
In ihrer endgültigen Fassung (1916) verknüpften Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal die Oper „Ariadne auf Naxos“ mit einem Prolog, in dem ein wohlhabender Wiener Mäzen angeordnet hat, dass eine Opera seria und eine Commedia-dell’arte gleichzeitig aufgeführt werden, damit ein Feuerwerk pünktlich beginnen kann. Die Oper, die in einer öden, felsigen Landschaft auf der Insel Naxos angesiedelt ist, handelt von Ariadne, die von Theseus verlassen wurde. Zerbinetta und ihrer Truppe (Harlekin, Scaramuccio, Truffaldin, Brighella) bricht mit Liedern und Tänzen in die Tragödie Ariadnes ein, um sie aufzumuntern. Zerbinetta versucht, Ariadne zu überzeugen, dass jede verlassen Frau einfach zum nächsten Mann übergeht. Bacchus erscheint, und er und Ariadne fühlen sich zueinander hingezogen, was in einem Liebesduett kulminiert. (Rezension der besuchten Vorstellung v. 19. Oktober 2026)
Seit ihrer Premiere 2008 wurde die Inszenierung von Robert Carsen an der Bayerischen Staatsoper (Bühnenbild: Peter Pabst, Kostüme: Falk Bauer) mehrfach wiederaufgenommen, unter anderem am 19. Oktober 2026 unter der musikalische Leitung von Robin Ticciati. Durch das lebhafte Schauspiel spitzt Carsen den Konflikt zwischen Eitelkeit und Liebe in einem intimen, minimalistischen Raum zu. Zwischen stummem Doppelgängertum, Chorsatz und lebendigem Tableau agiert das Tanzensemble des Balletts der Bayerischen Staatsoper als szenische Projektionsfläche (Choreographie: Marco Santi, Dramaturgie: Ingrid Zellner). Das Ensemble ahmt die Bewegungen der Hauptpersonen synchron nach und spiegelt deren Empfindungen durch eine symmetrische Anordnung wider.
Zu Beginn des Stücks ist der Zuschauerraum beleuchtet, wobei Tanzende auf der Bühne üben und proben. Zwischen der Primadonna / Ariadne und Zerbinetta herrscht Mitleben, während Zerbinetta und der Komponist finden für einen Moment zueinander. Nach dem Ende der Vorstellung stürzt der Komponist noch einmal auf die leere Bühne, eine Interpolation des Regisseurs, die nicht im Libretto enthalten ist.

Die Sopranistin Anja Kampe (die Primadonna / Ariadne) und Brian Jagde (der Tenor / Bacchus) bewältigen ihre Partien hochdramatisch, etwa wie Brünnhilde und Siegfried am Ende der dritten Oper aus „Der Ring des Nibelungen“. Während Kampe der Rolle, wie in Ariadnes Klage „Es gibt ein Reich“, reiches Pathos und feine Klangfarbe verlieh, beeindruckte Jagde mit heroischer Pracht. Mit meisterhafter Leichtigkeit glänzt Sabine Devieilhe als Zerbinetta, insbesondere in ihrer Arie „Großmächtige Prinzessin“. Getragen von einem warmen, dunkel timbrierten Mezzo erobert Irene Roberts als Komponist die Gunst der Zerbinetta. Als Haushofmeister im Prolog verlieh Kurt Rydl dieser Sprechrolle beiläufig adelnden Glanz. Einen besonders gelungenen Harlekin sang der Bariton Konstantin Krimmel, über den ich im Mai bei der Schubertiade in Hohenems berichtet hatte.
Mit geschickter Tempi- und Dynamikwahl entlockt Ticciati dem Bayerischen Staatsorchester einen transparenten, monumentalen Klang voll kammermusikalischer Feinheit. Die erfreulicherweise pausenlose Aufführung krönte sich mit einem glücklichen Ende auf der Bühne und riss das Publikum zu anhaltendem Beifall hin.
- Rezension von Dr. Daniel Floyd / Red. DAS OPERNMAGAZIN
- Bayerische Staatsoper München
- Titelfoto: Bayer. Staatsoper München/ ARIADNE AUF NAXOS/ A. Kampe/ Foto © Geoffroy Schied