„Sehnsucht“ – Konzert des Sinfonieorchesters Basel / Solist des Abends: Jan Lisiecki

Jan Lisiecki und das Sinfonieorchester Basel/ Foto: Bettina Matthiessen

Das zweite Abonnementskonzert des Sinfonieorchesters Basel entführte in ganz unterschiedliche Klangwelten und bot mit einem größtenteils zeitgenössischen Programm eine anspruchsvolle Reise zwischen Himmel und Erde, Erinnerung und Sehnsucht. (Rezension des Konzerts v. 14. Oktober 2026 im Stadtcasino Basel)

 

 

Schon der Beginn des Konzertes mit der erst 2014 in Paris uraufgeführten Komposition „Ciel d‘hiver“ von Kaija Saariaho, welche aus dem Mittelsatz ihres Orchesterwerks „Orion“ entstanden war, liess mit einer Reise ins All sehr unterschiedliche Stimmungen aufkommen. Das kurze Werk fordert von den Musikern einige solistische Momente, welche als ganzes zusammengefügt eine eigene sphärische Stimmung ergeben.

Das Highlight des Abends war der Auftritt des jungen kanadischen Pianisten Jan Lisiecki, welcher mit dem Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op.54 von Robert Schumann, einen umjubelten Auftritt geboten hat.

Man erlebte die Wiedergabe des einzigen Klavierkonzertes dieses Komponisten, welches 1845 von Clara Schumann in Dresden uraufgeführt wurde. Zuerst 1841 als einsätzige Phantasie komponiert, entstand daraus dieses mitreißende dreisätzige Konzert. Jan Lisiecki spielte diesen Dialog zwischen Klavier und Orchester mit großer Virtuosität und Frische und ließ das Werk völlig entstaubt erklingen. Zusammen mit dem bestens disponierten Sinfonieorchester Basel unter Markus Poschner wurde daraus ein Hörerlebnis erster Güte.

Markus Poschner und das Sinfonieorchester Basel/ Foto: Bettina Matthiessen

Nach der Pause erklang „A Haunted Landscape“, ein Werk von George Crump, entstanden 1984, welches man selten im Konzertsaal zu hören bekommt.

Während der gesamten Dauer dieses Werkes ist ein einziger durchgehender leiser Ton der Kontrabässe zu hören, welcher immer wieder durch plötzliche dreidimensionale grelle Tonfolgen unterbrochen wird und eine mysteriöse Spannung aufkommen lässt. Eine Herausforderung sowohl an das Orchester, als auch an das Publikum.

Interessant die Tatsache, ohne Applauspause, nahtlos das nächste Werk des Abends zu spielen. „La Valse“ von Maurice Ravel aus dem Jahre 1920, welches schon bei der Uraufführung in Paris für Furore sorgte, nachdem es eigentlich als Auftrag für die „Ballets Russes“ von Sergei Diaghilew komponiert worden war, dieser jedoch nach einer Klavierprobe, ablehnte. Er nannte es zwar ein Meisterwerk, aber nicht geeignet für das Ballett.

Die Komposition enthält Elemente des Wiener Walzers, welche eine ungeheure Kraft entwickeln und die Zuhörer zunehmend in diese pulsierende Musik hineinziehen und mit einem Ausbruch von Gewalt und Chaos endet. Das Sinfonieorchester Basel spielte dieses berühmte Werk mit unglaublicher Wucht bis an die Grenzen der Akustik des Musiksaals. Markus Poschner leitete dieses anspruchsvolle Programm mit gewohnter Souveränität. Als Abschluss dieses außergewöhnlichen Konzertprogramms wurde das neue Format „Bonus Track“ vorgestellt. Es erklang die kurze Komposition „μ-Cephei“ (Granatstein) von Anna Sowa, ein Auftragswerk des Sinfonieorchesters Basel. Mit Dynamik und pulsierenden Klangfarben gut passend zur zuvor gehörten Reihe der aufgeführten Werke.

Das Sinfonieorchester Basel unter Markus Poschner erwies sich einmal mehr als hervorragender, flexibler und hochkonzentrierter Klangkörper.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Sinfonieorchester Basel
  • Titelfoto: Markus Poschner und das Sinfonieorchester Basel/ Foto: Bettina Matthiessen
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