
Märchenhafte Reise durch die Schönheit der Stimme.
Seit seiner Kindheit in São Paulo kennt der Sopranist Bruno de Sá die verwandlungsfähigen Amazonas-Flussgöttinnen UYARAS, welche mit ihrem Gesang all diejenigen in den Tod locken, welche ihnen zu nahe kommen. “Die Nixe Uyara wurde mir als mächtigste Gestalt vom Amazonas beschrieben. Sie schützt den Urwald und ist sogar bereit zu töten, um diesen zu schützen” erzählt Bruno de Sá. Das Programm ist eine musikalische Auseinandersetzung mit dieser faszinierenden Mythenwelt Brasiliens und gleichzeitig eine Hommage an das Phänomen Stimme.
Als Sopranist ist Bruno de Sá eine faszinierende Ausnahmeerscheinung, der mit seiner Stimme zu verführen vermag. Mit seinem aussergewöhnlichen Programm auf diesem Album mischt er sich gleichsam unter die gefährlichen Wasserwesen und schenkt ihnen seine begeisternde Stimme. Bruno de Sá weitet hiermit sein vor allem auf die Barockmusik konzentriertes Repertoire einmal mehr aus und bietet, begleitet vom Opéra Orchestre Normandie Rouen unter der Leitung Pierre Dumoussaud, eine mitreißende Reise durch Werke von verschiedenen Komponisten aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Die ersten beiden Stücke haben einen ganz besonderen Bezug zu seiner Heimat.

Heitor Villa-Lobos, “Bachianas brasileiras Nr.5” 1. 8 Ária und 2. Dança. Bereits hier wird man in den Bann dieser unglaublichen Stimme gezogen. Wunderschön folgt die Vocalisme “Le Rossignol et la rose” von Camille Saint-Saëns. Das Programm führt einen durch drei Lieder aus den “Chants d’Auvergne”: “Lou Coucut”, “Malurous q’o uno fenno” und “La Foilairé” von Joseph Canteloupe, grossartig Interpretiert.
“Kling” von Richard Strauss, “Le Cygne” von Camille Saint-Saëns transkribiert für Sopran und Orchester von Juliane Ripke, folgen. Selten kommt man in den Genuss, die geheimnisvoll-dramatische Ballade “As Uyaras” von Alberto Nepomuceno hören zu können. Zusammen mit dem Comunicantus Choir erlebt man eine eindrückliche Entdeckung dieses speziellen Werkes, orchestriert von Abdon Lyra. Reizend “The Lorelei” von George Gershwin, ebenfalls für Sopran transkribiert von Juliana Ripke. Virtuos “Vocalise-étude en forme de habanera” von Maurice Ravel.
Voller Emotion “Por qué entre sombras el Ruiseñor” aus Goyescas, Cuadro III: „La Maya y el Rusenor“ von Enrique Granados. Zum Träumen lädt die berühmte Vocalise Op. 34 Nr.14 von Sergei Rachmaninoff ein. Wunderbar.
Ein Highlight dieses Albums bildet die Bravourarie mit Variationen “Deh’torna mio bene” op.164 von Heinrich Proch. Was für ein Feuerwerk an Koloraturen! Diese Arie gehört mithin zu den anspruchsvollsten Virtuosenstücken. Bruno de Sá glänzt mit einer unglaublich präzise vorgetragenen Interpretation.
Man mag über diese außergewöhnliche Zusammenstellung erst mal erstaunt sein, aber gerade dadurch fällt dieses Album auf. Es ist eine wahre Trouvaille und lässt einen Staunen über die vielfältigen Möglichkeiten der Sopranstimme von Bruno de Sá. Gewiss wird er uns auch in Zukunft mit seinen zahlreichen Projekten überraschen und begeistern.
Dieses Album ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass man mit mutig zusammengestellten Programmen, fern von anderen immer wieder zu hörenden Stücken, überzeugen kann.

Das Album erscheint am 9. Oktober 2026.
Konzerte mit Bruno de Sa:
8. Dezember 2026, Philharmonie Berlin
16. Dezember 2026, Reinoldihaus Dortmund
28. Februar – 7. März 2027, Händel Festspiele Karlsruhe
25. März 2027, Philharmonie Köln
- Artikel von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN – CH
- Bruno de Sá / Instagram
- Titelfoto: CD „Uyaras“ /Bruno de Sá / Parlophone Records Ltd