„SWEENEY TODD“ – EIN MUSICAL IM OPERNHAUS ZÜRICH – WAHRLICH EINE RARITÄT

Oper Zürich – Sweeney Todd – 2018/19
© Monika Rittershaus

SWEENEY TODD

Musical-Thriller

Musik und Liedtexte von Stephen Sondheim

Buch von Hugh Wheeler,

nach dem Theaterstück von Christopher Bond

Es handelt sich hier nicht um ein mit kleinem Orchester besetztes Werk, sondern um eine Partitur, welche durchkomponiert ist und durchaus opernhaft erscheint. Die schaurige Geschichte erzählt vom Barbier Benjamin Barker, welcher nach 15-jähriger Abwesenheit nach London zurückkehrt und unter dem Decknamen Sweeney Todd einen Barber Shop an der seiner ehemaligen Adresse eröffnet. (Rezension der Premiere vom 9.Dezember 2018 im Opernhaus Zürich)

 

Damals wurde er von Richter Turpin, welcher in London alle Freiheiten geniesst und diese aufs ärgste ausnutzt, zu Unrecht verurteilt und in eine Strafkolonie nach Australien lebenslang verbannt. Richter Turpin hatte sich an der Gattin des Barbiers vergangen und diesen so aus dem Weg geschafft. Sweeney Todd ist nun zurückgekommen, um sich an Richter Turpin zu rächen. Auf der Reise wurde er von Anthony Hope begleitet, welcher ihm in Australien geholfen hat. Die im selben Hause wohnende Mrs. Lovett, eine Pastetenbäckerin, berichtet Sweeney Todd, dass seine Tochter Johanna, ausgerechnet bei Richter Turpin als Mündel untergebracht sei und dass dieser beabsichtige, Johanna zu heiraten. Sweeney Todd reagiert äusserst ungehalten auf diese Mitteilungen und Mrs. Lovett erkennt den alten Benjamin Barker, den sie schon immer gemocht hatte.

Oper Zürich – Sweeney Todd – 2018/19
© Monika Rittershaus

Tobias trifft auf Sweeney Todd. Er verkauft «Pirelli’s magisches Haarwasser» und ist dessen Assistent. Sweeney Todd fordert Pirelli zu einem Wettkampf und gewinnt diesen. Anthony begegnet Johanna und verliebt sich Hals über Kopf in diese junge Frau. Richter Turpin und sein Büttel Bamford haben Anthony Gewalt angedroht, sollte er sich nochmals in die Nähe von Johanna begeben. Ungeachtet dieser Tatsache plant Anthony die Flucht mit Johanna. Er fragt Sweeney Todd um Rat. Pirelli ist in Wirklichkeit der Daniel, welcher vor fünfzehn Jahren bei Barker als Gehilfe gearbeitet hat. Er hat Sweeney Todd erkannt und erpresst diesen nun um Geld, sonst würde er Richter Turpin verraten wer Sweeney Todd in Wahrheit ist. Dieser bringt Pirelli um. Als Richter Turpin im Barber Shop von Sweeney Todd erscheint um sich für die Hochzeit mit Johanna rasieren zu lassen, wäre die ideale Gelegenheit zur Rache gekommen. Da platzt Anthony herein und erzählt von seiner geplanten Flucht mit Johanna. Richter Turpin verlässt wütend das Geschäft. Sweeney Todd schwört nun Rache an der gesamten Menschheit.

Mrs. Lovett macht Sweeney Todd auf die Leiche von Pirelli aufmerksam und hat eine Idee: Fleisch ist zu dieser Zeit in London sehr teuer und rar. Sie könne doch dieses Opfer in Ihre Fleischpasteten einarbeiten. Die Pasteten werden ein richtiger Erfolg. Das verlangt nach weiteren Opfern, welche sich in der zufälligen Kundschaft des Barbiers finden.Richter Turpin liess Johanna in einer Irrenanstalt einsperren, wo Anthony diese findet. Mit Sweeney Todd plant er eine Rettung. Sweeney Todd will jedoch Richter Turpin nochmals in seinen Salon locken und lässt diesem mitteilen, dass Johanna nach einer misslungenen Entführung dort abzuholen sei. Nach und nach werden der Büttel Bamfort und eine plötzlich im Barber Shop erscheinende Bettlerin, welche in dem Moment eintritt, als auch Richter Turpin erwartet wird, umgebracht.

Nun ist der Moment der Rache am Richter gekommen. Johanna, welche zum falschen Augenblick aus Ihrem Versteck kommt, kann noch knapp dem mörderischen Sweeney Todd entkommen. Nun entdecken Mrs. Lovett und Sweeney Todd bei der Wegschaffung der Opfer in der Backstube etwas ganz grauenhaftes…

Diese Handlung auf die Bühne zu bringen, ist eine sehr große Herausforderung für das ganze Haus.

Oper Zürich – Sweeney Todd – 2018/19
© Monika Rittershaus

Es ist dem Hausherrn ANDREAS HOMOKI gelungen, diese unheimliche Stimmung und auch die komödiantische Seite, in eindrückliche Bilder zu verwandeln. Die Zusammenarbeit mit MICHAEL LEVINE, welcher die Gesamtausstattung ausführte und ANNEMARIE WOODS, welche die aufwändigen Kostüme gestaltete, erweist sich als ideales Team. Für die Lichtgestaltung zeichnet einmal mehr der Meister seines Fachs FRANCK EVIN verantwortlich. Die von einem Lichterrahmen umgebene Bühne verwandelt sich zu einer Szenerie auf drei Ebenen. So können die sozialen Unterschiede bestens dargestellt werden. Oben die Reichen und Mächtigen, in der Mitte das Volk und unten die unheimlichen Räume der Bäckerei und die Bettler. ANDREAS HOMOKI hat diesen Figuren unglaublich viel Charakter verliehen, welche durch die Spielfreude des Ensembles großen Eindruck hinterlassen.

