Opernhaus Zürich: Premiere von Verdis Oper „La forza del destino“

Opernhaus Zürich/LA FORZA DEL DESTINO/Anna Netrebko/Foto: Monika Rittershaus

Die Premiere von Giuseppe Verdis Oper „La forza del destino“ im Opernhaus Zürich hat schon im Vorfeld für einige Wellen gesorgt. Seit Wochen wurde darüber diskutiert, gefordert und gestritten, ob man Anna Netrebko überhaupt auftreten lassen, oder ob man sie besser wieder ausladen sollte. Die weltberühmte Sopranistin hat wegen ihrer diversen Äußerungen und persönlichen Begegnungen mit hochrangigen Exponent des russischen Regimes ihre Gesinnungsnähe mit der Politik im Kreml offenbart. Besonders seit dem Beginn des Kriegs gegen die Ukraine hat dies heftige Proteste ausgelöst, was zur Folge hatte, dass einige Opernhäuser auf ein Engagement mit ihr verzichtet haben. (Rezension der Premiere vom 2. November 2025)

 

Auch das Opernhaus Zürich musste sich dieser Situation stellen und Intendant Matthias Schulz, welcher die Sängerin schon seit 2002 kennt, äußerte sich in diversen Interviews zum Zürcher Engagement. Das Interview mit der NZZ ist auf der Website des Opernhauses Zürich publiziert. Vor dem Opernhaus kam es zu einer kleinen friedlichen Protestaktion von Gegnern mit ukrainischen Fahnen. Während der Aufführung kam es zu keinen weiteren Störungen.

Die Stimmung im Opernhaus war an diesem Abend besonders erwartungsvoll, da nebst den Fragen zum Engagement von Anna Netrebko auch die Inszenierung der Argentinischen Regisseurin Valentina Carrasco zu reden gab. Die Handlung von Verdis Oper, welche 1862 in St. Petersburg ihre Uraufführung erlebt hatte, spielt original in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Spanien und in Italien.

Opernhaus Zürich/LA FORZA DEL DESTINO/A. Netrebko, Y. Eyvazov, R. Pertusi/Foto: Monika Rittershaus

In der Inszenierung von Valentina Carrasco jedoch wird die Handlung in die Schweiz verlegt. Damit wollte sie aufzeigen, wie es wohl ausgesehen hätte, wenn die weitgehend verschont gebliebene Schweiz ebenfalls vom Krieg überrollt und der Horror bis vor die Haustüren der Bevölkerung vorgedrungen wäre. Mit den Videoprojektionen von Massimiliano Volpini, aufwändigen Bühnenbildern von Carles Berga und Mariangela Mazzeo und den Kostümen von Silvia Aymonino, sowie der Lichtgestaltung von Fabrice Kébour, sollten die Schrecken des Krieges an bekannten Schweizer Schauplätzen gezeigt werden.

Dies wirkt gerade während der Ouvertüre mit eingeblendeten News-Videos verstörend. Beim Anblick der bekannten zerbombten Gebäuden kommt ein beklemmendes Gefühl auf.

Doch seltsamerweise wird man im Laufe der Handlung immer weniger von den dramatischen Bildern berührt. Liegt dies vielleicht teilweise daran, dass wir durch die dauernde Präsenz tragischer Bilder aus dem gegenwärtig realen Weltgeschehen abgebrüht geworden sind? Irgendwie wirken heute die verstörenden Bilder einerseits nah und dennoch auch so fern. Ob es allerdings nötig war, die Sopranistin im Klosterbild mit einer Schutzweste und einem Maschinengewehr auszustatten, darüber kann man wirklich sehr geteilter Meinung sein!

Hatte man zunächst erwartet, dass diese sehr intensive Inszenierung viele Proteste auslösen würde, so war man am Ende der Aufführung beim Schlussapplaus und dem Erscheinen der Regie auf der Bühne über die Reaktionen beim Publikum doch eher erstaunt. Zwar waren einige Buhs zu vernehmen, aber diese gingen im Applaus unter.

Über die musikalische Seite der Aufführung kann man von einem großartigen Opernabend berichten.

Dass die Partie der Leonora zu den Paraderollen von Anna Netrebko gehört, durfte man schon bei der ersten Arie erleben. Ihr dunkles Timbre und die an jeder Stelle sicher sitzende Stimme berührte von Anfang. Dies besonders in der großen Schlussarie „Pace, pace, mio dio“, welche einer der ergreifenden Höhepunkte war. Sie gestaltete ihre Partie in dieser außerordentlich fordernden Inszenierung meisterhaft. Unbestritten ist sie eine der ganz großen Sängerinnen unserer Zeit.

