Meisterklasse José van Dam: Geschliffene Diamanten

Meisterkurs Jose v. Dam / Foto @ Michael Cramer, Opernfreunde Köln

Meisterklasse José van Dam mit Solisten*innen des Internationalen Opernstudios und des Ensembles der Oper Köln am 23.2.2019

Der Saal 3 des Staatenhauses ist voll besetzt, die Kölner Opernfreunde haben zum Abschlusskonzert des Meisterkurses mit José van Dam eingeladen. Van Dam hat in den siebziger – bis neunziger Jahren alle großen Partien seines Stimmfachs gesungen und eingespielt: unter anderem „Holländer“ unter Karajan, „Hans Sachs“ unter Solti, „Escamillo“, alle „Mephistos“ (Gounod, Berlioz, Boito), und er ist ein begnadeter Erzähler und Lehrer. 

 

Er hat drei Tage mit den jungen Sängerinnen und Sängern des Kölner Opernstudios gearbeitet und ihnen vor allem vermittelt, dass Intensität, Farben, gestalterische Flexibilität und vor allem der Text das wichtigste sind. Man müsse den Ton vom Zwerchfell her erzeugen und horizontal aufbauen, die Lippen seien da, um diesen Diamant von Ton zu schleifen.

Dass van Dams Worte auf fruchtbaren Boden gefallen sind, dokumentieren die jungen Solistinnen und Solisten in beeindruckender Weise. Rainer Mühlbach, der Leiter des „Internationalen Opernstudios der OIper Köln“ am Flügel unterstützt sie nach Kräften und ersetzt das Orchester, zeigt sich aber auch als einfühlsamer Liedbegleiter bei Veronika Lee („Cäcilie“ von Richard Strauss) und Arnheiður Eiríksdóttir („Heimliches Lieben“ von Franz Schubert).

Meisterkurs Jose v. Dam / Foto @ Michael Cramer, Opernfreunde Köln

Die nächste Produktion des Opernstudios ist die Salieri-Oper „La Scuola de’ gelosi“ (Premiere am 31. März), die bereits weitgehend ausverkauft ist. „Die Zauberflöte für Kinder“ (Premiere am 25. Mai 2019), in der die jungen Sängerinnen und Sänger beschäftigt sind, ist natürlich Anlass, die Arien der Protagonisten aufzuarbeiten.

Anton Kuzenok gibt einen sehr hell timbrierten Tamino mit seidigem Schmelz. „Die Konsonanten müssen stärker geformt werden, sonst gucken die Leute auf die Uhr“, ermahnt ihn van Dam. Yunus Schahinger singt mit fulminanten tiefen Tönen den Sarastro und erzeugt eine große Spannung. Er tritt noch einmal in der Partie des Fiesco aus Verdis „Simon Boccanegra“ auf, in der er zeigen kann, dass er ein echter Basso profondo ist. Mit Mozarts Registerarie des Leporello setzt Matthias Hoffmann, ehemaliges Mitglied des Opernstudios und mittlerweile beliebtes Ensemblemitglied an der Oper Köln einen komödiantischen Akzent. Wie er Don Giovannis Liste seiner 2065 Eroberungen darbietet: allergrößte Kunst! Arnheiður Eiríksdóttir zeigt mit der Arie der Isabella aus Rossinis „L´italiana in Algeri“, dass sie alle darstellerischen und stimmlichen Mittel hat, eine solche virtuose Mezzosopran-Partie zu gestalten. Ähnlich virtuos, aber zusätzlich noch mit Spitzentönen, singt Veronika Lee Verdis Rezitativ und Arie der Violetta „È strano … sempre libera“ aus „La Traviata“.

Dass er im französischen Fach zu Hause ist beweist Anton Kuzenok mit Rezitativ und Arie des Nadir „Je crois entendre encore“ aus Bizets „Les Pêcheurs de Perles“ mit einem lupenreinen und stimmschönen Passaggio. Zum Schluss kann Insik Choi, ehemaliges Mitglied des Opernstudios und mittlerweile Ensemblemitglied der Kölner Oper, mit der Eifersuchtsarie des Ford aus Verdis „Falstaff“ auftrumpfen. Seine Stimme füllt scheinbar mühelos den weiten Raum.