Die raffinierte Bühnentechnik ermöglicht immer wieder überraschende Bilder, welche intime und auch große Tableaus ermöglichen. Den Bühnentechnikern und Werkstätten sei Dank.

Gleich zu Beginn ist der gesamte CHOR DER OPER ZÜRICH und der STATISTENVEREIN AM OPERNHAUS ZÜRICH in einem imposanten Auftritt zu erleben. In den diversen Chorszenen, welche in diesem Musical eine wichtige Rolle spielen, wird immer wieder die Handlung erklärt. Diese Aufgabe meistert der Chor unter der Leitung von JANKO KASTELIC hervorragend. Diese Auftritte zu Choreografien oblag ARTURO GAMA.

Oper Zürich – Sweeney Todd – 2018/19
© Monika Rittershaus

An erster Stelle muss hier der großartige BRYN TERFEL genannt werden, welcher in Sweeney Todd eine Glanzpartie für sich gefunden hat. Seine Bühnenpräsenz packt einen vom ersten Moment und zusammen mit seiner starken und makellosen Stimme, sowie dem Schauspieltalent entsteht ein Rollenportrait von höchster Qualität.

ANGELIKA KIRCHSCHLAGER singt und spielt die Pastetenbäckerin Mrs. Lovett mit viel Spielwitz und Energie. Ihre Stimme ermöglicht es ihr, diese schwierige Partie mit all seinen Facetten zu meistern. Gemeinsam mit BRYN TERFEL kann man ein unheimliches Paar erleben, welches durch seine Pläne immer kühner wird. Besonders in der Szene, wo Mrs. Lovett davon träumt, später einmal am Meer zu leben, gemeinsam mit Sweeney, kann man diese Verbundenheit durchaus erahnen.

Der böse Richter Turpin wird von BRINDLEY SHERATT mit dunkler Bassstimme überzeugend gesungen und kann seine ganz fiese Rolle bestens vermitteln. Den Gerichtsdiener Beadle sang IAIN MILNE und konnte aus dieser Rolle eine Charakterstudie machen. MÉLISSA PETIT singt die Rolle der jungen Johanna. Eine wirklich sehr begabte Sängerin, die diese Rolle zum ersten Mal sang.

ELLIOT MADORE ist in der Rolle des Anthony Hope, ebenfalls sehr überzeugend. Seine Stimme war durch eine Erkältung etwas indisponiert und er wird ganz sicher in den kommenden Aufführungen ein attraktiver und stimmlich erstklassiger Anthony sein. Die Bettlerin, welche in diesem Stück eine wichtige Rolle singt und spielt, hätte nicht besser besetzt sein können, als mit LILIANA NIKITEANU. Sie interpretiert diese Figur mit viel Energie und Humor. Der Barbier Pirelli wurde von BARRY BANKS zu einem Kabinettstückchen erhoben. Dies, weil er mit seinem flexiblen Tenor und einem herrlichen Spiel für einige Lacher sorgte.

SPENCER LANG, ein ehemaliges Mitglied des Opernstudios und nun Ensemblemitglied des Hauses, konnte einmal mehr mit einer schönen Tenorstimme überzeugen. Als Tobias Ragg hatte er die Gelegenheit sich auch als talentierter Schauspieler zu zeigen. CHEYNE DAVIDSON als Jonas Fogg, präsentierte einen unheimlichen Irrenhausbesitzer und sang diese Rolle hervorragend.

JUSTYNA BLUJ, ASAHI WADA, RICHARD WALSHE, DEAN MURPHY, JAMES McCORKLE, THOBELA NTSHANYANA und LEONARDO SANCHEZ, alles Mitglieder des Internationalen Opernstudios, ergänzten das Ensemble.

Die Musik von Stephen Sondheim welche 1979 entstand, ist entgegen den damals gängigen Rhythmen aus Jazz und Rock sehr opernhaft und phantasievoll. Das Spektrum reicht von lyrischen Melodien bis zu großen Chorszenen. Man kann durchaus von einer modernen Oper sprechen. Mit DAVID CHARLES ABELL stand ein wahrer Experte dieses Musicals am Dirigentenpult und konnte aus dieser Partitur und der PHILHARMONIA ZÜRICH die feinsten Nuancen und den besten Klang hervorzaubern. Eine tolle Leistung. Das die Stimmen in aufwändigster Technik verstärkt werden, war am Anfang gewöhnungsbedürftig. Dadurch wurde die Textverständlichkeit verbessert und wie im Musical üblich eine zusätzliche Spannung ermöglicht.

Das Premierenpublikum zeigte sich von der düsteren Handlung begeistert und brachte dies mit viel Applaus und Bravorufen zum Ausdruck. Man sollte sich diese gelungene Produktion nicht entgehen lassen.

 

  • Rezension der Premiere von Marco Stücklin /Red. DAS OPERNMAGAZIN
  • Weitere Termine, Infos und Kartenvoverkauf unter DIESEM LINK
  • Titelfoto: Oper Zürich – Sweeney Todd – 2018/19 © Monika Rittershaus

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