Opernhaus Zürich/LA FORZA DEL DESTINO/Y. Eyvazov, G. Petean//Foto: Monika Rittershaus

Die Rolle des Don Alvaro war mit Tenor Yusif Eyvazov besetzt. Zwar neigte er im ersten Akt noch zu einem zu dominanten Forte, aber besonders in der Szene mit Don Carlo gelang ihm eine ergreifende Interpretation. Seine Rollengestaltung zeigte den Wandel vom kämpferischen Liebhaber zum Kriegsgegner sehr eindrücklich. Ganz hervorragend George Petean als Don Carlo de Vargas. Der im Haus sehr beliebte Bariton liess keine Wünsche offen. Er zeigte einmal mehr, dass er zu den derzeit führenden Baritonstimmen zählt.

Als kampfbereite Preziosilla debütierte Annalisa Stroppa am Opernhaus Zürich. Sie ließ als Anführerin und Waffenschieberin ihre Stimme facettenreich erklingen. Als Padre Guardiano begeisterten Michele Pertusi mit großer Bassstimme und Roberto Pertusi als Fra Meltione. Diese beiden großartigen Sänger sind ein weiteres Highlight dieser Aufführung. Als Il Marchese di Calatrava, Leonoras Vater, bot Stanislav Vorobyov bei seinem Rollendebut ebenfalls eine überzeugende Gestaltung seiner Partie.

Natalia Tuznik als Curra und Tenor Tomislav Jukić als Mastro Trabuco, Lobel Barun als Un alcade und Max Bell als Un chirurgo, alles große Talente und Mitglieder des Internationalen Opernstudios, ergänzten dieses außergewöhnliche Ensemble.

Opernhaus Zürich/LA FORZA DEL DESTINO/Ensemble/Foto: Monika Rittershaus

Der von Klaas-Jan de Groot einstudierte Chor der Oper Zürich zusammen mit den Chorzuzüger/innen, die SoprAlti und dem Kinderchor der Oper Zürich ließ keine Wünsche offen und boten eine hervorragende Leistung. Zusammen mit dem  Statistenverein am Opernhaus Zürich entstanden üppige Massenszenen.

Gianandrea Noseda gilt als besonderer Kenner dieser Oper und ließ das Orchester der Oper Zürich aufblühen und all die wunderbaren Klangwellen dieser Partitur zu einem Genuss werden. Er begleitete die Sänger/innen mit größter Aufmerksamkeit und auch die feinen Passagen, hier sei die Solovioline von Hanna Weinmeister besonders erwähnt, gelangen souverän.

Am Ende zeigte sich das Publikum von der musikalischen Seite dieser Aufführung begeistert und jubelte, allen voran der Primadonna Anna Netrebko, zu.

Sämtliche Vorstellungen sind bereits ausverkauft, bis auf die Volksvorstellung am 21.Dezember 2025 (Vorverkauf ab 21. November). Am 21./26./29. November und am 17. und 21. Dezember übernehmen Elena Guseva als Leonora und Riccardo Massi als Don Alvaro, die Hauptpartien.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Opernhaus Zürich / Stückeseite
  • Titelfoto: Opernhaus Zürich/LA FORZA DEL DESTINO/A. Netrebko, Ensemble/Foto: Monika Rittershaus
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Ein Gedanke zu „Opernhaus Zürich: Premiere von Verdis Oper „La forza del destino“

  1. Guten Tag,
    vor allem wegen Anna Netrebko bin ich in die Oper gekommen.
    Als ich sah, dass die Inszenierung in die Kriegszeit gelegt worden ist, hatte ich große Sorge, ob noch etwas von der Schönheit der Musik übrig bleibt.
    Ich war sehr positiv überrascht. Eine Oper der Superlativen in jeder Hinsicht. Zunächst mal natürlich Anna Netrebko. Ihre Stimme wir immer schöner und ihr Können! Jeder Ton und sei er noch so hoch oder tief von einer Klerheit, die einen total in ihren Bann zieht. Danke Frau Netrebko! Und die Inszenierung hat einen schönen Weg gefunden, nicht überzogen zu wirken. Vielen Dank also für einen wunderbaren Opernabend an alle. Noch eine Anmerkung an die Verantwortlichen: wenn Sie unbedingt eine Oper uminszenieren wollen, schreiben und komponieren Sie doch eine neue, eigene. Ich habe schon einige Inszenierungen gesehen, die unbedingt neu erscheinen wollten, ist echt schief gegangen.
    Aber in diese hat mich sehr begeistert.

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