Begeisterter Applaus für die Künstler!

Das Internationale Opernstudio Köln besteht sein 1961 und ermöglicht acht jungen Sängerinnen und Sängern erste Berufserfahrungen, die sie in der Kinderoper und in kleinen und mittleren (zum Beispiel Marzelline in „Fidelio“) Partien des Repertoires machen. Die Kölner Opernfreunde unterstützen das Opernstudio jedes Jahr mit Stipendien in Höhe von insgesamt ca. 80.000 €.

Am 24. November 2018 wurde der Kinderoper Köln wurde durch das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF der Titel „UNICEF-Pate Köln“ verliehen.

 

Anton Kuzenok / Foto @ Paul Leclaire

Ich habe Anton Kuzenok, den lyrischen Tenor aus dem Opernstudio, spontan interviewt. Er vertraut mir an, dass er erst 27 Jahre alt ist. Die Altersgrenze für das Opernstudio liegt bei 29 Jahren zum Eintrittszeitpunkt. Kuzenok hat im Rahmen der Kölner Kinderoper schon bei „Hoffmanns Erzählungen mitgewirkt. Ich nehme die Gelegenheit wahr, ihm ein paar Fragen zu stellen.

Fragen an Anton Kuzenok, Tenor:

OM (Opernmagazin): Wie sind Sie auf das Internationale Opernstudio Köln aufmerksam geworden?

AK (Anton Kuzenok) : Ich habe fünf Jahre am Konservatorium in Saratov Gesang studiert und war zwei Jahre als Tenor in der Oper in Samara (Russland) im Ensemble. Da habe ich zum Beispiel Lenski in „Eugen Onegin“, Tamino, Berendey in Rimsky-Korsakovs Schneekönigin, und in Boris Godunov gesungen. Meine Agentur hat mich auf das Opernstudio aufmerksam gemacht. Ich hatte gerade den Internationalen Gesangswettbewerb in ’s-Hertogenbosch  gewonnen (SIEHE VIDEOLINK) , da haben sie mich für drei Opernstudios vorgeschlagen. Zürich suchte einen Koloraturtenor, aber in Köln habe ich genau gepasst.

OM: Wann haben Sie sich beworben?

AK: Die Auditions waren im Februar 2018, meinen Vertrag habe ich ab September 2018 bekommen.

OM: Was schätzen Sie an der Arbeit in der Kinderoper?

AK: Die Kinderoper kürzt die Opern und arbeitet mit kleiner Orchesterbesetzung. Dadurch werden die Stücke nicht so lang, die Partien nicht so groß. Und Rainer Mühlbach erarbeitet die Partien mit uns.

OM: Wie hat Ihnen der Workshop mit José van Dam gefallen?

AK: José van Dam ist ein so freundlicher Mensch, und er hat Humor. Außerdem ist er ein phantastischer Sänger.

OM: Was haben Sie an Erkenntnissen und Tipps mitgenommen?

AK: Ich muss versuchen, meinen Akzent zu vermeiden. Er hat mir beigebracht, dass der Text sehr wichtig ist und die Haltung beim Singen. Und man muss offen singen.

OM: Würden Sie anderen jungen Sängern empfehlen, sich in Köln bei der Oper für das Opernstudio zu bewerben?

AK: Auf jeden Fall! Herr Mühlbach ist ein so guter Lehrer und er ist sehr freundlich und verständnisvoll. Und die Kolleginnen und Kollegen sind alle sehr nett.

OM: Welche Ziele haben Sie für Ihre Zeit nach dem Engagement im Opernstudio?

AK: Ich singe gerne Mozart, Rossini und französische Oper. Das Leben ist nicht vorhersehbar!

 

  • Bericht und Interview von Ursula Hartlapp-Lindemeyer 
  • Titelfoto: Meisterkurs Jose v. Dam / Foto @ Michael Cramer, Opernfreunde Köln

     

     

     

     

 

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