macbeth ist zum ersten mal am Theater Basel zu erleben. Er verfügt über einen beeindruckenden, kraftvoll geführten Bariton. In allen seiner Arien überzeugt er bestens.
Heather Engebretson verkörpert die Rolle der Lady Macbeth, eine Partie welche Verdi ausdrücklich nicht nur schön gesungen hören wollte. Sie verfügt über sichere Höhen und füllt den Raum ohne Schwierigkeiten. Man staunt ob ihrer großen Präsenz auf der Bühne und ihrer Beweglichkeit, welche ihre Rolle bei dieser Inszenierung von ihr verlangt.
Ganz hervorragend ist Sam Carl in der Rolle des Banco. Hier ist eine Stimme zu erleben, welche in jeder Hinsicht begeistert.
Rolf Romei als Macduff vermag mit seiner Arie wirkungsvoll und mit sicherer Höhe zu überzeugen. Gleich vier Mitglieder des Opernstudios OperAvenir wirken in dieser Produktion mit. Hope Nelson als Dame der Lady Macbeth, Ervin Ahmeti als Malcolm, Marius Aron als Arzt und Nathan Schludecker in den Rollen als Diener/Mörder und als Erscheinung. Sie zeigen hier einmal mehr gesangliche Leistungen, welche die hohe Qualität des Opernstudios repräsentieren. Peter Keller als Duncan, hier als ein dementer Greis erscheinend, reiht sich in dieses Ensemble ein.

Der Chor und der Extrachor des Theaters Basel wurden von Michael Clark aufs beste einstudiert und sind durchgehend ein wahrer Hörgenuss. Grosse Klasse.
Das Sinfonieorchester Basel unter Leitung von Dirk Kaftan lotet auch ganz feine Passagen dieser Partitur aus, kann aber auch, besonders in der Hexenszene, die Dynamik der Handlung markant verstärken.
Dem Publikums schien diese spezielle Sichtweise des Regisseurs zu gefallen und es geizte nicht mit Applaus.
- Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
- Theater Basel / Stückeseite
- Titelfoto: Theater Basel/MACBETH/Ian MacNeil, Heather Engebretson, Hope Nelson/Foto: Ingo Höhn