Neujahrskonzert im Bonner Woelfl-Haus: Das Odelya-Trio bezaubert mit einer Carmen-Suite für Saxophon und Klavier

Odelya-Trio/Woelfl-Haus Bonn/Foto @ Ursula Hartlapp-Lindemeyer

Drei junge Frauen tragen Musik im neuen Gewand vor. „Das ist unser Beitrag zur Frauenförderung“, so Hausherr Professor Hermann Dechant augenzwinkernd bei der Begrüßung der etwa 30 Besucher*innen im Saal und der 30 Streaming-Teilnehmer*innen. Das Odelya-Trio begeisterte mit der „Carmen Fantasie Brillante“ des Flötisten Francois Borne und sieben spanischen Stücken von Manuel de Falla als Schwerpunkten das Publikum zum Beginn des neuen Jahres mit dem Saxophon als Starinstrument. (Rezension des Konzertes v. 1.1.2022)

 

Die Stücke, ursprünglich für andere Solo-Instrumente konzipiert, gewannen in der Besetzung mit dem Saxophon eine ganz neue Qualität. Die drei jungen Künstlerinnen, Manon Blanc-Delsalle, Sopran, Marí Ángeles del Valle Casado, Saxophon, und Vittoria Quartararo, Klavier, traten zunächst als Duo auf. Nach einer begeisternden Performance zu Bizets „Carmen“, ursprünglich für Klavier und Flöte komponiert, gingen die Besucher*innen in die Pause.

Marí Ángeles del Valle Casado beeindruckte durch unfassbar virtuose Läufe, einen unglaublichen Tonumfang ihres Instruments und einen faszinierenden Klang, viel weicher als eine Flöte.

Nach der Pause erklangen zwei Gesänge von Johannes Brahms, ursprünglich für Sopran, Klavier und Cello komponiert, bei denen das Saxophon sehr apart mit der Sopranstimme harmonierte. Highlight waren allerdings die „7 Canciones Populares Espagnoles“ von Manuel de Falla, bei denen man offensichtlich eine Saxophon-Stimme vom Klavierpart abgespalten hatte.

Das Odelya-Trio eröffnete am 2. Januar 2022 das neue Jahr im Woelfl-Haus in Bonn. Die drei jungen Musikerinnen, Manon Blanc-Delsalle, Sopran, Marí Ángeles del Valle Casado, Saxophon und Vittoria Quartararo, Klavier, zeigten sich hocherfreut, endlich wieder vor Publikum auftreten zu können und ihr attraktives spanisch akzentuiertes europäisch geprägtes Programm zu präsentieren.

Odelya-Trio/Woelfl-Haus Bonn/Foto @ Ursula Hartlapp-Lindemeyer

Alle drei sind Preisträgerinnen in internationalen Musikwettbewerben und haben sich beim Masterstudium an der Hochschule für Musik und Tanz, Köln kennen gelernt. Die Kombination des Klaviers mit Saxophon und Gesang erfordert die Adaption von Formaten, die ursprünglich für andere Instrumente komponiert wurden, für das Saxophon. Dadurch ergaben sich sehr attraktive Klänge.

Vor allem in der „Carmen Fantasie Brillante“ von Francois Borne konnte Marí Ángeles del Valle Casado mit ihrem Saxophon virtuos auftrumpfen. Das Stück wurde ursprünglich für Flöte und Klavier komponiert, gewinnt aber durch den Einsatz des Saxophons eine besonders pikante Note. Im Duo „Viens! Une flute invisible soupire“ von André Caplet, das sie mit der Pianistin Vittoria Quartararo aufführte, waren extrem hohe Töne zu hören, die ich dem Saxophon gar nicht zugetraut habe.

Manon Blanc-Delsalle brach das Eis mit „Le Chant de Veilleur“ von Joaquin Nin, das mit maurisch anmutenden Phrasen eine spanische Grundstimmung erzeugte. Ihre Seguidilla aus „Carmen“ zeigte, dass sie nicht nur einen sehr gut geführten lyrischen Sopran hat, sondern auch die Koketterie einer Carmen darstellen kann. Blanc-Delsalle moderierte auch das Programm und glänzte mit Brahms ebenso wie mit de Falla.

Dritte im Bunde ist die Pianistin Vittoria Quartararo, deren Anteil über die reine Begleitung weit hinaus ging. Das Trio Odelya zeigt in der originellen Kombination von Singstimme, Klavier und Saxophon, wie man ein interessantes Konzert aus eigenen Bearbeitungen von Stücken, die eigentlich für andere Instrumente komponiert waren, gestalten kann. Die Koordination war so, dass die Musik wie aus einem Guss wirkte.

Die drei Künstlerinnen wurden vom Publikum im Saal mit lebhaftem Applaus bedacht. Die spanisch akzentuierte Mischung kam offenbar sehr gut an.

Woelfl Saal Bonn/Foto @ Woelf-Haus Bonn

Veranstalter des Konzerts im Woelfl-Haus Bonn war die „Joseph-Woelfl-Gesellschaft Bonn e. V.“, ein gemeinnütziger Verein, gegründet zur Förderung der wissenschaftlichen Aufarbeitung von Biographie und Werk des Komponisten Joseph Woelfl (1773–1812) sowie Bekanntmachung von Woelfs Werken in der Öffentlichkeit. An jedem ersten Sonntag im Monat wird im Woelfl-Haus um 16.00 Uhr ein Kammerkonzert gegeben, bei dem Werke Woelfls und seiner Zeitgenossen gespielt werden, aber das sieht man offensichtlich nicht mehr ganz so eng.

Die Vorsitzende der Woelfl-Gesellschaft, Frau Prof. Dr. Margit Haider-Dechant, Hausherrin des Woelfl-Hauses, freute sich jedenfalls, dass so viele Besucher vor Ort gekommen waren und dass auch etliche sich per Stream zugeschaltet hatten.

 

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